Immofinanz mit Verlustrekord

5. August 2009, 17:29
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Der Immofinanz-Konzern wurde voll von der Wirtschaftskrise und seiner Vergangenheit eingeholt

Wien - Das Ergebnis, das Immofinanz-Chef Eduard Zehetner am Mittwoch fürs Vorjahr präsentiert hat, stellt einen Rekord dar. Einen negativen: Der Immofinanz Konzern hat 2008/2009 einen Verlust (vor Steuern; siehe Grafik) von 3,4 Mrd. Euro eingefahren; in alter Währung wären das fast 47 Milliarden Schilling. Somit gingen binnen eines Jahres fast vier Milliarden den Bach hinunter: Im Vorjahr hatte die Gruppe noch Gewinne von 555 Mio. Euro geschrieben. Laut Zehetner ist dieser Verlust der höchste, den je ein an der Wiener Börse gelistetes Unternehmen geliefert hat. (Wobei Platz Zwei auch an Sanierungsmanager Zehetner geht: 2001 hat Feuerfesthersteller RHI 861 Mio. Euro verloren.)

Zur Orientierung: Immofinanz und Immoeast (börsenotiert, 55 Prozent hält die Immofinanz, Verlust: 2,4 Mrd. Euro) gerieten nach Deals, die das Ex-Management unter Karl Petrikovics und unter Zuhilfenahme der Constantia Privatbank (CPB) und ihrer Töchter mit Immo-Aktien getätigt haben, in arge Schieflage. Die von Petrikovics geführte CPB gehörte damals der niederländischen Constantia Packaging B.V. von Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac, musste von den fünf Großbanken aufgefangen werden und ihre Assets stehen zum Verkauf. Zehetner kam im November an Bord, die Immo-Gruppe fordert mehr als 500 Mio. Euro von der Constantia B.V.; an einem Vergleich (170 Mio. Euro) wird seit Monaten gearbeitet.

"Dramatisch schlecht"

Das "dramatisch schlechte Ergebnis" (Zehetner) sei zum einen auf die Entwicklung der Wirtschaft und Immobilienmärkte zurückzuführen, zum anderen auf die "vom früheren Management der CPB verursachten Malversationen" . Die Betroffenen, gegen die die Justiz ermittelt, weisen die Anschuldigungen, wonach sie die Immo-Gesellschaften leergeräumt hätten, stets zurück; der Standard betont, dass die Unschuldsvermutung gilt.

Das operative Geschäft der Immofinanz sei "relativ gut gelaufen" , berichtete Zehetner am Mittwoch beim Bilanzgespräch in Wien, die Mieterlöse seien um 45 auf 547 Mio. Euro gestiegen. Das Finanzergebnis hat es freilich total verhagelt: Das stürzte von plus 41 Mio. auf minus 1,3 Mrd. Euro ab. Grund: Abwertung verbundener Unternehmen, negative Wechselkurs- und Zinseffekte - und gewaltige Wertberichtigungen (565 Mio. Euro) von Finanzinstrumenten.

Dieses laut Zehetner "ungeheuerliche" Loch wurde ausgerechnet durch Investitionen in Immobilienfonds gerissen: Mehr als eine Milliarde Euro floss ab 2006 in Immobilienfonds, die von der Krise voll erwischt wurden und um fast 600 Mio. Euro abgewertet werden mussten. Zehetners Kommentar:"Es ist völlig unverständlich, wie man in dem Ausmaß in Fonds investieren konnte, in denen man wenig zu sagen hat." Je nach Entwicklung der Immobilienmärkte könnte dieses Loch über Zuschreibungen natürlich auch wieder gefüllt werden, "aber dafür müssen wir erst wieder investieren" , erklärte der Immofinanz-Chef die entsprechenden Verträge.

Geld floss in Immo-Fonds

Löcher also, wohin man schaut: Auch die Neubewertung von Liegenschaften brachte Miese von fast 1,4 Mrd. Euro; allein in der in Osteuropa aktiven Immoeast waren es minus 913 Mio. Euro. Der süße Tropfen im Wermutstrank: Eigenkapitalmäßig steht die Gruppe mit fast 4,6 Mrd. Euro auf festen Beinen, wobei auf die Immofinanz AG rund 2,4 Mrd. entfallen.

Schön langsam kommt auch wieder aktives Leben in die Gruppe, Zehetner will zwar das Portfolio durch weitere Verkäufe zurechtstutzen, aber "in Summe werden wir nicht schrumpfen" . Begonnene Projekte werden nun fertiggestellt, auf Eis liegende immer öfter aufgetaut und aktiviert.

Die Zukunft liegt aber auch in der Vergangenheitsbewältigung, und die hängt in erster Line am B.V.-Vergleich. Zehetner schätzt die Chancen, dass das hochkomplizierte Werk vor den Hauptversammlungen Anfang Oktober steht, "auf über 50 Prozent" . Rund 20 Juristen arbeiten derzeit daran; eine der Schwierigkeiten liegt darin, dass die Involvierten bis hin zu Castelbajac und Prinz Michael von und zu Liechtenstein (Ex-CPB-Aufsichtsräte) auf wasserdichte Haftungsfreistellungen bestehen.

Einbeziehen in diesen Deal möchte Zehetner auch den "bösenTeil" der CPB; also jene unverkäufliche Bad Bank, in der weitere Ansprüche (rund 170 Mio.) gegen die B.V. stecken: "Das würden wir alles aufräumen" , erläutert der Immo-Chef. Beim Verkauf des Rests der Privatbank wird nächste Woche weiterverhandelt; angeblich nur noch mit der deutschenPrivatbank Hauck & Aufhäuser. Sie würde kaufen - aber nur ohne ein Gramm Risiko. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6.8.2009)

 

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