Sommer im Seichten

5. August 2009, 17:48
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Die Doku beobachtete Karriereverläufe von Prince und Michael Jackson und glaubte, Trennendes und Verbindendes zu entdecken

Ins Paralleluniversum der abgehobenen Popstars führte Dienstag "Doctor Prince und Mister Jackson" auf Arte. Der Sender feiert ja seit Juli den Summer of the Eighties im Programm und hält sich dabei eher im Seichten auf. Nichts für ungut, liebe Bon-Jovi-, Bryan-Adams-, U2- und Tina-Turner-Fans.

Was grundsätzlich okay ist: Retrofernsehen darf sein - vorausgesetzt, es kann wenigstens einen kleinwinzigen Mehrwert zum freudigen Kollektiverinnern beitragen. "Doctor Prince und Mister Jackson" ließ da über weite Strecken aus.

Die Doku beobachtete Karriereverläufe von Prince und Michael Jackson und glaubte, Trennendes und Verbindendes zu entdecken. Rivalität wurde im schnellen Doppelpass aus Schnitten und Interviews zugespielt, nach dem Motto: Je öfter man Konkurrenz herbeiredet, umso wahrer muss sie sein.

Plattenverkäufe wurden zitiert, Bilder von legendären Auftritten und berühmten Ausrastern. Wir sahen Vorher-Nachher-Bilder von Michael Jackson und stolze Wortverweigerung des Plüschhasen Prince. Tourmanager kamen zu Wort, natürlich Musikjournalisten, doch kaum jemand von Relevanz. 

Aus dieser Routineübung stachen einzig die Gefährtinnen des kleinen Prinzen hervor: Wendy und Lisa. Die beiden beeindruckten schon damals nicht nur durch die Größe ihrer Schulterpolster, sondern durch virtuoses Bearbeiten ihrer Werkzeuge, Gitarre und Keyboards. Heute wirkten sie erfrischend klar und schätzten die Zeit aus gelassener Distanz ein. Womit sie sich heute beschäftigen, erfuhren wir nicht mehr: Wendy und Lisa komponieren, zuletzt etwa für die TV-Serie Heroes. Doch so weit wollte die Doku schon wieder nicht unter die Oberfläche gleiten. Zu heiß für den Sommer. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 6.8.2009)

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