Spendenabsetzbarkeit

"Politischer Racheakt des Finanzministers"

6. August 2009, 08:04
  • Artikelbild
    foto: standard/fischer

    "Die Tatsache, dass es die Spendenabsetzbarkeit überhaupt gibt, ist nicht zuletzt Erfolg der Umweltschutzorganisationen, weil wir das extrem gepusht haben."

WWF-Chefin Aichberger über "Zweite-Klasse-Spenden-Organisationen" und warum Josef Pröll als Umweltminister "keinen guten Job" gemacht hat

"Aus meiner Sicht gibt es keine sachlichen Gründe und deshalb kann es eigentlich nur ein emotionaler Akt des Finanzministers sein", sagt Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin des WWF Österreich, zum Ausschluss der Tier- und Umweltschutzorganisationen von der Absetzbarkeit von Spenden. Es sei ein "Racheakt" dafür, dass die NGOs während Prölls Zeit als Umweltminister "lästig" waren. Aichberger fürchtet nun, dass die Regelung Auswirkungen auf den WWF hat: "Andere Organisationen werben massiv mit der Spendenabsetzbarkeit." Die Fragen stellte Rosa Winkler-Hermaden.

****

derStandard.at: Global 2000 hat angekündigt, gegen die Regelung, wonach Spenden an Tier- und Umweltschutzorganisationen nicht von der Steuer absetzbar sind, Verfassungsklage einzureichen. Wird sich der WWF der Klage anschließen?

Aichberger: Wir stehen natürlich in engem Austausch mit anderen Organisationen und werden dieses Anliegen auf jeden Fall unterstützen. Ob wir außerdem eine eigene Klage einbringen, ist noch offen. Jedenfalls werden wir nicht bis 2011 warten, bis es die angekündigte Evaluierung geben wird.

derStandard.at: Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Klage etwas bringt? Verfassungsrechtler Heinz Mayer meint etwa, dass die "Erfolgsaussichten eher zweifelhaft" sind.

Aichberger: Wir haben verschiedene Rechtsmeinungen eingeholt und es wird uns eine ganz gute Chance attestiert, dass wir mit dem Anliegen durchkommen.

derStandard.at: Warum ist es Ihrer Einschätzung nach so, dass die Tier- und Umweltschutzorganisationen nicht berücksichtigt wurden?

Aichberger: Aus meiner Sicht gibt es keine sachlichen Gründe und deshalb kann es eigentlich nur ein emotionaler Akt von Seiten des Finanzministers sein. Ich gehe schon davon aus, dass es ein politischer Racheakt ist, dafür, dass wir lästig sind. Dafür, dass wir Pröll als Umweltminister - ich sage lieber Landwirtschaftsminister - kritisiert haben. Er hat aus unserer Sicht keinen besonders guten Job gemacht. Wir haben ihm das Leben sicher nicht sehr leicht gemacht. Es ist aber unsere Aufgabe, dass wir uns für die Anliegen von Natur- und Umweltschutz und letztendlich auch Anliegen der Menschen einsetzen.

derStandard.at: War das ein ständiger Kampf mit Pröll, den Sie ausgefochten haben?

Aichberger: Es gibt nur wenige Beispiele, wo sich Pröll für Anliegen des Umweltschutzes stark gemacht hat. Wir haben ihn daher relativ breit auf vielen Ebenen kritisiert. Österreich ist in Pölls Zeit als Landwirtschaftsminister zum Beispiel bei der Erreichung der Kyoto-Ziele, beim Klimaschutz, bei der Positionierung Österreichs als Energie- und Klimamusterland ans Schwanzende der Europäischen Union zurückgerutscht.

derStandard.at: Haben Sie ein persönliches Gespräch mit dem Finanzminister gesucht?

Aichberger: Die Tatsache, dass es die Spendenabsetzbarkeit überhaupt gibt, ist nicht zuletzt Erfolg der Umweltschutzorganisationen, weil wir das extrem gepusht haben. Das Thema wurde ja schon in den letzten zwei Legislaturperioden immer wieder diskutiert.

Als die Spendenabsetzbarkeit dann als großer Erfolg angekündigt wurde - allerdings mit dem Schönheitsfehler, dass eine Zweiklassengesellschaft geschaffen worden ist - da wurden die Umweltorganisationen aus den Gesprächen gezielt ausgeschlossen.

derStandard.at: Was für negative Auswirkungen könnte diese "Zweiklassengesellschaft" haben? Besteht die Gefahr, dass niemand mehr für den WWF spendet?

Aichberger: Für uns ist es eine extrem kritische Situation. Andere Organisationen werben massiv mit der Spendenabsetzbarkeit. In der Außenwahrnehmung ensteht das Bild, diese Organisationen haben das Gütesiegel des Finanzministeriums, was für die SpenderInnen mittelfristig eine Vertrauensfrage sein wird. Und das ist ein grosses Problem. Im Moment spüren wir zwar noch kaum negative Effekte. Allerdings führen wir das darauf zurück, dass viele Menschen jetzt erst recht für uns spenden. Wir bekommen unglaublich viele Anrufe und E-Mails von Personen, die sagen, wir finden das total unverständlich, was da passiert ist. Wir gehen davon aus, dass uns dieser Effekt im Moment noch hilft, dass wir es aber in der Zeit, wenn das Spenden wieder richtig los geht, also vor Weihnachten, spüren werden.

derStandard.at: Gibt es durch die aktuelle Wirtschaftslage generell Schwierigkeiten für NGOs?

Aichberger: Bisher spüren wir nur leicht, dass es schwieriger wird, dass wir zum Teil mehr Spender verlieren oder geringere Beträge bekommen. Aber ich würde es noch nicht als dramatisch bezeichnen, weil viele Menschen wissen, dass gerade in Krisenzeiten das Spenden wichtig ist. Ab Herbst wird sich die Wirtschaftskrise wohl voll auf die Haushalte niederschlagen, dann gehen wir davon aus, dass sich das auch auf die Spenden auswirken wird. Auf uns leider doppelt, weil wir als Zweite-Klasse-Spendenorganisation gebrandmarkt wurden.

derStandard.at: Inwieweit ist der WWF auf Spenden angewiesen?

Aichberger: Spenden sind ungefähr 70 Prozent unserer Einnahmen und zwar durchwegs von kleinen und mittleren Spendern. Das sind einfache Mitglieder und Paten. Menschen, die zwischen 40 und 60 Euro im Jahr spenden. Das macht beim WWF die Masse aus. (derStandard.at, 6.8.2009)

Zur Person: Hildegard Aichberger (37) ist Geschäftsführerin von WWF Österreich. Sie studierte Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 279
1 2 3 4 5 6 7
mundl6
00
30.12.2009, 19:20
CARITAS die Deckmäntelchenfirma

Die Caritas besitzt einen Bewachungsgewerbeschein und tritt mit dieser gewerblichen Tätigkeit und zwar mit dem Erscheinungsbild eines Unternehmens (Schalten von Inseraten) gegenüber Gewerbebetrieben in den Wettbewerb. Daher ist eine Spendenabsetzbarkeit der CARITAS unlauterer Wettbewerb. Der Staat födert mit Steuermitteln fremden unlauteren Wettbewerb. Auch andere große Organisationen sind davon teils betroffen.

Paola Pistocchi
15
31.8.2009, 11:42
Naja. Wenn man der Caritas was spendet,

vergessen die regelmäßig "Danke" zu sagen, sondern schreien nur nach mehr.
Das einzige was man von der Caritas bekommt, ist ständig ein schlechtes Gewissen eingeredet.

Ich brauche vor allem auch keine christl. Organisation, die ständig versucht mit linken Kampfparolen Politik zu machen.

Eine Kreatur
10
23.9.2009, 21:14
"linke kampfparolen" in der charitas?

sie haben wohl keine ahnung was die forderungen einer politischen linken sind ..

und wenn menschenrechte und erhalt der menschenwürde für sie "kampfparolen" sind, ist bei ihrer persönlichkeitsentwicklung wohl sehr viel falsch gelaufen ..

Peppermint Betty
10

Es zwingt Sie ja niemand, jemandem etwas zu spenden.

135
 
01
Der Feudalherr Pröll hat eben den modernen

Ablasshandel eingeführt. Nur daß dem edlen Spender
Steuer erlassen und keine Karte für den Himmel zukommt.
Feudalherren machen sich gerne für ihre Klientel für Privilegien stark und die Steuerzahler leben in Leibeigenschaft eines ungerechten Systemerhalters.

Michel Berger
02
Der Wettlauf der Anständigen


Warum soll eine Spende steuerschonend sein?

Wer für seine Überzeugungen wirklich einsteht, der wird auch ohne Steuerbegünstigung dafür eintreten und sicher auch spenden.

Die gesamte Diskussion zeigt nur wie verlogen vorgegangen wird.

Der Staat mit seinen Einrichtungen soll wieder als die große Melkkuh der Schlauen herhalten.
Persönliche Interessen werden unter dem Mäntelchen einerf allumfassenden Gutherzigkeit verschämt versteckt.

Wo Geld und Ego aufeinandertreffen beginnt es zu stinken - dies gilt gleichermaßen von ganz Links bis ganz Rechts.

Einen schönen Tag noch!

systema radl
00
hoffentlich lassen endlich alle dieses gespende ....

damit dieser moloch von staat irgendwann sieht, was er alles nicht kann und nicht macht. dann hätten wir endlich das was hoffentlich bald kommt.....

fyi1
00
wen interessierts ...

was das Finanzministerium will .... es ist halt traurig , dass hier eine gesellschaftspolitische Einflussnahme versucht wird , die weder in Art noch Absicht zu goutieren ist .
Steht jeder zu seiner Überzeugung , so ist es letztlich nur eine demokratische Frage - wer sich von einer politisch gewählten Macht per Gesetz anpinkeln lässt ist schon selber schuld !

135
 
00
No ja, Sie vergessn vielleicht, daß zusätzlich

alte Menschen für ihre oft mühsam abgesparten Spenden keinerlei Erleichterung haben.

also dann ...
34
dass pröll... j e d e r horizont - der über den des bauern-bund-kassiers von unter-pimperl-brunn in NÖ...hinausgeht - fehlt, bestätigt diese aktion aufs neue !

- für die banken...
wurde das geld = s c h u l d e n...der st.zahler verschleudert bis zum abwinken !
- die zinsen (hypo + volksbank = 180 mio !) wurden "verschenkt" - bei vollem bewußtsein ...

und bei der spendenliste läßt
er jene sensibilität vermissen, die einen politiker
mit HORIZONT und AUGENMASS auszeichnet !

seine "kleinkarierte geisteshaltung"...
bestätigt das niveau der ö v p !
so gesehen - keine überraschung.

captaineskimo
02

wann wurden 180 mio euro zinsen an die banken verschenkt? hab ich da was nicht mitbekommen? der bund zeichnete partizipationskapital, welches zu den eigenmitteln zählt! da ist nix mit zinsen, wenn es keinen gewinn gibt.

also dann ...
00
10.8.2009, 11:34
hmhm... z u e r s t wurden laut in den medien "geschrien"...,

dass die banken für das geliehene geld d. steuerzahler hohe 8-9 5 !) zinsen zahlen...
und sodann - sieh an - war dem nicht mehr so...
180 mio
= entgangene zinsen der hypo + volksbank 2008 !

Peppermint Betty
00

Man sollte halt immer den ganzen Text lesen und vorzugweise die primären Quellen.

Walter Angelli
45

Kannst du offenbar arbeitsloser Dauerposter dir eigentlich keine Urlaubsreise leisten, oder kriegst du keinen Freigang?

also dann ...
42
ihre frustrationen und emotionalen befindlichkeiten...gehören ja ihnen ganz alleine :

keine angst...
ich nehme sie ihnen nicht weg.

systema radl
01
aber die bank....

bruhahahaha

pepitant
02
Da die Absetzbarkeit der Spenden

zur Einnahmenreduktion des Staates führt, die irgendwie ausgeglichen werden muss, bedeutet dieses Gesetz nicht mehr und nicht weniger, als dass Steuergeld Organisationen gespendet wird, die der VP-Politik genehm sind, ohne den Steuerzahler zu fragen, wen er als Empfänger haben möchte. Pröll hat also ganz gegen meinen Willen beschlossen, das Geld, das ich dem WWF zur Verfügung stellen wollte, an eine ihm genehmere Organisation zu überweisen.
Ich halte das für eine ziemlich freche und bevormundende räuberische Aktion, gegen die man sich eigentlich in einer Form von Notwehr verteidigen dürfen müsste.
Ich vermute, den meisten VP-Wählern ist die Qunitessenz der Vorgangsweise nicht bewusst. Drum sinds ja auch VP-Wähler :-)

rrrn
 
00
christlich?

Das juengste Gericht: ihr werdet so beurteilt, wie ihr den geringsten meiner Brueder behandelt habt (sinngemaess).
Aber die OeVP kann nicht anders, als immer mit den Maechtigen heulen.
Natuerlich gibt es Ausnahmen: Tirols Ex-LH Wallnoefer: "ein guter Kommunist ist mir lieber als ein schlechter OeVPer". Salzburgs Erzbischof Kothgasser: "die Wahrheit ist manchmal zu schneidend, kalt - dann muss sie durch die Liebe gemildert werden". Oder meine Gymnasium-direktorin, die einen Lehrer sofort von der Schule wies, als er Nazipropaganda im Unterricht betrieb.

krosser pruter
00
40-60 Euro durchschnittsspende

da es hier keine oder nur eine marginale absetzbarbeit gibt, wird das das spendenaufkommen wahrscheinlich nicht beeinflussen, es ist aber grundsätzlich eine auf spenden basierende gesellschaft abzulehnen und den staat als umverteiler mehr in die verantwortung zu nehmen.

tablespace65
216
J. PRÖLL, der Bauer

Genau das ist der Punkt! J. PRÖLL verhält sich nicht wie ein "objektiver" Finanzminister, sondern wie ein Lobbyist der Bauern, Jäger, Tierquäler und natürlich der "braven Kirchengeher".

Nachdem die ÖVP sowohl die "mafiosen Tierschützer" als auch die "subversiven Umweltschützer" auf legalem Wege nicht in die Schranken weisen konnte, glaubt man jetzt halt, dass man mit dieser inakzeptablen Spendenregelung diese Menschen und deren Vereine wenigstens finanziell "austrocknen" könnte. Aber diese Rechnung wird wohl auch nicht aufgehen...

M. P.1
01

Er hat's ja vom Onkel so gelernt.

wienwolf
00
Der richtige Forschungsansatz muss es eben sein...

Auf der Liste des BMF mit Stand 31.12.2006 die da heißt "Begünstigter Empfängerkreis für Zuwendungen im Sinne des § 4 Abs. 4 Z 5 lit. d oder e EStG 1988" steht "Global 2000 Umweltforschungsinstitut" (seit 1994) dabei. Allerdings kein Greenpeace, aber z.B. auch die Thomas Bernhard Privatstiftung, die Stiftung Lebensbaumkreis/Verein z. Förd. des Lebensbaumkreises, CliniClowns (Forschungsverein für Humortherapie etc), Krebsforschungseinrichtungen, die Forschungsinstitute WWF (seit 1994), Vier Pfoten, die Schönbrunner Tiergarten GmbH, der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, auch ein Institut für Gesellschaft und Umwelt sowie die Österr. Ges. für Ordenskunde.
Der entsprechende Absatz im EStG wurde im BGBl. I Nr. 26/2009 gestrichen.

Adrian Stampfli
06
ohne Umwelt gibts auch keine Menschen

insofern ist der Umweltschutz nicht einfach so ein spleeniges Hobby von ein paar Arbeitslosen, sondern ein wichtiges Unterfangen um unseren Planeten bewohnbar zu halten. Insofern ist Umweltschutz auch ein Dienst am Menschen, nur halt eher an zukünftigen Generationen als an der momentanen. Insofern ein skandalöser und kuzsichtiger Entscheid.

thomas.B.
52
Wichtig ist : Spenden für die Menschen absetzbar

Hauptsache, Spenden für Hilfsorganisationen und Menschen in Not, sowie rettungsorganisationen sind steuerlich absetzbar.

Irgendwo muss eine Grenze gezogen werden, da ja die steuerliche Absetzbarkeit auch eine Zahlung des Staates (Steuergeld von allen) darstellt.
Dass jeder österreicher indirekt über die Absetzbarkeit noch mitzahlt finde ich für Organisationen im "Humandienst" (Rettung, Feuerwehr, Hilfsorganisationen,..) vollkommen in Ordnung.

Wenn jemand für Tiere oder Umwelt spenden will, so kann er dies ja ohnehin weiters machen, aber bitte keine "Zwangs-Subventionierung" (sorry für den Ausdruck) durch Steuergeld aller Österreicher.

Natürlich leisten diese Organis. wertvolle Arbeit, aber auch Steuergeld ist Geld aller Österr.

systema radl
00
also keine spenden mehr endlich!

dann braucht der arme staat auch nix zahlen und kann neue eurofighter kaufen. endlich.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 279
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.