Berliner Pfarrer stirbt unter Trümmern

5. August 2009, 19:35
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Abbruch aus Geldmangel selbst durchgeführt

Der Versuch, seine Kirche im Nobelbezirk Charlottenburg selbst zu reparieren, hat einen Berliner Pfarrer und seinen Helfer das Leben gekostet. Constantin Mihoc, der 49-jährige Geistliche der russisch- orthodoxen Gemeinde, und ein 36-jähriges Gemeindemitglied aus Rumänien wollten eine Giebelwand auf dem Flachdach niederreißen, um danach ein neues Kirchenschiff und einen Turm zu errichten. Für das Vorhaben waren 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Aus Geldmangel wurde für die Abbrucharbeiten kein professionelles Abbruchunternehmen beauftragt.

Die Polizei geht davon aus, dass die Wand, die eingedrückt werden sollte, in die falsche Richtung kippte und ein Teil des Flachdaches der Kirche "Die Heiligen Erzengel Mihail und Gavriil" einstürzte. Dabei begruben die 50 mal 30 Zentimeter großen Steine die beiden Männer unter sich. Die genaue Ursache für den Einsturz ist noch unklar.

Als der Notarzt eintraf, konnte er nur noch den Tod der beiden feststellen. Fünf weitere Männer, die an den Arbeiten beteiligt gewesen waren und das Unglück mitansehen mussten, wurden verletzt und kamen schwer schockiert ins Krankenhaus. Ein Sprecher der Berliner Polizei erklärte, die Baustelle sei "mehr als nur unzureichend" gesichert gewesen. Das Landeskriminalamt ermittelt nun wegen "Baugefährdung". Grundsätzlich sind derartige Bauarbeiten in Eigenregie auf einem Privatgelände aber erlaubt und müssen nicht behördlich genehmigt werden.

Zahlreiche Trauernde haben an der Unglücksstelle Kerzen und Blumen niedergelegt. Am heutigen Donnerstag kommt der rumänisch-orthodoxe Erzbischof Serafim Joanta aus Nürnberg, um die Trauerandacht für die Verstorbenen zu halten. Die Gemeinde hatte das Grundstück mit dem Flachbau erst im Jahr 2006 erworben, die Gottesdienste finden zur Zeit noch in einer Kapelle statt. Das erste Gotteshaus der rumänisch-orthodoxen Gemeinde war im März 1945 zerstört worden. Auf der Homepage heißt es über den Wunsch nach einer neuen Kirche: "Wir hoffen, dass dieser Wunsch mit Hilfe Gottes und der frommen Gläubigen in Erfüllung gehen kann." (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD Printausgabe, 06.08.2009)

 

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