Hacker im Interview

"Sie wären über­rascht, ich habe kein Antivirenprogramm"

Birgit riegler, 9. August 2009, 11:28
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    foto: peter kleissner

    Peter Kleisser auf der Black Hat Konferenz

Entwickler Peter Kleissner über sein Bootkit "Stoned"

Vortragende auf der Hackerkonferenz Black Hat lösen oft Wirbel aus, wenn sie bis dato nicht bekannte Sicherheitslücken veröffentlichen oder demonstrieren wie vermeintlich sichere Systeme ausgetrickst werden können. Der junge österreichische Entwickler Peter Kleissner hat mit seinem Bootkit namens "Stoned" für Aufsehen gesorgt. Im E-Mail-Interview mit Birgit Riegler erzählt er von seiner Arbeit und den Problemen, die sie mit sich bringt.

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derStandardat.at: Das von Ihnen entwickelte Bootkit "Stoned" hat nach der Präsentation auf der Black Hat Konferenz für einiges Aufsehen gesorgt. Können Sie unseren Lesern nochmals erklären, wie es funktioniert?

Peter Kleissner: Das Bootkit wird in den Master Boot Record installiert und wird daher direkt vom BIOS noch vor dem Betriebssystem geladen. Es ist speicherresistent und patcht und hookt Windows Startdateien um weiterhin im Speicher aktiv und unerkannt zu bleiben. Einmal im Kernel angelangt, hat es unbeschränkten Zugriff auf das kompromittierte System. Anders als bei bisherigen Bootkits funktioniert es mit allen Windows Versionen von 2000 bis 7.

derStandardat.at: Sie schreiben selbst, dass Stoned neben TrueCrypt auch die Verschlüsselung von DiskCryptor 0.8 "umgehen" kann. Was meinen Sie damit genau?

Kleissner: Man kann mithilfe von Stoned eine vollständig verschlüsselte Festplatte infizieren. Und wenn der Benutzer sein System startet und sein Passwort eingegeben hat wird Stoned aktiv und bekommt Zugriff auf sämtlichen Daten. Es ist ein Angriff auf das Design von System Encryption, bei der nämlich der MBR ungeschützt bleibt.

derStandardat.at: Welche Entwicklungen haben Sie für Stoned noch geplant?

Kleissner: Im Moment programmiere ich an 64-bit Windows Support, Linux Support, TPM-Umgehung und AntiWPA. Diese Dinge werden im Laufe der nächsten Zeit hinzukommen und das Framework wird dem entsprechend geupdated. Außerdem bin ich gerade am Starten meiner eigenen Startup Firma, deswegen werden sich die Prioritäten davor noch verschieben.

derStandard.at: Worum geht es bei der Firma?

Kleissner: Die Startup Firma Insecurity Systems soll dort anschließen wo ich vor einem Jahr aufgehört habe. Sie soll sich mit der Sicherheit und Unsicherheit von Betriebssystemen befassen. Dazu soll unter anderem auch proof-of-concept Software und Software zu forensischen Zwecken veröffentlicht werden und Software-Entwicklung als Service angeboten werden.

derStandardat.at: Sie haben davon gesprochen, dass Stoned z.b. für den Bundestrojaner interessant wäre (berichtete heise). Bundestrojaner und Online-Überwachung sind stark umstrittene Themen, wie stehen dazu?

Kleissner: Ich stelle mich klar gegen jegliche Bundestrojaner oder Online-Überwachungsmöglichkeiten oder Zensur. Ich bin ein Verfechter des freien Internets und der Rechtsstaatlichkeit, d.h. Überwachung nur auf richterliche Anordnung, Kontrolle der Überwachung etc. Jegliches Statement, dass ich das Bootkit für einen möglichen Bundestrojaner zur Verfügung stellen würde, ist falsch. Zudem ist es wichtig politische und technische Aspekte zu trennen. Technisch gesehen könnte mein Bootkit für einen Bundestrojaner interessant sein, ja, aber ich würde es nicht zur Verfügung stellen. Außerdem ist die Diskussion über Bundestrojaner und Hacker ja/nein eine Frage der Professionalität. Ich bin Programmierer und bleibe bei meiner grundsätzlichen Neutralität zur Software. Ich versuche jegliche politischen Statements in meinen Blogs, Papers und Artikeln zu vermeiden, auch um etwaige Interessenskonflikte im Vorhinein zu verhindern.

derStandardat.at: Würden Sie denn mit der Polizei zusammenarbeiten, falls man auf Sie zukäme bzw. ist das eventuell schon passiert?

Kleissner: Nein, in den letzten Tagen ist eher das Gegenteil davon passiert.

derStandard.at: Das klingt als hätten Sie Probleme gehabt?

Kleissner: Unglücklicherweise haben in Österreich einige Institutionen darunter auch das BMLV meine Arbeit und die Intuition dahinter nicht verstanden bzw. falsch verstanden, wodurch ich letztendlich meinen Job bei Ikarus Security Software in Wien verloren habe. Außerdem habe ich Stimmen gehört, dass meine Arbeit in Deutschland und den USA für illegal gehalten wird, was aber natürlich diskutabel ist. Aufgrund der österreichischen Rechtslage mache ich mir jedoch keine weiteren Sorgen darüber.

derStandardat.at: In den Medien wurde stark hervorgehoben, dass Sie erst 19 Jahre alt sind. Stört Sie das oder schmeichelt es Ihnen?

Kleissner: Nun ich muss erst mal mein Alter klarstellen, ich bin nämlich erst 18. Auf meiner Website habe ich - zeitweise - etwas anderes behauptet - bei 40 Stunden Schule und 30 Stunden Arbeit braucht man seinen Spaß, siehe der Website "Curious" Section ;-). Außerdem - leider ist es in Österreich so - nehmen die Leute einen mehr ernst wenn man etwa angibt von der Universität zu kommen und älter sei. Ich versuche meine Arbeit, d.h. publizierte Artikel, Analysen, Papers, etc. in den Vordergrund zu heben und meine Person dabei wegzulassen. Auch auf der Black Hat habe ich bei der Präsentation bewusst mein Alter nicht bekannt gegeben - die Leute sollen objektiv und unbeeinflusst über meine Arbeit denken und nicht etwa über mein Alter erstaunt sein. Zudem denke ich, ist das auch eine Frage der Professionalität.

derStandardat.at: Dan Kaminsky und Kevin Mitnick wurden ja offenbar Opfer von Hackern, die persönliche Informationen und Passwörter im Web verbreiteten. Ist das nun eine riesige Blamage oder einfach etwas, das passieren kann?

Kleissner: Selbstverständlicherweise bleiben die Angriffsvektoren auch bei Sicherheitsexperten bestehen, obwohl ich zugeben muss, dass der Hack gegen Kaminsky in Person - die Motivation dahinter - kurios ist. Dan wurde jedoch Opfer eines einfachen Web-Server Hacks, vermutlich eine Brute-Force Attacke - aufgrund seines kurzen Passworts. Nun, Sie wären überrascht, aber ich selbst habe kein Antivirenprogramm.

derStandard.at: Und wie schützen Sie Ihre Daten?

Kleissner: Ich schütze alle meine Datenträger mit TrueCrypt - und einem Passwort das man sich nicht merken kann, selbst wenn ich es weitergeben würde - 50 Zeichen lang. Daneben habe ich zwar kein Anti-Viren Programm, bekomme aber alle Systemänderungen sofort mitgeteilt. Angst gehackt zu werden habe ich keine, in den bisherigen Fällen konnte ich den Angreifer immer identifizieren und die Attacken ordnungsgemäß behandeln. (Birgit Riegler/ derStandard.at 9. August 2009)

Kommentar posten
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undead loki
00
10.2.2012, 12:14

http://arstechnica.com/business/... e-boot.ars

Kleissner has a court date of December 15 on charges related to the Stoned Bootkit.

wie lauten denn die anschuldigungen? und wie ist denn der aktuelle stand der verhandlung, hoffentlich keine verurteilung.

Metal Heini1
00
16.10.2011, 21:46

kompromittierte System

welche Fehlbesetzung hat im techcorner wieder ein Interview geführt?

Fondueesser
100
Ein Wichtigtuer mehr, den die Welt nicht braucht!

So einer gehört doch weggesperrt. Versucht auf alle Arten in ein System einzubrechen, um dann entsprechende Sicherheitssoftware zu verkaufen. Sein Rootkit wird früher oder später sicher in falsche Hände geraten. Schlussendlich tut er uns Usern sicher nichts Gutes damit. Auch wenn Hacker immer das Gegenteil behaupten, aber sie schaden uns mehr, als sie uns nützen. Geohot wollte uns auch nur Gutes tun, als er die PS3 hackte. Und was ist nun das Resultat?

vervic
01
21.5.2012, 15:12
Den Überträger der schlechten Nachricht köpfen!

so interpretiere ich ihr posting

Idariod
02
16.3.2012, 16:04
Wer braucht eigentlich sie?

Oder was eigentlich die Frage ist, woher nehmen sie denn diese Sicherheit, dass niemand den anscheinend hochintelligenten jungen Mann braucht, hingegen ihr hetzerisches, auf Vorurteilen und Furcht basierendes Kommentar zu ihm unverzichtbar ist?

VwV
03
25.2.2012, 13:19
da gebe ich ihnen recht,

wenn jemand feststellt, dass man ein Schloss knacken kann gehört das Schloss nicht gewechselt sondern derjenige eingesperrt.... Mit seinem Bootkit könnten wir es vielleicht sogar schaffen jemanden einzusperren noch bevor er an die Öffentlichkeit geht! Das wäre das Beste!!!!

perfect BUD
00
Betriebsgeheimnis

..wenn dann ein Lehrling kommt und interne Informationen weitergibt wird man ihn nicht in der Firma behalten.
kleissner wollte "grey hat" sein und ist bei den schwarzen gelandet. kein Mitleid.

Nr.3645
00
16.9.2010, 01:19
naiv?

er stünde für den bundestrojaner nicht zur verfügung? glaubt er doch selbst nicht.
entweder mit bezahlung oder eben ohne, aber wenn die wollen wird er auch "wollen".

vervic
00
21.5.2012, 15:13

mit 18 war ich auch noch so naiv

meineMeinung1969
01
21.12.2009, 20:17
"ordnungsgemäss behandeln"

Soll er doch gleich sagen, dass er sie abgeschossen hat. :-)))))

mM

iPost
00

fand ich auch ein cooles statement ;)

rootkit lässt grüßen (:

kleeklee
02
26.9.2009, 22:46
Der Gute

ist wohl aus versehen auf die gut gehütete PC-Geheimtüre der internationalen Geheimdienste gestoßen, zu verstehen warum er sich nun mit diesem Wissen keine Freunde macht ist nicht schwer.

Sonstwer
40
19.8.2009, 18:53
Er mag talentiert sein

aber irgendwie kann ich nachvollziehen , dass es dem Ruf einer Antiviren-Firma nicht gut tut, wenn ein Mitarbeiter Viren oder Rootkits schreibt.

(weiters tut es der Firma sicher auch nicht gut, wenn ein Ex-Mitarbeiter aussagt, dass er keinen Virenscanner benutzt)

dennoch Respekt für Herrn Kleissner und seine Skills

gustl
 
00
8.10.2011, 23:25
Was soll ein Sicherheitsexperte denn sonst tun?

Soll er etwa vor seinen Computern sitzen und sich einreden alles sei sicher?

Wer einigermaßen sichere Computersysteme haben will, ist gut beraten sich so einen Typen zu engagieren, und Angriffe auf das System machen zu lassen. Dann kann man ein Leck nach dem anderen schließen.

oo_MONSTERKILL_oo
06
17.8.2009, 09:33
Ikarus Security Firma

Diese Firma hat einen genialen Mitarbeiter verloren. Wünsche ihm viel Erfolg mit seiner eigenen Firma.

Anschauungsunterricht Leben
09
12.8.2009, 12:48
In einem Land mit klugen Beamten

...würde sich das BMLV alle Finger nach so einem Junggenie ablecken.

In Österreich dagegen wird er drangsaliert und das obrigkeitshörige Firmenmanagement tut dann das Übrige, in D und den USA hätten wahrscheinlich bereits uniformierte Herren angeklopft. Die Chinesen und Russen machen's vor, wie man eine schlagkräftige Online-Truppe zur Durchsetzung der eigenen Interessen aufbaut...

Herman Toothrot
00
7.10.2011, 10:58

bei uns warens die uninformierten herren, dies vorbei geschickt ham

eklaTANT
018
12.8.2009, 12:22

"...wodurch ich letztendlich meinen Job bei Ikarus Security Software in Wien verloren habe."

Da siehts wieder mal, gescheite Leute werden in .at nicht gebraucht. Was übrig bleibt ist ein Mgmt ohne Eier.

good old europe
01
22.8.2009, 22:36

ich vermute mal, da haben die angesprochenen öffentlichen Institutionen interveniert. Von wegen und Auftragsvergabe.

RunningHot
00
10.8.2009, 17:09
Wie soll das ein email-interview sein?

Kleissner: Nein, in den letzten Tagen ist eher das Gegenteil davon passiert.

derStandard.at: Das klingt als hätten Sie Probleme gehabt?

franzonkel
02
11.8.2009, 20:09
ich find's

ja eh nett, dass sie fragen, wenn sie etwas nicht verstehn.
aber wie lautet jetzt genau ihre frage ?

oder woll'ns gar ka antwort.

ARO5
00
10.8.2009, 21:22

Es könnte mehr als ein e-mail gewesen sein ?

Pullover aus Milch
07
10.8.2009, 19:12

Erwischt. Tatsächlich wurde das Interview während eines romantischen Abendessens bei Kerzenlicht geführt.

franzonkel
00
11.8.2009, 20:12

so eine antwort ist natürlich nicht tzu toppen.

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