"Wir bohren richtig dicke Bretter"

10. August 2009 08:38
  • Artikelbild
    Foto: corn

    Barbara Blaha: "Wir wollen uns den sozialdemokratischen Grundwerten nähern."

  • Artikelbild

    Sammelband des ersten Kongresses.
    Barbara Blaha, Josef Weidenholzer (Hg.): Gerechtigkeit. Beiträge zur Sozial-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik.

Ex-SPÖ-Mitglied Blaha organisiert einen Kongress, bei dem über sozialdemokratische Grundwerte diskutiert wird - Bei der SPÖ ortet sie ein "massives Glaubwürdigkeitsproblem"

Zweieinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass Barbara Blaha aus der SPÖ ausgetreten ist. Es war kurz nach der Einigung der SPÖ mit der ÖVP in Sachen Beibehaltung der Studiengebühren, die den Weg in die rot-schwarze Koalition unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer geebnet hat. Die ehemalige ÖH-Vorsitzende war mit der Entscheidung unzufrieden und hat daraus Konsequenzen gezogen.

In der Zwischenzeit hat die 25-Jährige ihr Germanistik-Studium beinahe abgeschlossen, ein Kind geboren - und ist auch weiterhin politisch aktiv. Zwar nicht als Politikerin in der ersten Reihe, aber sie organisiert einen Kongress, der im Herbst zum zweiten Mal stattfindet und bei dem über sozialdemokratische Grundwerte diskutiert wird. Das Thema war im vergangenen Jahr "Gerechtigkeit". "Das lag damals auch ein bisschen in der Luft", sagt Blaha.

Sozialdemokratische Grundwerte

Heuer wird Ende Oktober bei Momentum 09 in Hallstatt zu "Freiheit" diskutiert, die aus rechtlichen, wirtschaftspolitischen und sozialpolitischen Blickwinkeln behandelt werden soll. "Wir wollen uns den vier sozialdemokratischen Grundwerten nähern". Dementsprechend sollen in den nächsten Jahren noch "Gleichheit" und "Solidarität" folgen.

Und wie ist die Idee zum Kongress entstanden? "Seitdem ich politisch aktiv bin, war immer so der Grundtenor, dass man keine Zeit für eine politische Auseinandersetzung hat ." Mit der Tagespolitik gehe "ein gewisses Zuspitzungsgebot" einher. Da soll der Kongress Abhilfe schaffen: "Es soll mehr Räume geben, wo man einmal grundlegender nachdenkt, als immer nur auf tagesaktuelle Bedürfnisse zu reagieren. Das würde der Politik im Ganzen sehr gut tun."

"Weisheit der Vielen"

Neben Blaha ist der Linzer Universitätsprofessor Josef Weidenholzer, der selbst SPÖ-Mitglied ist und erst kürzlich für die EU-Wahl kandidierte, Leiter des Kongresses. Ziel ist es, an Politik interessierte Junge mit WissenschafterInnen zu vernetzen. "Es kann jeder teilnehmen. Wir glauben an die Weisheit der Vielen." KindergartenpädagogInnen seien genauso willkommen wie UniversitätsprofessorInnen.

Und Blaha ist auch überzeugt, dass das, was da im Zuge des Kongresses ausgearbeitet wird, in der Partei Fuß fasst. "Es nehmen ganz, ganz viele Leute aus der Sozialdemokratie teil, arbeiten da dreieinhalb Tage an gar nicht so einfachen Politikfeldern und bohren richtig dicke Bretter." Sie sollen "mit einer Menge an Input heimgehen und viele neue Ideen im Kopf haben". Gleichzeitig wird aber betont, dass die Einladung sich an den gesamten deutschsprachigen Raum richtet. "Es wird die politische Gesinnung in keinster Weise als Grundlage genommen, wer teilnimmt und wer nicht."

"Massives Glaubwürdigkeitsproblem"

Letztes Jahr beim Grundwert "Gerechtigkeit" wurde das Thema Mindestsicherung angeschnitten. Umso härter trifft es Blaha jetzt, dass kürzlich die abgespeckte Variante präsentiert wurde: "Es ist ein Wahnsinn dass in einer sozialdemokratisch geführten Regierung in Zeiten wie diesen sozial Schwächere noch schlechter gestellt werden. Beim Bankenpaket wurde nicht so lange herumlaviert, sondern es wurde einfach gemacht. Wenn man sich die Tagespolitik ansieht, muss man leider sagen, man merkt sehr wenig von einer sozialdemokratischen Handschrift in der Regierungspolitik."

Und dass die SPÖ bald unabhängiger von der ÖVP agieren wird können, glaubt Blaha auch nicht, denn: "Die SPÖ hat ein ganz massives Glaubwürdigkeitsproblem und zwar nicht, weil sie medial zu schlecht kommuniziert oder zu wenig bei den Leuten ist, sondern weil sie einfach keine Politik macht, die für SPÖ-WählerInnen  sichtbar ist." Blaha ist der Meinung, dass sich das auch nicht so schnell ändern wird: "Eher im Gegenteil. Ich blicke den kommenden Wahlen nicht positiv entgegen. In Wirklichkeit hat man das fortgesetzt was das Kabinett Gusenbauer auch gemacht hat: bei den Regierungsverhandlungen möglichst alles bei Seite gelassen, um möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen." Das bedeute jetzt, dass sich in der Regierung Konflikte auftun, die man ausdiskutieren müsste. "Dabei dürfte die SPÖ aber nicht bei sich jeder bietenden Gelegenheit den Konsens betonen. Denn das bedeutet meist, dass die ÖVP gut aussteigt."

"Politische Aktivität abseits der Parteipolitik"

Eine der "wenigen richtigen Entscheidungen" der Parteiführung, die Blaha "sehr unterstützt", ist, dass man den dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf immer wieder zum Rücktritt auffordert. Nachsatz: "Eigentlich hätte man ihn aber nicht wählen sollen." Ob das spätestens der nächste Grund gewesen sei, um von der SPÖ auszutreten? Darüber zu spekulieren sei überflüssig, so Blaha. Aber eines steht für sie fest: "Ich werde immer ein politisch interessierter Mensch bleiben. Der Kongress ist ein ganz gutes Beispiel dafür, wie ich politische Aktivität abseits der Parteipolitik begreife. Es macht mir aktuell sehr viel Spaß, inhaltlich vor mich hin zu werken, wie ich es gerade tue." (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 10.8.2009)

Kongress Momentum 09
Thema "Freiheit"

22. - 25. Oktober 2009 in Hallstatt

www.momentum09.org

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 465
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
El Cafetero
04.09.2009 12:16
Auch als Nichtroter

muss ich zugeben, dass sie Respekt verdient. Sie hat seinerzeit die Aussicht auf eine schöne Politikerkarriere aufgegeben, weil sie mit den inhaltlichen Entscheidungen ihrer Partei nicht mehr mitkonnte. Das hat heutzutage wohl leider Seltenheitswert.

bernhardbernhard
04.09.2009 10:17
wer sie einmal und ihre Mitläufer der Studentenvertretung...

Babsi hin und BAbsi her. Die ist nicht anders wie alle anderen Funktionäre auch. Also erwartet euch nix von ihr!!!!!

gideon
03.09.2009 22:03
genug bla-bla, endlich taten!

ewald berkmann1
03.09.2009 13:12
eine frau, . . .

. . . die sich was traut.

monototal
 
21.08.2009 13:33
Respektlos

ich finde es beschämend wie manche in diesem forum auf frau blaha hinhauen. sie tut wenigstens was und genau die grundsatzdiskussion um die es ihr (hoffentlich) geht hat die österreichische sozialdemokratie bitter nötig. also, lasst sie machen oder machts besser.

emanze c
25.08.2009 09:45

Ganz genau.
Ein junges (Ex)Parteimitglied, dem es offensichtlich um Inhalte, nicht die große FunktionärInnenkarriere geht.

Dass man sie nicht zurückholt zeigt, was (auch) in der SP gilt: Bloss kein Widerspruch, Rückgrat, eigenständiges Denken, wenn man etwas werden will in der Partei.
Traurig.

Dagmar Rehak
 
21.08.2009 21:05
volle Zustimmung

gideon
21.08.2009 12:11
Seminararbeit im letzten Semester?

aufgeblasen zum Karrieresprungbrett!
Kotz, ist mir übel.................

the photographer
21.08.2009 08:43
Schmetterlinge

Vorschlag für ein Grundsatzseminar:
SCHMETTERLINGE: PROLETENPASSION

Gerald H
20.08.2009 07:31
"Wir bohren richtig dicke Bretter"

Ich finde dieses Piefkesprech furchtbar ...

MyFavoriteThings
22.08.2009 01:09
ist ein Zitat

aus Politik als Beruf (Max Weber).

Dicke Bretter werden jedoch erst gebohrt, wenn Menschen politisch überzeugt werden und konkrete politische Handlungen folgen ...

Die bloße Beschäftigung mit Grundsatz- und Programmfragen ist zwar sehr wichtig und interessant aber kein Bohren dicker Bretter

postkastl71
19.08.2009 16:35
es ist echt mühsam

meine frage war immer wie definiert sich die spö, für wen macht sie politik? für die die keine stimme haben war immer mein gedanke. hat sich aus der ziegelschupferei bei den wienerbergern ausser kleinen bonusen viel geändert? ja dann heissts wieder klassenkampf??reden wir darüber dass geld fliessen muss, zufriedene arbeiter machen mehr geld!
geben es aus...aber wenn einzelne gierig sind..ist aber geschichte hat sich ja 1920 schon wiederholt..lesen politiker eigentlich noch geschichte??? naja die fr.blaha schätze ich..weil sie kritisch gegenüber der spö ist...

Monytaurus
19.08.2009 05:19
Der widerlich- pekuinäre Balzruf des Geldes

Politiker sind oft wie unerzogene Kinder, sie gerieren sich hemmungslos widerspenstig. Speziell meine roten Parteigenossen haben Opas u Omas Zielvorstellung von einer sozialen Gerechtigkeit aus ihren Herzen verbannt. Mit althergebrachten Wunschvorstellungen haben unsere oft in der Verhältnismäßigkeit zum durchschnittlichen Volkseinkommen, saureichen Nabob Sozis aber schon gar nichts mehr an den Moneten speckigen Huatrandl. Hauptsache eahna sööba geht’s nutzbringend exzellent u sie haben so schnell wie möglich (für immer) ausgesorgt. Manche bringen es oft im Sauseschritt vom rotzlöffeligen Kleinstudenten zum „Pekarifeisten“ Spitzenpolitiker. Jetzt wird’s selbst mir zu säuisch haarig…

belalabe
 
16.08.2009 09:56
Wir glauben an die Weisheit der Vielen. KindergartenpädagogInnen seien genauso willkommen wie UniversitätsprofessorInnen ...

eine Formulierung die zum Nachdenken anregt ...

Placebo
 
17.08.2009 20:01
Be unseren Politikern wären Kindergartenpädagoginnen eher die richtigen Ansprechpartner. Oder die Supernanny.

Orakel1
16.08.2009 09:10
Die SPD hat so dicke Bretter gebohrt, dass sie auf eine Zustimmung....

..der Bevölkerung von 20 - 22 % gesunken ist. Jetzt können sie durch das gebohrte Loch besser in den Abgrund schauen.

HomoBavaricusSeppus
16.08.2009 18:08
SPD?

Orakel1
17.08.2009 07:51
Ja. die SPD als Mentekel für die SPÖ. Wenn man sich zu sehr...

...von der Basis entfernt, droht auch der SPÖ der Niedergang ähnlich der SPD

bernhardbernhard
16.08.2009 03:16
wie tief wird den da gebohrt...

... ich hoffe sehr tief :-))

gideon
16.08.2009 01:13
hier ist der wunsch, vater des gedankens

in diesem Sinne: Viel Spass beim Bohren

BürgerWählerSohn...
 
14.08.2009 13:23
show?!

... na da können sich wieder alle pseudo-aktiven Sozialdemokraten 3 Tage lang füttern und den Bauch streicheln lassen ... ich lese jetzt schon die sinnlosen Adabei-Meldungen danach: '... es wurden viele neue Ideen diskutiert ...', '... der Mensch muss einfach wieder in den Fordergrund gerückt werden ...', '... die Sozialdemokratie sieht einer schwierigen, aber bewältigbaren Zukunft entgegen ...', '... und zum Heimfahr'n hab i ma eh no a paar Zimtschneckerl einpackt ... bevors weghaut wer'n?! ...' *ufff*

Njörd
14.08.2009 01:59
bla, bla, bla, blaha.

die frau sollte zunächst ein handwerk erlernen bevor sie
bla, bla, blahat.

gideon
13.08.2009 14:41
politik blah blah, sonst gar nichts!

Mostbluzer
13.08.2009 17:26
ich hoffe sie bohren nicht das brett

an, das sie vorm kopf haben. könnte ins auge gehen.

Banned
 
16.08.2009 17:32
Ich schon

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 465
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.