Gewinneinbruch um 84 Prozent

5. August 2009, 17:31
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Sinkender Verbrauch, niedrigere Rohölpreise und Margen belasten den Konzern, das Ergebnis fiel schlechter als erwartet aus

Wien - Nicht gerade wie geschmiert lief das erste Halbjahr 2009 beim österreichischen Mineralölkonzern OMV ab. Mit einem Betriebsergebnis vor Steuern von 503 Millionen Euro, musste OMV-Vorstand Wolfgang Ruttenstorfer ein um 71 Prozent schlechteres Ergebnis als im Vergleichszeitraum 2008 (rund 1,7 Mrd. Euro) bekanntgeben. Der Periodenüberschuss fiel gar um 79 Prozent. Allein der Sektor Gas und Power (G&P) erzielte ein geringfügig besseres Ergebnis als 2008. Der Gesamtumsatz ging in den ersten sechs Monaten 2009 von 12,9 Milliarden Euro auf 8,4 Milliarden Euro zurück.

Neben der allgemeinen Wirtschaftslage führt Ruttenstorfer das schlechtere Abschneiden seines Konzerns auch auf den Einbruch der Raffineriemargen infolge niedriger Nachfrage und höherer Lagerbestände zurück. Ein niedriger Nettoverschuldungsgrad (dieser liegt bei 28 Prozent bzw. 2,7 Milliarden Euro) biete aber einen finanziellen Puffer.

Dennoch kündigte der OMV Vorstand Sparmaßnahmen an. So sollen Produktions- und Overheadkosten gekürzt werden, um das Ziel von 300 Millionen Euro Einsparungen bis 2010 zu erreichen. Dieser Betrag entspräche einer Kostenreduktion um zehn Prozent. Auch die Investitionen sollen auf zwei Milliarden Euro (2008: drei Mrd. Euro) heruntergeschraubt werden.

Analysten zeigten sich von der Bekanntgabe der unerwartet schlechteren OMV-Ergebnisse überrascht. RCB-Analyst Philipp Chladek sieht die Gründe dafür vor allem in den schwächeren Raffineriemargen und der gesunkenen Nachfrage vor allem in Rumänien.

"Strategische Brücke Türkei"

OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer sieht vor allem die Türkei als wichtigen Wachstumsmarkt für sein Unternehmen. In diesem Licht sind auch die Verhandlungen mit dem Partner Dogan Holding über den Erwerb von deren 54,17 Prozent an der Tankstellenkette Petrol Ofisi zu sehen, an der die OMV bereits 41,5 Prozent hält. Der Ausgang der Verhandlungen sei aber noch völlig offen, sagte Ruttenstorfer. Der Wert des Petrol-Ofisi-Anteils, über den jetzt verhandelt wird, wird auf mehr als eine Milliarde Dollar (695 Millionen Euro) geschätzt. Über die Finanzierung "zerbrechen wir uns den Kopf, wenn es soweit ist" , sagte Ruttenstorfer.

Daneben hat sich OMV auch am Bau eines Gaskraftwerks in Samsun (TR) beteiligt. "Die Türkei ist für uns von strategischem Interesse als Markt und als strategische Brücke zu den großen Gas- und Ölförderregionen dieser Welt" , erklärte Ruttenstorfer. Die Türkei stellt durch die Nabucco-Pipeline und durch die zehnprozentige Beteiligung der OMV an der Pearl Petroleum Company die Nahtstelle zwischen Europa und asiatischem Öl dar.

Eine konkrete Prognose für 2009 wagte der OMV-Chef nicht. Der Ölpreis, die Raffineriemargen und der Dollarkurs blieben voraussichtlich volatil. Immerhin könnte die Produktion von Gas und Öl steigen, weil OMV im ersten Halbjahr mit der Förderung in neuen Feldern begonnen habe. (APA, mpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.8.2009)

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    Nicht nur die Rohölpreise und Raffineriemargen hätten sich halbiert, sondern auch der Verbrauch gehe zurück, sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer. "In line" mit der rückläufigen Konjunkturentwicklung sei der Verbrauch in ersten Halbjahr um 5 bis 10 Prozent gesunken, in Rumänien sogar um 30 Prozent. Den Ölpreis sieht Ruttenstorfer in den nächsten zwei bis drei Jahren zwischen 60 und 80 US-Dollar.

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