Schießen und Mauern

5. August 2009, 19:30
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Manchmal sitzt die Dienstwaffe wohl besonders locker

Die Polizei Niederösterreich "bedauert" die Angehörigen des erschossenen 14-Jährigen und des angeschossenen 16-Jährigen und verspricht, für "volle Aufklärung" des Falles zu sorgen. Das darf schon mal bezweifelt werden. Denn was das niederösterreichische Landespolizeikommando am Mittwoch offenbar als seine vornehmste und primäre Pflicht nach der Supermarkt-Schießerei in Krems ansah, war: mauern für die Kollegen.

Nicht einmal das Alter der beiden Polizisten, die geschossen hatten, wurde bekanntgegeben. Die einzige Erklärung: Man habe "in der Dunkelheit" (hatten die beiden Beamten keine Taschenlampen?) einen Schraubenzieher und eine Gartenhaue mit Pistolen verwechselt.

Lernt man bei der Polizei nicht, Tatverdächtige mit gezielten Schüssen außer Gefecht zu setzen, ohne sie dabei zu töten? Personalvertreter mögen einwenden, dass in Stress und Todesangst Fehler passieren können. Warum haben dann die beiden Polizisten, wenn sie sich bedroht fühlten, keine Verstärkung angefordert?

Es ist bemerkenswert, wie oft in Niederösterreich zur Waffe gegriffen wird. Das hängt wohl kaum damit zusammen, dass in diesem Bundesland überdurchschnittlich viele Kriminelle ihr Unwesen treiben (zum Vergleich: Wien ist führend bei Wohnungseinbrüchen). Es hat vielleicht mit dem Klima in einem Land zu tun, in dem der Landeshauptmann stolz ist, wenn einer "seiner" Polizisten einen Flüchtenden erschießt. Dann sitzt die Dienstwaffe wohl besonders locker. (Petra Stuiber, DER STANDARD Printausgabe, 06.08.2009)

 

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