Spekulationen um Entführung litauischer Matrosen

5. August 2009, 22:17
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Rebellen dementieren Verschleppung - Nigerdelta-Befreiungsbewegung hält Waffenruhe - Litauische Reederei verhandelt angeblich bereits über Lösegeld

Vilnius - Die Rebellen der "Bewegung für die Befreiung des Nigerdeltas" (MEND) haben dementiert, etwas mit der Entführung von fünf Seeleuten aus Litauen zu tun zu haben. In einer am Dienstag vom Nachrichtenportal "Next" verbreiteten Stellungnahme von MEND-Sprecher Jomo Gbomo heißt es, die Rebellen seien in den Angriff auf das litauische Schiff "nicht involviert". Litauische Medien spekulierten noch am Mittwoch darüber, dass die MEND-Rebellen hinter der Piraten-Attacke stecken könnten.

Der litauische Lebensmittelfrachter "Saturnas" war in der Nacht auf Dienstag auf seinem Ankerplatz in der Escravos-Flussmündung des Nigerdeltas von Schwerbewaffneten angegriffen worden. Dabei wurden fünf der 14 Mitglieder der Besatzung gekidnappt und mit einem Schnellboot entführt.

Die litauische Regierung und die Reederei Limarko haben einen Krisenstab gebildet, Außenminister Vygaudas Usackas brach wegen des Vorfalls seinen Urlaub ab. Laut Medienberichten haben Verhandlungen mit den Entführern über die mögliche Zahlung eines Lösegeldes bereits begonnen.

Die "Bewegung für die Befreiung des Nigerdeltas" kämpft nach eigenen Angaben für eine gerechtere Verteilung des nigerianischen Ölreichtums und verübten in den vergangenen Jahren vor allem Anschläge auf Pipelines, Förderanlagen und andere Erdöl-Einrichtungen. Vor drei Wochen riefen die Rebellen eine zweimonatige Waffenruhe aus, um mit der Regierung in Abuja erneut verhandeln zu können.

 

 

Die Namen der entführten Seeleute, bei denen es sich durchwegs um Litauer handeln soll, wurden nicht bekannt gegeben. Der Rest der 14-köpfigen Besatzung der "Saturnas" ist laut einem Ministeriumssprecher wieder frei. Der Leiter des Instituts für Völkerrecht an der Mykolas Romeris Universität in Vilnius, Saulius Katuoka, bezweifelte im Hinblick auf die erwartete Lösegeldsumme gegenüber der litauischen Nachrichtenagentur ELTA, dass die Kidnapper um die (kritische, Anm.) wirtschaftliche Situation Litauens Bescheid wüssten. (APA)

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