Hilfe bei Ermittlungen zu Organhandel

5. August 2009, 12:04
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Regierung überzeugt, dass es Verbrechen nicht gab - Ermittlungen würden zeigen, dass die UCK keine Kriegsverbrechen begangen habe

Pristina - Die kosovarische Regierung will die vom Sonderberichterstatter des Europarates, Dick Marty, geführten Ermittlungen über den mutmaßlichen Handel mit Organen von im Kosovo gekidnappten Zivilisten unterstützen. Das Kabinett von Premier Hashim Thaci sei überzeugt, dass diese an den Tag legen werden, dass es ein solches Verbrechen nicht gab, sagte Regierungssprecher Memli Krasniqi der Tageszeitung "Express" am Mittwoch.

Auch sei die Regierung sicher, dass die Ermittlungen zeigen werden, dass die "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) in ihrem Kampf keine Kriegsverbrechen begangen habe. Krasniqi zufolge handle es sich bei den Aussagen über den vermeintlichen Organhandel um "Propaganda des offiziellen Belgrad", die gegen die Unabhängigkeit des Kosovo gerichtet sei. Auch sei dies eine Fortsetzung der Politik des früheren Präsidenten Serbiens Slobodan Milosevic, meinte Krasniqi.

Falschaussagen

Die kosovarische Polizei hatte im Juni drei Serben unter dem Verdacht festgenommen, ihre Landsleute zu Falschaussagen über den mutmaßlichen Handel mit menschlichen Organen angestiftet zu haben. Die serbischen Behörden bestritten daraufhin die Angaben Pristinas (Prishtinas), dass es sich um Mitarbeiter der serbischen Nachrichtendienste handle.

Die serbische Sonderstaatsanwaltschaft ermittelt seit eineinhalb Jahren zu dem vermeintlichen Handel mit Organen in Albanien im Frühjahr 1999. Den Anlass lieferte ein Buch der früheren Chefanklägerin des Haager UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte. In dem zuerst auf Italienisch erschienenen Buch "La Caccia" ("Im Namen der Anklage - Meine Jagd auf Kriegsverbrecher und die Suche nach Gerechtigkeit") hatte die Schweizer Juristin berichtet, dass sich die Tribunalsanklage 2004 auch mit dem angeblichen Handel von Organen serbischer Zivilisten in Albanien befasst habe.

In dem Kapitel über den Kosovo-Krieg schrieb Del Ponte über die Verschleppung von rund 300 Serben durch Mitglieder der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) nach Nord-Albanien im Jahr 1999. Dort hätten UCK-Mitglieder Gefangenen Organe entnommen und sie anschließend ermordet. Wegen fehlender Beweise waren von Anklägern des UNO-Tribunals allerdings nie Ermittlungen eingeleitet worden.

Die serbischen Ermittler, die unter anderem rund 130 Zeugen befragten, hatten über ihre Erkenntnisse Marty informiert, der sich Anfang der Woche zu einem ersten Besuch in Belgrad aufhielt. Marty ist heute Mittwoch in Pristina. Im Anschluss soll er auch Tirana besuchen. (APA)

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