Schmidt - Jobs: Das Ende einer wunderbaren Freundschaft

5. August 2009, 10:11
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Apple stellt sich auf einen verschärften Kampf mit der Konkurrenz ein - Dazu gehört der Rücktritt von Google-CEO Eric Schmidt ebenso wie eine restriktive Auslese für den App Store

Es ist ein althergebrachter Theaterplot: Ein gemeinsamer Feind lässt eine Freundschaft entstehen und härtet sie. Bis zu dem Moment, in dem beide im gleichen Acker dieselben Kartoffeln ernten wollen. Der Feind in diesem Stück: der Softwareriese Microsoft. Die langjährigen Freunde: Google, verkörpert von dessen CEO Eric Schmidt, und Apple in der Person von Steve Jobs. Der Acker: das Internet und der Mobilfunkmarkt. Die Kartoffeln: Smartphones, Handysoftware, Browser und Betriebssysteme. Titel des Stücks: Was Microsoft zusammengefügt, kann der Wettbewerb doch trennen.

Einvernehmlicher Rücktritt

So kam es, dass beide Unternehmen am Montag bekanntgaben, Schmidt werde sich nach rund drei Jahren aus dem Apple-Verwaltungsrat zurückziehen. Erst im Mai hatte die US-Wettbewerbsbehörde FTC Berichten zufolge das Mandat Schmidts kritisch unter die Lupe genommen. Google betätige sich mit seinen neuen Produkten zunehmend im Apple-Kerngeschäft, sagte Jobs und nannte das Handy-Betriebssystem Android und das kürzlich angekündigte Betriebssystem Chrome OS als Beispiel. Beide Unternehmen erklärten zwar, dass der Rücktritt einvernehmlich erfolgte. Aktuell schwelt zwischen beiden jedoch ein Streit um Google-Programme für das iPhone. Apple will die Software, die für den Einsatz mit dem Sprachdienst Google Voice geschrieben wurde, nicht in seinem App Store zulassen. Die Software ermöglicht unter anderem kostenloses Versenden von SMS und günstige Telefonate über das Internetprotokoll.

Exklusive Partnerschaften im Visier der FCC

Die Auseinandersetzung hat auch die US-Telekom-Aufsicht FCC auf den Plan gerufen. In den Fokus der Behörde ist unter anderem auch die Vermarktung über exklusive Partnerschaften gerückt. Mit Ausnahme weniger Länder bietet Apple das iPhone über ausgewählte Mobilfunkprovider an, in den USA über AT&T, in Österreich über T-Mobile und Orange. Die FCC will deshalb auch prüfen, welche Rolle AT&T beim Ausbooten von Google Voice gespielt hat. Neue mobile Spielregeln Googles Telefonsoftware ist nicht die erste Anwendung, die an dem umstrittenen Zulassungsverfahren für den App Store scheitert.

Eine bedenkliche Wettbewerbsverzerrung

Branchenbeobachter sehen in der restriktiven Auslese für den Store eine bedenkliche Wettbewerbsverzerrung. Apples iPhone hat wie kaum ein anderes Handy den Mobilfunkmarkt in jüngster Zeit geprägt und die mobile Nutzung des Internet hoffähig gemacht. Doch anders als beim normalen Internet, wo jeder Nutzer jeden beliebigen Computer und die Software seiner Wahl einsetzen könne, würden im Mobilfunkbereich zunehmend Provider und Hardware-Anbieter kontrollieren und bestimmen, welche Handys und vor allem welche Anwendungen genutzt werden dürfen, meinen Kritiker. (kat, dpa/DER STANDARD, Printausgabe vom 5.8.2009)

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    Riss in der Anti-Microsoft-Freundschaft: Da Google mit eigenen Betriebssystemen dem Kerngeschäft von Apple Konkurrenz macht, geht Apple-Chef Steve Jobs auf Distanz zu Google-CEO Eric Schmidt.

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