"Dylanmania"

6. August 2009, 16:59
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Eine französische Kompilation präsentiert 17 von über 26.000 Coverversionen von Bob-Dylan-Songs

Laut der Webseite Dylancover.com existieren derzeit da draußen über 26.000 Coverversionen des großen alten US-Songwriters. Von den Tantiemen her gesehen, dürfte das nicht nur die ohnehin nicht in Anspruch genommene Rente sichern. An die Himmelstür klopfen, in den Wind blasen und am Uhrturm vorbei, da muss man nicht zweimal nachdenken.

Auch dieser neueste Bob-Dylan-Tribut, zusammengestellt in Frankreich und teilweise mit Bands und Künstlern bestückt, die zu ihrer Lieblingsmusik Röck en Röll sagen, kann eines nicht verheimlichen. Dylans gute Lieder (er schrieb auch zwei, drei Handvoll schlechte) sind so gut, dass man sie selbst von miesen Rockabilly-Bands wie den Slumcats und deren Deutung des Subterranean Homesick Blues nicht kaputtkriegen kann. Neben Golden Oldies wie Bryan Ferrys in diesem Zusammenhang nicht gänzlich unerwartet auftauchender guter alter Deutung von A Hard Rain's A-Gonna Fall oder Knockin' On Heaven's Door in der Version von Antony & The Johnsons bestechen vor allem hierzulande unbekannte Bands. Kumisolo trällern zum Synthiepop der jungen Depeche Mode während eines Ausflugs zum Maturaball fröhlich Mr. Tambourine Man, während im Hintergrund Roy Blacks Begleitband aus dessen Wörthersee-Filmen fröhlich mit dem Motorboot vorbeifährt. Sheraff spielen Blowin In The Wind Richtung böser Industrial-Rock im Stile von Nine Inch Nails - oder noch schlimmer: Marilyn Manson machen sich sehr sympathisch zum Gespött vor uns allen.

Wir hören Dylan als Streichquartett, das Vitamin String Quartett bläst Hurricane als hochkulturelles Ereignis auf. Medi & The Medicine Show im Verein mit Charlie Winston pumpen Like A Rolling Stone Richtung Southern Soul. Magnet und Gemma Hayes fällt zu Lay Lady Lay auch nicht viel mehr ein, als es Dylan selbst nicht vermochte. Jehro zupfen All Along The Watchtower auf die Blumenwiese und stellen keltische Harfen nach. Don't Think Twice It's Alright von Kim beeindruckt durch die Verwendung des billigsten Omnichord-Effekts aller Zeiten: perlende Tonleiter-Kaskaden! Und die French Connection 3 schießt den Festbock. I'll Be Your Baby Tonight als Swing Jazz eines hühnerbrüstigen Sinatras.

Unkaputtbar, dieser Dylan. (schach / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2009)

 

  • Various Artists - Dylanmania (Manana/Lotus)
    foto: manana/lotus

    Various Artists - Dylanmania (Manana/Lotus)

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