Technologieträger für Kostenbewusste

5. August 2009, 17:00
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Mercedes' neue E-Klasse bietet auch "Blue Efficiency"-Versionen. Im Test: E250 CDI, mit mittelgroßem Dieselmotor

Die obere Mittelklasse von Mercedes-Benz verändert das Straßenbild. Ist die E-Klasse doch das Taxi schlechthin. Aber auch in Direktionsetagen, Ministerien, Villenvierteln wird beobachtet, welches Gesicht die Stuttgarter einer ihrer - in der unübersichtlichen Diversifikation der Sternautos - noch immer wichtigsten Modellreihen verleiht.

2009 ist der Bruch nicht so ausgeprägt wie 1995, als die E-Klasse mit dem Code W210 plötzlich als Vierauge auftrat. Dies gab Diskussionen für Jahre (der W211 sorgte für Ärger wegen Problemen mit der elektrohydraulischen Bremsanlage). Die Vieraugenstilistik ist beim W212 noch da, modernisiert über einem kantigeren Kinn. Für Traditionalisten - solche soll es unter Mercedes-Fahrern ja zwei, drei geben - haben sich die Schwaben etwas einfallen lassen: Die geschwungene Falte über den hinteren Radkästen darf an den damals unfassbar avantgardistischen "Ponton"-Benz aus den frühen 1950er-Jahren erinnern.

Auffallend weiters: Mercedes bietet eine Range verbrauchseffizienter Vierzylinder-Dieselmotoren - denn Herr oder Frau Direktor können/dürfen/sollen in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht nach den stärksten Limos greifen, wenn die gesamte Belegschaft kurzarbeitet. der Standard testete den E250 Blue Efficiency, den zwischen E200 und E350 mittleren Diesler. Laut Prospekt verbraucht diese Version - mit 204 PS und 500 (!) Newtonmetern Drehmomentmaximum - 5,5 Liter Diesel pro 100 km. Im Alltagsbetrieb kamen wir auf 7,5 bis 8,5 Liter, je nach Stadtanteil. Das ist dem Controller zu verkaufen.

Die E-Klasse ist traditionell ein Panoptikum für Technik. Diesmal ist es etwa der Attention Assist. Er bemerkt ab Tempo 80 km/h, wenn die Reifen eine Fahrbahnlinie überqueren und kein Blinker gesetzt wurde. Dann vibriert das Lenkrad - es könnte ja Unaufmerksamkeit bis zu gefährlichem Sekundenschlaf die Ursache sein.

Ein kombiniertes Warnsystem erkennt Fahrzeuge im toten Winkel des Seitenspiegels. Weitere sinnvolle Helferleins gibt es Dutzende, etwa: Geschwindigkeitsbeschränkungen werden im Vorbeifahren erkannt. Oder: Die Reichweite der Scheinwerfer wird automatisch an die Entfernung entgegenkommender oder vorausfahrender (beleuchteter) Fahrzeuge anpasst.

Fazit: eines der bestaussehenden deutschen Autos des Jahres, ein Technologieträger für den kostenbewussten Firmenchef, und auch mit kompaktem Motor ein echter Mercedes.
(Leo Szemeliker/DER STANDARD/Automobil/31.7.2009)

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  • Die E-Klasse von Mercedes war und ist ein Straßenbildpräger, die
Neuauflage eines der formal gelungensten deutschen Autos des Jahres.
    foto: newald

    Die E-Klasse von Mercedes war und ist ein Straßenbildpräger, die Neuauflage eines der formal gelungensten deutschen Autos des Jahres.

  • Aufgeräumte Noblesse charakterisiert das Interieur. Ganz klar: In der Klasse macht Mercedes keiner was vor.
    foto: newald

    Aufgeräumte Noblesse charakterisiert das Interieur. Ganz klar: In der Klasse macht Mercedes keiner was vor.

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