Voll Porno

6. August 2009, 18:41
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US-Rapperin Amanda Blank will es ordentlich besorgt kriegen - dies teilt sie dem jungen männlichen Zielpublikum einträglich mit

Man hat es bei diesem neuesten Nightclub, der heute Nacht aufmacht, im gewissen Sinn mit der Engführung in der Luft liegender Dringlichkeiten zu tun, die man als endgültige Pornografisierung unserer westlichen Gesellschaft papperlappisieren könnte. Selbst Britney Spears muss sich als betagtes Mädchen heute auf der Bühne mit aus ihrem Mund fallenden Schimpfwörtern wie "Bitch!" und leicht abwaschbarer wie atmungsinaktiver Bekleidung auseinandersetzen, die ihr daheim auf dem Dorf beim örtlichen Ku-Klux-Klan ein Teer- und Federn-Kostüm einbringen würden. Dank beliebter Rammlerseiten wie Youporn sehen heutzutage ja selbst schon 15-jährige Schönheiten aus der Wachau aus wie wasserstoffblonde ukrainische Körperschauspielerinnen. Sie finden die Welt "voll Porno" und rasieren sich die Haare bis hinein ins Mittelohr, um ästhetischen Vorgaben zu entsprechen, die früher in diskreter Verpackung über den Postweg ins Haus kamen.

Kein Wunder, dass die 26-jährige US-Rapperin Amanda Blank aus Philadelphia bei Liebe sofort an das dazugehörige Kondom und nicht etwa an romantische Anwandlungen des Gemüts denkt. "Might like you better if we slept together!" muss nach der Aussage "Hey DJ, play the song a little louder!" wohl auch als zentrale Botschaft ihres künstlerischen Schaffens gelten. Wo Peaches, die kanadische Übermutter eines selbstbewusst bei Prinz Porno wildernden Feminismus, über brachialen Heimwerker-Beats aus dem Laptop noch ihre wuchernde Körperbehaarung als politisches Statement thematisierte, hat man es bei Amanda Blank mit den epilierten nackten Tatsachen zu tun. Porno ohne Handlung. Make It, Take It oder Something Bigger, Something Better oder Lemme Get Some werden von ihr zwar als selbstbewusste Statements einer jungen Frau gedeutet. An der Kernkäuferschicht junger weißer Jünglinge wird sie dennoch nicht rütteln wollen.

Musikalisch ist das Unternehmen mit hypermodernen Dancefloor-Sounds der Produzenten Diplo, Switch und Spank Rock hochgradig bestückt und findet so auch die Gnade des Feuilletons. Geil! (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2009)

 

  • Amanda Blank - I Love You (Universal)Sie will wahrscheinlich nur spielen. Die derbe US-Rapperin Amanda Blank: "Buy anything with my name on it!"
 
    foto: universal

    Amanda Blank - I Love You (Universal)



    Sie will wahrscheinlich nur spielen. Die derbe US-Rapperin Amanda Blank: "Buy anything with my name on it!"

     

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