"Novi-Sad ist nicht Kapfenberg"

5. August 2009, 15:43
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Austria Trainer Daxbacher warnt, sich im Rückspiel gegen die Ser­ben auf dem 1:1 auszuruhen. Standfest verletzt, erst 5.500 Karten abgesetzt

Wien - "Zuerst", hält Austria Manager Kraetschmer fest "müssen wir den Salzburgern gratulieren." In Favoriten haust der Sportsgeist. Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, legt Kraetschmer nach: "Das war für die UEFA-Fünfjahreswertung enorm wichtig."

Der Sieg der Salzburger war für Austria-Trainer Karl Daxbacher aus einem anderen Grund ein willkommener Anlass, "Salzburg hat bewiesen, dass ein 1:1 aus dem Hinspiel nicht viel zu bedeuten hat", warnt der violette Übungsleiter. Neben den Attributen, die man einer serbischen Fußballmannschaft üblicherweise zugesteht, "Spielstark, ballsicher und technisch hervorragend", stellt Daxbacher eine berechtigte Frage: "Warum muss der Zweite der vergangenen serbischen Meisterschaft klar schlechter sein, als der Dritte der österreichischen?" Auf die Antwort lässt er nicht lange warten.

Aggressivität und Achtung

"Novi-Sad hat in der österreichischen Wahrnehmung einfach keinen besonderen Stellenwert. Aus Ex-Jugoslawien kennt man nur Roter Stern und Partizan Belgrad sowie Dinamo Zagreb, dass es dort allgemein eine hohe Spielkultur gibt, darf aber nicht übersehen werden", erklärt Daxbacher. Warum seine Mannschaft dennoch Favorit ist, kann der Austria-Trainer ebenfalls beantworten: "Wir haben aus Serbien ein sehr günstiges Resultat mitgebracht", Daxbacher erinnert sich, "auch Auswärts haben wir viele Chancen vorgefunden und das macht Hoffnung auf Tore."

Die Taktik, die er seinen Spielern vermitteln will, besagt zum einen "nicht verhalten spielen", zum anderen "nicht naiv ins offene Messer laufen". Wie das zu funktionieren hat: "Durch Aggressivität in der eigenen Hälfte erzwingen wir den Ballgewinn und in der Offensive werden wir durch schnelle Pässe gefährlich", so weit, so Daxbacher. Auch über eine mögliche "Gefahr", weiß der Austria-Trainer bescheid, "Im Kopf zu haben, dass ein 0:0 für den Aufstieg ausreicht, kann ganz leicht schief gehen." Die im Hinspiel noch sehr lückenhafte Abwehr der Wiener, behielt in der Meisterschaft gegen Kapfenberg eine torlose Weste. "Novi-Sad ist nicht Kapfenberg, gegen die Serben werden wir mehr zu tun haben. Die gesamte Mannschaft muss nach hinten arbeiten, damit die Abwehr funktioniert", so Trainer Daxbacher. Gegen die Serben fällt Teamverteidiger Joachim Standfest krankheitsbedingt aus, Stürmer Thomas Jun ist wegen Knieproblemen fraglich. Im Tor bekommt weiterhin Robert Almer das Vertrauen und den Vorzug gegenüber dem wieder genesenen Szabolcs Safar.

Enttäuschender Andrang

5.500 Karten hat die Austria bisher für das Rückspiel zur Europa League-Qualifikation gegen Novi-Sad verkauft. 11.135 könnte sie verkaufen, dank dem erstmals ausgeklappten "All-Seater-System" im Horr-Stadion, das auch die Ost-Tribüne besitzbar macht. "Enttäuschend", wie auch der Sportliche Vorstand Thomas Parits zugeben muss. "Wir hätten uns mehr verdient", sagt Parits, "aber die Ost-Tribüne imponiert mir, die sorgt für gute Stimmung und den nötigen Heimvorteil." Für das Budget der Austria wäre auch ein Ausscheiden gegen die Serben kein Malheur, die Wiener behaupten lediglich mit der aktuellen Runde kalkuliert zu haben. Die auf 90.000 Euro aufgestockte Rundenprämie im Falle eines Weiterkommens würde zwar für keinen weiteren Stürmer reichen, schaden würde sie dem Börserl der Veilchen aber mit Sicherheit nicht.

Einer flog nicht über die Grenze

Warum der serbische U-19-Teamspieler Danijel Aleksic kein Visum bekommen hat und nicht mit der bereits am Montag nach Wien gereisten Mannschaft mitkommen konnte, ist auch für die Austria rätselhaft. "Fast unglaublich", so Parits, "aber uns sind die Gründe dafür nicht bekannt." Aleksic fehlte den Serben bereits im Hinspiel, da er mit der U19 in der Ukraine engagiert war. Dass durch die Abwesenheit des Novi-Sad-Stürmers, die Visumfrist nicht eingehalten werden konnte, dient als Erklärungsansatz, der aber für die Austria vor dem Spiel am Donnerstag nicht "unglaublich" wichtig zu sein scheint. (Simon Hirt, derStandard.at, 5. August 2009)

Möglichen Aufstellung und technischen Daten für das Drittrunden-Rückspiel in der Qualifikation zur Fußball-Europa-League FK Austria Wien - FK Vojvodina Novi Sad (Donnerstag, 19.15 Uhr/live ORF 1, Horr-Stadion, Schiedsrichter Oleg Orjekow/Ukraine):

Austria: Almer - Klein/Krammer, Bak, Dragovic, Ortlechner - Junuzovic, Baumgartlinger, Vorisek, Acimovic, Jun (Topic/Diabang), Okotie. Ersatz: Safar - Suttner, Hattenberger, E. Sulimani, Liendl
Fraglich: Jun (Knieprobleme)
Es fehlen: Standfest (krank), Madl, Leovac (beide nicht im Kader)

Vojovinda:
Brkic - Vulicevic/Kizito, Karan, Lovric, Pekovic - Ajuru - Stjepanovic, Djurovski, Stoica/Tumbasevic, Tadic - Mrdja. Ersatz Drinic - Smiljanic, Grozdanovski, Maksimovic, Mitosevic, Kutsischwili
Fraglich: Vulicevic, Stoica (beide blessiert)
Es fehlt: Aleksic (kein Visum erhalten), Popovic (nicht im Kader)

Hinspiel-Resultat: 1:1
(1:1). Tore: Djurovski (45.+1) bzw. Jun (38.)

Auslosung der vierten und letzten Quali-Runde: Freitag (13.30 Uhr) in Nyon/Schweiz

  • Austria-Trainer Karl Daxbacher warnt vor Novi-Sad, sieht aber einen 60:40 Prozent-Vorteil seiner Mannschaft.
    foto: derstandard.at/hirt

    Austria-Trainer Karl Daxbacher warnt vor Novi-Sad, sieht aber einen 60:40 Prozent-Vorteil seiner Mannschaft.

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