Es trifft immer die Kleinen

5. August 2009, 19:31
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Fair ist es nicht, gerade die Masse der Kleinen zu schröpfen - Von Bettina Pfluger

Es ist offenbar wieder mal der Rücken der sogenannten kleinen Leute, auf dem die Folgen der Finanzkrise abgewälzt werden sollen. Im konkreten Fall sind das die Kosten für Kredite: Die Banken - und da vor allem kleinere Regionalbanken - wollen die Gebühren für Kredite nämlich deutlich erhöhen. Der Grund liegt in den durch die Krise gestiegenen Refinanzierungskosten für die Institute. Soll heißen: Wir - also die Bank - bekommen Geld nicht mehr so günstig wie vor der Krise, also hängen wir dir - den Unternehmern und Privatverbrauchern - den Kostenrucksack um.
Und das, obwohl der Leitzins im Euroraum bei einem Rekordtief von einem Prozent liegt, die heimischen Banken vom Staat mit Milliarden an Partizipationskapital versorgt worden sind und die Europäische Zentralbank den Instituten in Europa ebenfalls unzählige Milliarden zu günstigen Konditionen für die Refinanzierung zur Verfügung stellt.
Die Krux daran: Kleinere Banken müssen mehr für ihr Geld bezahlen. Sie bekommen selbiges am bankeninternen Markt nämlich nicht zu jenen günstigen Konditionen, zu denen einander große europäische Banken Kapital leihen.
Dass Banken ihre Kosten gern im Übermaß an Kunden weitergeben, ist nicht neu. Dass die Verbraucherschützer gerade jetzt laut aufschreien, sollte nicht verwundern. Fair ist es nämlich nicht, gerade die Masse der Kleinen zu schröpfen. Schon gar nicht dann, wenn Großbanken - also auch die Spitzeninstitute vieler Regionalbanken - wieder Rekordergebnisse verkünden.(Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.8.2009)

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