Karadzic fordert Entschädigung vom UN-Tribunal

5. August 2009, 21:43
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Ex-Präsident der Republika Srpska sieht seine Rechte durch Festnahme im Vorjahr verletzt

Den Haag/Sarajevo - Radovan Karadzic fordert vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eine finanzielle Entschädigung für seine angebliche Entführung aus Serbien. Einen entsprechenden Antrag stellte der im Vorjahr in Belgrad festgenommene Ex-Präsident der bosnischen Republika Srpska und Haager Angeklagte am Mittwoch. Karadzic behauptet, am 18. Juli 2008 in Belgrad von unbekannten Personen aus einem Bus abgeführt worden zu sein, die ihn vor der offiziellen Festnahme drei Tage lang an einem unbekannten Ort festgehalten hätten, wie der bosnische TV-Sender RTRS unter Berufung auf den Antrag berichtete.

"Die Behörden Serbiens haben fälschlicherweise angegeben, dass er (Karadzic) am 21. Juli 2008 festgenommen und am 22. Juli dem Richter vorgeführt wurde. Er wurde am 18. Juli festgenommen", heißt es demnach darin.

Der Angeklagte forderte das UNO-Tribunal auf, im Laufe des bevorstehenden Gerichtsverfahrens festzustellen, dass seine Rechte auf Freiheit und Information über die Gründe der Festnahme verletzt worden seien, ebenso wie das Recht auf eine rechtzeitige Anhörung durch einen Richter. Aus diesem Grund solle das Haager Gericht im Falle einer Verurteilung wegen Völkermords oder Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg (1992-95) außerdem eine entsprechende Entschädigung bzw. Strafmilderung beschließen. Der Prozess gegen Karadzic soll laut früheren Ankündigungen im September beginnen.

Der einstige politische Führer der bosnischen Serben hatte schon unmittelbar nach seiner Festnahme in Belgrad erklärt, dass diese drei Tage vor dem von den serbischen Behörden angegebenen Datum erfolgt sei. Daraufhin tauchten Gerüchte auf, dass ihn Kopfgeldjäger aufgespürt haben könnten, die ihn dann an die Behörden übergeben hätten. Karadzic hatte zuvor mindestens ein Jahr lang unter falschem Namen als Heilpraktiker in Belgrad gelebt. (APA)

 

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