Donner-Wetter und Schauer-Geschichten

4. August 2009, 18:51
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Hagelstürme, Hitze, Hochwasser: Extreme Wetterereignisse scheinen sich zu häufen

Rückschlüsse auf den Klimawandel lassen sich davon aber nur schwer ableiten, sagen Forscher.

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Der Sommer spielt heuer wettermäßig alle Stückerln: Auf Regen- folgten Hitzerekorde; Hochwasser, Murenabgänge und heftige Hagelgewitter richteten in vielen Regionen Schäden an.

Reflexartig werfen die Wetterkapriolen wieder Fragen nach dem Klimawandel und seinen möglichen Auswirkungen auf. Dass sich das Klima infolge eines allgemeinen Temperaturanstiegs, eines Rückgangs der Gletscher und eines Anstiegs des Meeresspiegels ändert, ist unter Wissenschaftern unbestritten. Was genau die Ursachen sind, welchen Anteil dabei der Mensch hat und welche Wetterereignisse Kennzeichen dafür sind, sorgt hingegen nach wie vor für Meinungsverschiedenheiten zwischen "Zweiflern" und "Alarmisten".

"Die heurige Fülle von extremen Ereignissen könnte durchaus auch ohne den Klimawandel passieren", sagt die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. "Wahrscheinliche Ereignisse werden jedoch häufiger auftreten, und unwahrscheinliche Ereignisse werden wahrscheinlicher", ist sie überzeugt. Kromp-Kolb ist Leiterin des Klimaforschungsprogramms StartClim, das 2003 in Reaktion auf das Hochwasser 2002 gegründet wurde und seither in interdisziplinären Projekten Fragen zu meteorologischen Extremereignissen und ihren Folgen für Gesundheit, Landwirtschaft und Tourismus beleuchtet.

Vergangene Woche haben Kromp-Kolb und Umweltminister Nikolaus Berlakovich ein vertiefendes Forschungsförderprogramm zu Klimawandel und -folgen vorgestellt, deren Ergebnisse in eine Anpassungsstrategie fließen sollen. Bis im Herbst schüttet der Klima- und Energiefonds acht Millionen Euro für das Austrian Climate Research Program (ACRP) aus, die Vergabe der ersten Tranche wird dieser Tage beschlossen.

"Extremereignisse sind relativ ungeeignet, um den Klimawandel nachzuweisen", sagt Ulrich Foelsche vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz. "Das Problem ist, statistisch nachzuweisen, dass eine beobachtete Zunahme nicht auch Zufall sein könnte. Und das umso mehr, je seltener diese Ereignisse sind." Extreme Wetterphänomene treten zudem meist sehr kleinräumig auf, weshalb die Entwicklung regionaler, hochauflösender Klimamodelle im Fokus vieler Projekte steht. Dadurch können Phänomene wie Mittelmeertiefs, die hierzulande häufig für sehr starken Regen verantwortlich sind, besser erfasst werden.

Experimentierfelder

Seit 2007 dient das WegenerNet in der Region Feldbach - ein Netz aus 150 Klimastationen im Abstand von 1,5 Kilometern - als Experimentierfeld zur Erforschung des Klima- und Umweltwandels in der Region. Alle fünf Minuten werden Daten zu Wetter und Unwetter geliefert sowie gegebenenfalls Blitze und Einschläge von Hagelkörnern registriert - alles unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse. "Damit können auch die Daten aus herkömmlichen Klimamodellen verifiziert werden", schildert Foelsche.

Extreme Wassermassen sind das Forschungsgebiet von Günter Blöschl, Hydrologe an der TU Wien und Hochwasserexperte. Das an der TU entwickelte Simulationssystem zur Prognose von Hochwasser verarbeitet zusätzlich zu den aktuellen Niederschlagsdaten Informationen über die Eigenschaften des Bodens wie Bodenfeuchte, Abflussverhalten und Landnutzung.

"Das System ist eine Nachbildung der Natur samt der menschlichen Beeinflussung", erklärt Blöschl. Nach wie vor seien die Unsicherheiten aber groß, weshalb die Modelle nach jedem Hochwasser verbessert werden. Zusätzlich sollen ein Versuchsgebiet bei Wieselburg und ein auf zwölf Jahre angelegtes internationales Doktoratskolleg mehr Erkenntnisse bringen.

"Es gibt Belege, dass Hochwässer im Vergleich zu früheren größer werden. Aber es gibt auch Belege, dass sie kleiner werden", ist Blöschl vorsichtig, was eventuelle Auswirkungen des Klimawandels betrifft. "Man weiß es nicht." Durch die Erderwärmung sei allerdings eine Zunahme der Wasser- und Grundwassertemperatur sowie ein vermehrtes Auftreten von Niederwasser zu erwarten. Alles andere sei "zu unsicher". (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Printausgabe, 05.08.2009)

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    Nach der Hitze kam der Hagel: Eine Gewitterzelle entlädt sich im Bezirk Gänserndorf.

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