Mehr Wohlstand stoppt Geburtenrückgang

5. August 2009, 19:00
1 Posting

In reichen Ländern werden mehr Babys geboren - was schlecht für die CO2-Bilanz ist

London - Österreicher machen wieder weniger Kinder. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ging die Geburtenrate im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent zurück. Damit liegt das Land im internationalen Trend, konnte man zumindest bislang meinen. Die Lehrbuchmeinung lautet nämlich, dass wachsender Reichtum, bessere Ausbildung und ein gut entwickeltes Gesundheitssystem dazu führt, dass immer weniger Nachwuchs immer später in die Welt gesetzt wird.


In der industrialisierten Welt waren über die vergangenen Jahrzehnte hinweg tatsächlich sinkende Geburtenraten zu beobachten. Bei einem genaueren Blick auf die Dinge ergibt sich aber ein ganz anderes Bild, zeigt eine neue Studie von Mikko Myrskylä, Hans-Peter Kohler und Francesco C. Billari von der Universität Pennsylvania in Philadelphia. Anhand von Daten zwischen 1975 und 2005 aus mehr als 100 Ländern kommen sie zum Schluss, dass sich jener Trend des Geburtenrückgangs ab einem besonders hohen Entwicklungsgrad wieder umkehrt. Der Verlauf der Kinder-Wohlstands-Kurve habe sich damit in den letzten Jahren zu einem gespiegelten „J" gewandelt, so die Forscher in der Wissenschaftszeitschrift Nature (Bd. 460, S. 741).


Als entscheidender Indikator erwies sich dabei der Human Development Index (HDI), der den Grad der Entwicklung eines Landes anhand von Reichtum, Bildung oder Lebenswerwartung misst. Liegt der HDI über 0,85 bzw. 0,9, dann gehe es auch langsam wieder bergauf mit der Geburtenzahl, wie sich etwa am Beispiel der USA oder den Niederlanden zeigen lasse. Und auch Österreich (HDI: 0,948) hatte 2008 einen Anstieg der Geburtenrate um fast zwei Prozent im Vergleich zu 2007.

Babys als Umweltfaktor 

Zwei US-Statistiker bringen in Sachen Familienplanung nun allerdings ein weiteres, umstrittenes Argument mit ins Spiel: Paul Murtaugh und Michael Schlax von der Oregon State University errechneten in der Fachzeitschrift Global Environmental Change , dass jedes US-Kind die Kohlenstoffbilanz pro Elternteil um 9441 Tonnen erhöht. (Zum Vergleich: ein chinesisches Kind kommt auf 1384 Tonnen.) Die Forscher empfehlen daher, nicht mehr als zwei Kinder in die Welt zu setzten - was auch die Bevölkerungsgröße in etwa stabil hält. Natalie Bachl

 

Share if you care.