Insektenabwehr-Mittel schädigt Nervenzellen

5. August 2009, 09:59
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DEET hemme ein Enzym, das Botenstoffe im Gehirn abbaue - Hersteller SC Johnson weist Vorwürfe zurück

London/Montpellier - Der in vielen Produkten zur Insektenabwehr verwendete Wirkstoff DEET kann nervenschädigend wirken - vor allem im Zusammenspiel mit bestimmten anderen Substanzen. Das haben französische Forscher bei Untersuchungen mit Zellkulturen nachgewiesen. DEET hemme etwa ein Enzym, das Botenstoffe im Gehirn abbaue, die sogenannte Cholinesterase, schreiben die Wissenschafter im Fachjournal "BMC Biology" (online vorab). Gefährlich sei vor allem die Verwendung zusammen mit Insektiziden, deren schädigende Wirkung verstärkt werden könne. Beispielsweise werden Kleidung oder Moskitonetze gegen Malaria-Mücken mit Insektiziden präpariert.

Die Versuche wiesen auf eine toxische Wirkung für den Menschen hin, erklärte Holger Barth vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie am Universitätsklinikum Ulm zu der Studie. In weiteren Studien müsse nun geklärt werden, wie viel DEET bei den üblicherweise verwendeten Produktmengen tatsächlich über die Haut in den Körper und das Gehirn gelangt und ob diese Dosis bereits schädlich ist.

Wechselwirkungen von DEET mit anderen Substanzen

DEET (Diethyl-3-Methylbenzamid) wird seit 1953 zur Abwehr von Insekten genutzt - unter anderem in einigen Produkten der Marke "Autan", vertrieben von der US-Firma SC Johnson. Der Wirkstoff ist auch bei staatlichen Gesundheitsprogrammen das Mittel der Wahl. 200 Millionen Menschen nutzten den Wirkstoff jährlich, heißt es in "BMC Biology". Die Sicherheit von DEET sei aber zu bezweifeln, vor allem bei Wechselwirkung mit anderen Substanzen, warnt nun das Team um Vincent Corbel vom Institut de recherche pour le developpement (IRD) in Montpellier.

Die Wissenschafter zeigten bei ihren Versuchen unter anderem, dass DEET mit sogenannten Carbamat-Insektiziden wechselwirkt und deren toxische Wirkung verstärkt. Carbamate werden vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Von ihnen ist bekannt, dass sie eine bestimmte Cholinesterase hemmen und dadurch toxisch sind.

Hersteller: "Kein Risiko"

SC Johnson, ein Unternehmen das auf derartige Produkte spezialisiert ist, reagierte in einer Stellungnahme auf die Vorwürfe. Artikel unter den Marken "Autan" und "OFF!" enthalten DEET. Behördliche Zulassungsstellen, wie z.B. die US Environmental Protection Agency, EPA, sind zu dem Schluss gekommen, dass der normale Gebrauch von DEET kein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung darstelle, hieß es in der Stellungnahme.

Grundsätzlich sollten Mückenschutzmittel immer gemäß der Gebrauchsanweisung verwendet werden. Einige grundlegende Anwendungshinweise: Überdosierung vermeiden, im Gesicht nur sparsam verteilen und nicht auf Kinderhände auftragen.

Insektenabwehrstoffe, auch Repellents genannt, enthalten Substanzen, die Mücken, Zecken, Bremsen und ähnliche Insekten fernhalten. Sie sind keine Insektizide, also nicht tödlich für Parasiten und lästige Blutsauger. (APA)

Abstract zur Studie

BMC Biology

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rund 200 Millionen Menschen nutzten den Wirkstoff DEET jährlich, der in Produkten zur Insektenabwehr enthalten ist

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