Chávez warnt: "Basen könnten Beginn eines Krieges sein"

6. August 2009, 14:32
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Laute Kritik an US-Plänen, in Kolumbien sieben Basen mit 800 Soldaten aufzubauen - Fidel Castro für Venezuelas Bewaffnung

Cartagena/Brasilia - In immer mehr Ländern Lateinamerikas ertönen teilweise scharfe Proteste, nachdem bekannt geworden war, dass die USA ihre militärische Präsenz in Kolumbien massiv verstärken wollen.  Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe will den USA Zugang zu sieben Militärstützpunkten gewähren.

Laut dem kolumbianischen Verteidigungsminister soll die Zahl der US-Soldaten von knapp 300 auf maximal 800 aufgestockt werden. Wie Padilla am Dienstag weiter mitteilte, handelt es sich dabei um Basen für die Luftwaffe und für die Marine. Der US-Sicherheitsberater James Jones erklärte, die militärische Verstärkung diene dem Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität.

Uribe auf Werbetour

Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe hat eine Reise durch mehrere südamerikanische Staaten begonnen, um die vielfach geäußerten Vorbehalte gegen die Pläne zu zerstreuen. Uribe führte am Mittwoch Gespräche mit den Staatschefs von Chile, Argentinien und Paraguay. 

In Santiago de Chile traf Uribe die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet. Der chilenische Außenminister Mariano Fernandez sprach sich anschließend gegen eine Einmischung durch Drittländer aus. "Aus unserer Sicht muss man die souveränen Entscheidungen jedes Landes respektieren", erklärte er.

Von Chile reiste Uribe in die argentinische Hauptstadt Buenos Aires weiter, wo er Staatschefin Cristina Kirchner traf. Am Abend traf Uribe schließlich in Paraguays Hauptstadt Asunción ein, wo Präsident Fernando Lugo ihn empfing. Auch Lugo hob vor dem Treffen hervor, dass jedes Land souverän sei. Uribe wollte insgesamt sieben lateinamerikanische Länder besuchen, für Donnerstag stand Brasilien auf dem Programm.

Widerstand gegen "aggressivste Nation in der Geschichte"

Einige linke Regierungschefs warfen den USA am Donnerstag vor, den Kampf gegen die Drogenkriminalität als Vorwand für die Erhöhung ihrer Militärpräsenz in der Region zu nutzen. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez warnte in Caracas vor den Folgen: "Diese Basen könnten der Beginn eines Krieges in Südamerika sein. Wir sprechen von den Yankees, der aggressivsten Nation in der Geschichte der Menschheit", sagte Chávez.

Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hat sich sogar für die militärische Aufrüstung Venezuelas ausgesprochen. Diese sei nicht gegen das kolumbianische Volk gerichtet, sondern gegen die geplanten Militärstützpunkte der USA in Kolumbien, schrieb der langjährige Partei- und Staatschef des kommunistischen Karibikstaates am Mittwoch in einem Kommentar für die kubanischen Staatsmedien. Dies stelle eine Bedrohung für ganz Südamerika dar. Seit geraumer Zeit ist Venezuela dabei, seine Streitkräfte vor allem mit russischen Waffen zu modernisieren.

"Venezuela bewaffnet sich gegen das Imperium, das versucht hat, die (kubanische) Revolution zu zerstören", schreibt Castro in dem Kommentar weiter. "Und heute hat dieses Imperium die Absicht, nahe der venezolanischen Grenze seine modernen Waffen zu installieren."

Boliviens Präsident Evo Morales, ein enger Verbündeter von Chávez, sagte, die Pläne dürften nicht umgesetzt werden. Die Konzentration des US-Militärs in Kolumbien müsse verhindert werden. Auch der gemäßigte brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva äußerte sich besorgt über die Gespräche zwischen Kolumbien und den USA über die Aufstockung der US-Truppen.

Brasilien äußert Bedenken

Brasilien hatte bereits zuvor seinen Unmut geäußert: "In unserer Wahrnehmung erscheinen fremde (Militär-)Basen in der Region wie Requisiten aus dem Kalten Krieg. Der Kalte Krieg ist aber vorbei, und diese Region (Südamerika) ist in einem sehr starken demokratischen und friedlichen Entwicklungsprozess", sagte der Berater von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, Marco Aurélio Garcia, nach einem Treffen mit US-Sicherheitsberater James Jones in Brasília.

Das geplante Abkommen könne die Erwartungen der Region an die Regierung von US-Präsident Barack Obama enttäuschen, warnte Garcia. Er betonte, für Brasilien sei immer noch nicht klar, was eigentlich Ziel des Abkommens sei. Er forderte mehr Aufklärung und diplomatische Bemühungen, um einen "medialen Krieg" zu vermeiden. Offenbar mit Blick auf vergangene Erfahrung mit US-Interventionen in Lateinamerika sagte Garcia: "Ein Hund, der von einer Kobra gebissen wurde, hat sogar Angst vor einer Wurst."

Kampf gegen Rauschgiftkriminalität

Jones betonte dagegen die Absicht, die Stützpunkte in Kolumbien für den Kampf gegen die Rauschgiftkriminalität aber auch für humanitäre Einsätze zu nutzen. Bisher war stets davon die Rede, dass die Amerikaner drei Basen nutzen sollen. Nach Worten von Kolumbiens Verteidigungsministers Padilla sind aber sieben militärische Stützpunkte im Gespräch. (red/APA)

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    Venezuelas Präsident Hugo Chávez sieht in der geplanten Aufstockung von US-Militär in Kolumbien einen potentiellen Auslöser für Krieg in der Region.

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