Österreichs Exekutive schießt vergleichsweise schnell

5. August 2009, 19:20
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Österreichweit haben Polizisten 2008 bei 377 Einsätzen 466-mal ihre Waffen benutzt. Mitgezählt sind auch der Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Bei 77 Amtshandlungen schossen Beamte insgesamt 120-mal. Siebenmal zielten sie dabei auf Verdächtige, fünf Menschen wurden schwer verletzt, zwei starben.

Zum Vergleich: Im (laut Einwohnerzahl) zehnmal so großen Deutschland gaben Polizisten 2007 bei 114 Einsätzen Schüsse ab. 10 Menschen starben.

Die beiden tödlichen Schüsse 2008, abgegeben durch österreichische Beamte, fielen in Niederösterreich. Im April erschoss ein Beamter in Zivil einen flüchtenden Rumänen auf der S1 bei Schwechat. Laut Aussage des Schützen war der Verdächtige mit dem Auto auf ihn zugerast.

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll meinte damals, das sei "ein Signal, das besagt, wer in Niederösterreich etwas anstellt, mit dem Schlimmsten rechnen muss". Gegen den Beamten wurde ein Verfahren eingeleitet, im Mai 2009 wurde es eingestellt.

Am 8. August 2008 schoss ein Polizist bei Wetzelsdorf auf einen flüchtenden Motorraddieb, der Verdächtige starb. Das Verfahren läuft derzeit noch.

Zuletzt wurde ein Polizist nach einem tödlichen Schuss 2001 verurteilt. Der Beamte hatte am 14. August 2000 auf einen flüchtenden Räuber in Gars am Kamp (Niederösterreich) geschossen. Er traf einen unbeteiligten Motorradfahrer, der Mann starb. Der Beamte wurde wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Umständen zu sechs Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe verurteilt. (tob, DER STANDARD Printausgabe, 06.08.2009)

 

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