Beisetzung von Peter Zadek in Italien

    6. August 2009, 12:34
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    Zeremonie im engsten Familienkreis - Letztes großes Interview veröffentlicht

    Hamburg - Peter Zadek hat sich zeitlebens heimatlos gefühlt und sein eigentliches Zuhause nur auf der Bühne gesehen. Jetzt wird der große Regisseur, der am vergangenen Donnerstag im Alter von 83 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Hamburg starb, seine letzte Ruhe in Italien finden. In einem kleinen Dorf in der Toscana liegt sein Sommerhaus, in den Bergen hoch über Lucca mit einem weitem Blick in die Ebene. Vielleicht wird er dort im Garten oder auf dem Dorffriedhof beigesetzt. "Auf Wunsch der Familie findet die Beisetzung im engsten Familienkreis ohne Bekanntgabe des Grabplatzes statt", sagte jedenfalls eine Sprecherin des Bestattungsunternehmens am Mittwoch in Hamburg.

    "Ich war 25 Jahre in London, aber es ist nicht mein Zuhause, und Berlin schon gar nicht, wo ich geboren bin, und Hamburg auch nicht. Mein Zuhause ist Elisabeth (Plessen). Ich bin ein Wanderer. In Israel war ich noch nie. Ich fühle mich zu Hause auf der Bühne. Das ist mein Leben, sozusagen 'my way'", sagte Zadek in einem letzten Fernsehporträt von 2007 (ZDF/Arte). "Wenn man mich fragt, was ich bin, sage ich, ich bin Jude. Aber ich kann auch sagen, ich bin Peter Zadek. Das ist die beste Antwort. Ich fühle mich nicht zugehörig zu einem Land oder einer Religion, dann würde ich mich nicht frei fühlen".

    Aufregendste berufliche Zeit in Bremen

    Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat ein letztes großes Interview mit dem Regisseur veröffentlicht. Zadek sagte darin über sich selbst, er sei "ein sehr ängstlicher Mensch". Auch habe er sich selbst als "gar nicht so clever" wahrgenommen. Sein großer Vorteil sei: "Ich habe eine sehr freie und lose Fantasie, mit der Regieführen wirklich großen Spaß macht." "Die Zeit" führte das Gespräch mit Zadek im Mai anlässlich Zadeks 83. Geburtstag an seinem italienischen Wohnsitz.

    Zadek sah seine schönste und aufregendste berufliche Zeit in Bremen. "Das lag an den 60er Jahren und am Intendanten Kurt Hübner. Da war eine Stimmung! Also alles, was wir gemacht haben, war eine neue Erfindung." Er habe in Deutschland die Schauspielerei neu erfinden müssen: "Als ich 1959 nach Deutschland kam, standen die Akteure auf der Bühne und sprachen nur Text. Aber sie spielten nicht Theater. Das hat mich total überrascht ... Schauspieler gingen damals nicht wie Menschen, sondern eben wie Schauspieler. Unnatürlich. ... Die Jungen wussten überhaupt nicht, wo es lang geht. Das war für mich natürlich die Gelegenheit."

    "Leader, not Dictator"

    In den 70er Jahren hatte sich Zadek gegen die Mitbestimmung am Theater ausgesprochen: "Ich hätte damals gerne die Intendanz in Kassel übernommen. Aber da wurde ich in einer Art Hearing gefragt, was ich von Mitbestimmung im Theater halte. Gar nichts, habe ich gesagt. Entscheidungen in der Kunst könnten immer nur in einem Kopf stattfinden. Damit hatte ich den Posten verspielt." Zadek fügte hinzu: "Die Engländer lieben leaders and not dictators. Das ist auch die richtige Beschreibung für mich."

    Er habe auch schlechte Erfahrungen mit manchen Schauspielern gemacht, die er zu seinen "Geschöpfen" zählte. "Als ich krank wurde, haben mich einige von ihnen ziemlich im Stich gelassen." Die Shakespeare-Inszenierung von "Was ihr wollt" von Zadeks und Tom Strombergs Firma "my way production" war als Koproduktion mit den Berliner Festspielen, den Wiener Festwochen und der Ruhrtriennale geplant und musste nach längerer Vorbereitung im Mai 2007 wegen einer schweren Erkrankung Zadeks schließlich abgesagt werden. Dabei sollten auch erstmals die drei großen Zadek-Schauspielerinnen Eva Mattes, Susanne Lothar und Angela Winkler gemeinsam auf der Bühne stehen, neben Otto Sander, Hans-Michael Rehberg und Uwe Bohm.

    Shakespeare, Sobol, Hindemith

    "Jetzt träume ich davon, in einem Dorf in der Mark Brandenburg mit meiner Schauspielerfamilie meine nächste Shakespeare-Komödie zu proben", hatte Zadek gesagt. "Peter hätte sich gewünscht, dass sie es zu Ende bringen", meinte Stromberg damals. "Ein gewisser Respekt vor Zadek hätte das auch möglich machen müssen. Das ist doch eine 30-jährige Verbundenheit."

    Zadek hat zuletzt auch daran gedacht, "Ghetto" von Joshua Sobol neu zu inszenieren, womit er 1984 einen seiner größten Erfolge als Regisseur erzielte. Außerdem war Shakespeares "Timon von Athen" mit Ulrich Tukur und Robert Hunger-Bühler am Hamburger St.Pauli-Theater geplant. Auch beschäftigte sich der Regisseur mit der Oper "Cardillac" von Paul Hindemith, die er 2010 in Wien inszenieren wollte. In besonderer Erinnerung waren Zadek, wie er in dem letzten Interview sagte, neben "Ghetto" auch seine Inszenierungen von "Othello", "Hamlet", "Die Geisel" und von Ibsen-Stücken geblieben. (APA)

     

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