Haider-Schau als "tolles Geschäft" für Klagenfurt

5. August 2009, 13:42
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ORF attestiert Dörfler beim Nazi-Luftschutz-Stollen, in dem die Ausstellung stattfindet, einen "historischen Irrtum"

Wien/Klagenfurt - BZÖ-Obmann Josef Bucher kann die Aufregung um die geplante Gedenkausstellung für den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider in Klagenfurt nicht verstehen. Es werde eine "gute Ausstellung", die Haider "privat und politisch darstellen kann und wird", sagte er am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz. Dass die Kosten von 85.000 Euro aus der Kasse der Stadt Klagenfurt bezahlt werden sollen, ist für Bucher alles andere als negativ: "Das wird ein tolles Geschäft für die Stadt Klagenfurt."

"Kein Gauleiter" im Stollen

Er habe es nie kritisiert, wenn über eine politische Persönlichkeit eine Ausstellung gemacht wurde, betonte Bucher. Deshalb verstehe er die Aufregung nicht, wenn eine "ehrenwerte Gruppe" eine Ausstellung über Haider, "eine außergewöhnliche politische Persönlichkeit", mache.

Auch die Kritik, dass die Ausstellung in einem ehemaligen Nazi-Stollen stattfinden soll, kann Bucher nicht nachvollziehen: "Fast in jedem Stollen hat es Einrichtungen gegeben, wo die Zivilbevölkerung Zuflucht gefunden hat." Dass sich in dem Bunker der Gauleiter Friedrich Rainer in den letzten Kriegstagen verschanzt hatte, glaubt der BZÖ-Chef ebenfalls nicht. Er habe recherchieren lassen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass dort kein Gauleiter gewesen sei.

Dörflers "Irrtum"

Mit der historischen Wahrheit nicht so genau hat es unterdessen offenbar Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) genommen. Er hatte den ORF im Zusammenhang mit der geplanten Haider-Ausstellung kritisiert. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte in seinem "Kulturmontag" über Schau im ehemaligen Luftschutz-Stollen der Nationalsozialisten berichtet. Beim BZÖ sah man sich durch den ORF-Beitrag ins "braune Eck" gedrängt.

Dörfler fand dies umso empörender, als "in der ersten Zeit des Rundfunks in Kärnten, beginnend mit 8. Mai 1945 aus eben diesem Stollen von der RAVAG, der Vorgängerin des ORF, Radio gesendet wurde". Die RAVAG hat freilich 1938 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zu existieren aufgehört und ging im "Großdeutschen Rundfunk" auf. Nach 1945 konnte die RAVAG deshalb im Felsenstudio Kreuzberg gar nicht mehr auf Sendung gehen.

Bis zur Errichtung eines eigenen Funkhauses erfolgte der provisorische Betrieb dort vielmehr durch die "Sendergruppe Alpenland" der britischen Besatzungstruppen. Der ORF wurde schließlich 1955 gegründet. Im ORF spricht man denn auch von einem "historischen Irrtum" Dörflers. (APA)

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