Ralph Giordano kneift

4. August 2009, 23:43
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Will sein Bundesverdienstkreuz nun doch nicht aus Protest gegen ehrung für israelische Menschenrechtsanwältin Langer zurückgeben

Köln/Hamburg - Trotz seiner Verärgerung über die Verleihung des deutschen Bundesverdienstkreuzes an die israelische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer will der jüdische Autor Ralph Giordano seine eigene Auszeichnung nun doch behalten. "Die über ein ganzes Leben hin mühsam gewachsene Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland wiegt mehr als der Fehlgriff eines ihrer Organe", heißt es in einer Erklärung des 86-Jährigen, die "Spiegel-online" nach Angaben vom Montag vorliegt. Giordano hatte angekündigt, sein Bundesverdienstkreuz zurückzugeben, sollte Bundespräsident Horst Köhler die Verleihung der hohen staatlichen Auszeichnung an Langer, die auch Trägerin des Alternativen Friedensnobelpreises und des Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreises ist, nicht "rückgängig" machen.

Die Ehrung Langers sei zwar ein "Affront gegen die deutsch-jüdischen und deutsch-israelischen Beziehungen", schreibt Giordano. Die Überlegung, sein eigenes Bundesverdienstkreuz zurückzugeben, sei aber nicht richtig gewesen. Ein solcher Schritt wäre ihm auf seine "alten Tage sehr nahe gegangen". Er bleibe jedoch bei seiner Kritik an Langer, der er "Verunglimpfung" Israels vorwirft.

Der an der Universität Tel Aviv lehrende israelische Historiker und Soziologe Moshe Zuckermann schrieb zu der Kontroverse, Giordano wünsche sich offenbar, dass das deutsche Staatsoberhaupt "eine Selektion zwischen den untereinander verfeindeten Juden vornimmt". Köhlers Haltung sei ungewöhnlich, weil "deutsche Staatsoffizielle" sich üblicherweise durch eine "selbst auferlegte Vorsicht" auszeichnen würden, bei "jüdischen Angelegenheiten" nicht in den "Verruf des Antisemitischen zu geraten, welchem immer schon Zionismus- und Israel-Kritik zugerechnet werden", so Zuckermann.

Langer hat ihrerseits angekündigt, sie werde weiter "gegen die Besatzungsmacht Israel und für die Menschenrechte der Palästinenser" kämpfen: "Ich bin immer auf der Seite der Schwachen." Sie hatte insbesondere an "die Länder mit NS-Vergangenheit" Deutschland und Österreich appelliert, zu israelischen Menschenrechtsverstößen nicht zu schweigen. Wer Israels Politik kritisiere, erhalte sofort den Stempel des Antisemiten aufgedrückt, hatte die Kreisky-Preisträgerin kritisiert. (APA/dpa)

 

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