Journalistinnen in Kims Arbeitslager

4. August 2009, 18:45
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Bill Clinton kam Euna Lee und Laura Ling zu Hilfe

Laura Ling war auf dem besten Weg, sich eine internationale Karriere aufzubauen - als furchtlose globetrottende TV-Journalistin: Sie hatte bereits Berichte aus den verschiedensten Krisenherden geliefert und war oft Zeugin von Gräueltaten geworden. Sie bereiste die halbe Erdkugel, von Sri Lanka und Myanmar bis Brasilien, von Kuba bis zu den Philippinen. Euna Lee dagegen hatte sich im Grunde für ein ruhiges Leben ohne große Karrieresprünge entschieden, in dem ihre Familie eine große Rolle spielen sollte. Die Reise an die nordkoreanische Grenze war ihr erster Übersee-Auftrag.

Doch nun vereint die US-Journalistinnen mehr als das gemeinsame Engagement bei Current TV, der vom ehemaligen US-Vizepräsidenten und Friedensnobelpreisträger Al Gore gegründeten Medienfirma in San Francisco, für die sie eine Geschichte über nordkoreanische Flüchtlinge recherchieren wollten. Zum Beispiel die Furcht vor der Zukunft: Zwölf Jahre Zwangsarbeit in einem der berüchtigten Gefangenenlager Nordkoreas, die von Beobachtern als "Hölle auf Erden" bezeichnet werden - so lautete das Urteil. Vorgeworfen wurde den beiden Frauen "feindselige Aktionen gegen Nordkorea" . Im März waren sie an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze festgenommen worden.

Ling, 32 Jahre alt und Amerikanerin chinesischer Herkunft, wurde im Dezember 1976 in Carmichael, Kalifornien, geboren und besuchte öffentliche Schulen; später studierte sie Kommunikationswissenschaften an der UCLA-Universität. Ihre Schwester Lisa Ling ist bereits eine etablierte und landesweit bekannte Fernsehjournalistin.

Die 36-jährige Lee übersiedelte erst als Erwachsene von Südkorea in die USA, studierte an der Academy of Art University in Kalifornien und arbeitete zunächst als Lektorin hinter den Kulissen. 2005 trat sie die Stelle bei Current TV an. Mit ihrem Mann, dem Komiker und Schauspieler Michael Saldate, hat sie eine vierjährige Tochter, Hannah.

Eines der ersten Lebenszeichen aus dem Gefängnis war ein Brief Lings an ihren Mann Iain Clayton, der daraus zitierte: "Ich bin so einsam und verängstigt", schrieb sie demnach, "aber es gibt mir Kraft, wenn ich an dich denke."

Trotz scharfer Proteste seitens der USA haben sich die Nordkoreaner bisher unerbittlich gezeigt. Nun handelte Ex-US-Präsident Bill Clinton persönlich die Freilassung der beiden aus.  (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

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