Pack die Badelederhose ein

5. August 2009, 18:11
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Wieso die Idee des Steirerstöckl-Wirtes schon als "nächste Mozartkugel" gehandelt wird

Wien - "Seit zehn Jahren denke ich daran, dass man eine Badeshort machen sollte, die ausschaut wie eine Krachlederne" , schildert der Wiener Szenewirt Peter Kolb, Besitzer des Steirerstöckls. Nie hatte er die Zeit, diese Idee in die Tat umzusetzen. Bis zum letzten Jahr, als es ihm in der kurzen Lederhose einfach zu heiß war.

Seither ist die Hölle los: Die Badehose avancierte zum Kultobjekt des heurigen Sommers. Zwischen Simmeringer und KrapfenwaldBad wurde die Badelederhose, die nicht aus Leder ist, sondern aus gängigem Badehosenmaterial, zur angesagten Schwimmshort. Wenn sie nicht gerade ausverkauft ist.

Kurze Geschichte

Die Geschichte der Badelederhose ist kurz: Bei der Entwicklung der Badeshort war es Kolbs Ehrgeiz, dass man aus ein paar Metern Entfernung nicht erkennt, dass die Lederhose keine Lederhose sondern eine Badehose ist. Das heißt, das 79,90 Euro teure Stück hat alles, was das Original aus Leder auch hat: Hirschknöpfe, Latz, Feitltasche, Stickereien, die allerdings Drucke sind.

In Österreich fand sich niemand, der Kolbs Idee umsetzen konnte oder wollte. Also stellte er einen chinesischen Hersteller auf, der allerdings nur Aufträge annahm, wenn sie mindestens 5000 Stück umfassten. Kolb erteilte den Auftrag mit Bauchweh, was sich allerdings als unberechtigt herausstellte: Als die gefakten 5000 Lederhosen im Frühjahr da waren, waren sie binnen sieben Tagen ausverkauft. "Ich habe bisher drei mal nachbestellt" , sagt Kolb, "jedes Mal ein voller Erfolg." Auch imitiert waren die Dinger gleich: "Innerhalb von 14 Tagen gab es nachgemachte Hosen" , sagt Kolb, der sich die Idee klugerweise hat schützen lassen.

Wo es die Hose gibt

Die einmal angesprungene Nachfrage kommt nicht zum Erliegen: Intersport-Eybl nahm die Hosen ins Repertoire auf, so es sie gab. Gigasport ebenso. Flyniki verkaufte sie an Bord seiner Flieger. Mit dem FC Bayern wird gerade verhandelt; im Internet gibt es Zugriffe auf den Shop "von Japan bis Miami" . Beim nächsten Oktoberfest soll die Kolb-Kollektion im Käferzelt angeboten werden. Denn mittlerweile gibt es auch ein weibliches Gegenstück: Der Bikini im Lederhosen-Stil ist wahlweise in Zuckerlrosa oder Türkis erhältlich.

Auch die Honoratioren sind aufmerksam geworden und gehen im Steirerstöckl ein und aus. Schließlich sind in unserer von der Wirtschaftskrise gebeutelten Welt die Erfolgsstorys rar. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny soll die Hosen aufgrund ihres Tourismuspotenzials als "nächste Mozartkugel" bezeichnet haben, sagt Kolb nicht ohne Stolz. Im Herbst hofft er, Zeit zu haben, der Sache auch Struktur zu verpassen.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.8.2009)

 

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