Eine Uni in finanziellem Blindflug

4. August 2009, 18:53
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Prüfer vermissten Kontrolle, Transparenz und Kostenersätze

Wien - Die Medizinische Universität Innsbruck geriet im Vorjahr arg in die Bredouille. Zuerst wurde ihr Rektor "wegen grober Pflichtverletzungen" verabschiedet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Urologen: Verdacht auf Wissenschaftsbetrug. Dann prüfte der Rechnungshof und konstatierte "In-Sich-Geschäfte" : Der Interimsrektor habe "in eigenem wirtschaftlichen Interesse" Aufträge an sich selbst vergeben, die Uni nichts davon gehabt. Der Arzt dementiert.

Im Frühling dann, bei der Rektorswahl, der nächste Eklat: Der Uni-Rat bestellte nicht Vizerektorin Margarethe Hochleitner, sondern Herbert Lochs; die Causa ist noch nicht ausgefochten.

Nun kam der Uni-Rat selbst wegen seiner Kosten (402.000 Euro) in die Kritik; viel davon gehe aufs Konto der Sonderprüfung 2008, argumentiert Med-Uni-Kontrollor Richard Soyer (siehe Interview).

Der Befund der Sonderprüfer (Deloitte) von vorigem Dezember fiel schlecht aus; besonders der von "Abwicklung und Gebarung von Drittmittelprojekten" . Man konstatierte "lückenhaftes internes Kontrollsystem, fehlende Prozess- und Stellenbeschreibungen, mangelhafte Koordination zwischen den Abteilungen" .

Weder Rektorat noch Finanzabteilung seien "ausreichende Unterlagen für eine effektive Kontrolle des Drittelmittelbereichs zur Verfügung gestanden" . Die Prüfer zogen auch Stichproben bei den Projekten: Bei 43 Prozent davon habe es "überhaupt keine Vertragsgrundlagen" gegeben. Die daraus entstehende Kette: keine Verträge, keine "Einpflegung" ins System, "keine Überwachung der Bedeckung der getätigten Ausgaben" .

Mangels internem Kontrollsystem entgingen der Med-Uni laut Hochrechnung im Sonderprüf-Bericht Kostenersätze: allein von 2005 bis 2008 rund drei Mio. Euro.

Das fiel aber gar nicht weiter auf. Denn die Med-Uni (Budget: zuletzt rund 200 Mio. Euro) habe über kein "aussagekräftiges Management-Informationssystem verfügt", so die Prüfer Ende 2008. Kurzum: "Der Rektor führte die Universität ohne ausreichende laufende finanzielle Informationen." (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

 

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