Beschleunigte 3D-Grafik im Web nimmt Gestalt an

5. August 2009, 14:33
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Microsoft potenzieller Stolperstein für geplanten "WebGL"-Standard

Das Industriekonsortium Khronos Group hat erste Details rund um den geplanten Standard "WebGL" bekannt gegeben, der Hardware-beschleunigte 3D-Grafik im Browser auch ohne Plug-ins möglich machen soll. WebGL wird moderne Webtechnologien nutzen, um hochwertige 3D-Grafik unter Ausnutzung von OpenGL direkt in den Browser zu bringen. Anlässlich der Computergrafik-Konferenz SIGGRAPH haben unter anderem Mozilla und Google, die der WebGL-Arbeitsgruppe angehören, ihre Unterstützung des Projekts unterstrichen. Im ersten Halbjahr 2010 soll der offene Standard veröffentlicht werden. Offen ist allerdings, wie Microsoft mit dem Browser-Marktführer Internet Explorer zu dem entstehenden Standard steht - was sich als Stolperstein entpuppen könnte.

HTML 5 sowie JavaScript

Angekündigt wurde das Projekt auf der Games Developers Conference und nun steht fest, was damals nur als eine mögliche Option gehandelt wurde. Die WebGL-Spezifikation wird unter anderem auf das Canvas-Element aus HTML 5 sowie JavaScript setzen, um die Brücke zwischen Browser und der Grafikspezifikation OpenGL ES zu schlagen. Damit soll der Entwicklung von 3D-Anwendungen für Browser, die ohne Plug-ins auskommen, Tür und Tor geöffnet werden. "Wir denken, dass 3D der logische nächste Schritt für Firefox ist", meint in diesem Zusammenhang Mozillas Arun Ranganathan, Leiter der WebGL-Arbeitsgruppe. Dieser gehören auch andere wichtige Unternehmen wie AMD, Ericsson, Nvidia und der norwegische Browserhersteller Opera an.

"Google ist offenen Webstandards verpflichtet und begeistert, Teil der WebGL-Initiative zu sein"

Google hat zwar zuletzt selbst mit O3D eine native Grafikschnittstelle für den Browser Chrome in Aussicht gestellt. Doch anlässlich der SIGGRAPH betont man die Unterstützung des Khronos-Projekts. "Google ist offenen Webstandards verpflichtet und begeistert, Teil der WebGL-Initiative zu sein", sagt Googles Engineering Director Matt Papakipos, der auch mit dem O3D-Projekt in Verbindung steht. Mit Google, Mozilla und Opera stehen somit drei wichtige Browser-Hersteller ganz offiziell hinter WebGL. Apple ist immerhin Mitglied der Khronos Group und damit besteht die Hoffnung, dass auch der Safari-Hersteller bei WebGL problemlos mitziehen wird.

Microsoft ist kein Mitglied der Khronos Group

Fraglich ist jedoch nach wie vor, wie der Browser-Marktführer zu WebGL steht. Microsoft ist kein Mitglied der Khronos Group und der Internet Explorer (IE), der nach StatCounter-Statistiken global bei rund 60 Prozent Marktanteil liegt, unterstützt auch in der aktuellsten Version 8 das Canvas-Element nicht nativ. Somit erscheint fraglich, ob die weltweite Mehrheit der Web-Nutzer WebGL mit ihrem Standardbrowser nutzen können wird. Microsoft unterstreicht selbst gerne die Bedeutung von Interoperabilität und es wäre denkbar, dass zukünftige IE-Generationen WebGL-fähig sein werden. Allerdings sieht sich der Konzern gerade in Sachen Webstandards immer wieder mit Kritik konfrontiert. So gingen Opera-Chef Jon von Tetzchner die Standardisierungs-Schritte beim IE8 nicht annähernd weit genug. Im Herbst 2008 hat es sogar eine Rüge von Web-Pionier Tim Berners-Lee gegeben, was die fehlende IE-Unterstützung von skalierbaren Vektorgrafiken betrifft. Diesbezüglich hat der IE8 keine Fortschritte gebracht. (pte)

 

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