Umweltfreundliches Gas für Kraftwerksmotoren

4. August 2009, 19:32
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In Tirol wird an Verfahren geforscht, um biogene Reststoffe schadstofffrei zu verwerten

Angewandte Grundlagenforschung könnte man es nennen, was im regionalen Kompetenzzentrum "PowerBox" in Schwaz in Tirol künftig forciert werden soll: "Wir testen, welche biogenen Reststoffe - etwa Gärreste, Grünschnitt oder Waldrestholz, das bei der Durchforstung anfällt - am besten für ein Vergasungskraftwerk geeignet sind", schildert Gerhard Hillmer, administrativer Leiter des Projekts am Management-Center Innsbruck (MCI).

Dort wurde auch, gemeinsam mit SynCraft Engineering (einem Spin-off des MCI) die dafür benötigte spezielle Vergasungstechnologie, das "Schwebebettverfahren" entwickelt und patentiert. Mit dieser Technologie können heute schon Holzhackschnitzel relativ sauber in Gas umgewandelt werden: "Die Teerthematik fällt weitgehend weg", erklärt Marcel Huber, der das Forschungsprojekt operativ betreut. "Man kann damit sicherstellen, dass all jene Produkte, die bei der Pyrolyse entstehen, thermisch umgesetzt werden." Letztendlich entstünde ein "Produktgas" - auch Schwach- oder Holzgas genannt, weil es im Vergleich zu Erdgas einen niedrigeren Heizwert hat - das nicht noch aufwändig nachbehandelt werden müsse: "Wir haben das so weit im Griff, dass wir ohne weiteren Teerabscheider einen Gasmotor betreiben können", sagt Huber.

Schnittstellen optimieren

Diese stammen von GE Jenbacher, einem weltweit führenden Gasmotorenhersteller und, neben den Stadtwerken Schwaz und Thöni Industriebetrieb, Partner bei PowerBox. Das entstandene, CO2-neutrale Gas wird als Treibmittel für die Motoren eingesetzt, die schließlich im Kraft-Wärme-Kopplungsverbund Wärme und Strom erzeugen sollen. Noch handelt es sich aber um eine reine Testanlage, die auf dem Firmengelände von GE Jenbacher steht. In den nächsten Monaten soll sie dann nach Schwaz übersiedeln, und zwar auf das Gelände der dortigen Abwasserreinigungsanlage, wo die nächste Herausforderung auf die Forscher und ihre Partner wartet: Klärschlamm.

Diesen zu verwerten sei die Königsdisziplin, meint Huber, da man sich hierbei wieder mit neuen Reinigungstechnologien auseinandersetzen müsse. Dies sei aber noch Zukunftsmusik.

Das auf drei Jahre Laufzeit angelegte und von der Tiroler Zukunftsstiftung aus dem Programm K-Regio geförderte Projekt, soll aber auch der Optimierung der gesamten Prozesskette dienen: "Das Schwebebettverfahren, die Produktgasaufbereitung, die Wärmeverwertung und den Gesamtwirkungsgrad, all das wollen wir uns noch genauer ansehen", erläutert Hillmer, der am MCI auch den Studiengang Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik leitet. In den nächsten Jahren soll eine Demonstrationsanlage errichtet werden, die die Region mit Strom und Wärme versorgt.

"Auch wenn es sich zurzeit um eine reine Entwicklungsplattform handelt", sagt Huber, "soll einmal ein kommerziell verwertbares Produkt daraus entstehen." Das Ergebnis soll dann weltweit vermarktet werden, schließlich sei das MCI eine "unternehmerische Hochschule" wie Hillmer betont. (max/DER STANDARD, Printausgabe, 05.08.2009)

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