Wahnsinn mit Methode

4. August 2009, 18:26
201 Postings

Anderswo hätte man einen solchen Politiker ohne viel Aufhebens und in aller Stille beerdigt

Man vergegenwärtige sich, wie Jörg Haider in der Nacht zum 11. Oktober gestorben ist. Der Kärntner Landeshauptmann raste volltrunken und mit 140 Stundenkilometern in den Tod. Eine Gnade des Schicksals, dass er kein weiteres unschuldiges Menschenleben durch sein rücksichtsloses Verhalten mit sich gerissen hat.

Anderswo hätte man einen solchen Politiker ohne viel Aufhebens und in aller Stille beerdigt. Der Scham wegen. Nicht so in Kärnten und nicht so bei Jörg Haider, mit dem ein geradezu aberwitziger posthumer Kult getrieben wird, der schon wahnhafte Züge annimmt.

Jetzt wird ihm auch noch ein eigenes Museum gewidmet. Dass dieses eine Dauereinrichtung werden wird, davon kann man in Kärnten wohl ausgehen. Dort sollen etwa das Schaukelpferd des kleinen Jörg, seine Laufschuhe oder der Schreibtisch des verblichenen Landeshauptmannes gezeigt werden. Politische Reliquienverehrung, die es sonst nur in üblen Diktaturen gibt. Auch dass das dafür vorgesehene Bergwerksmuseum in Klagenfurt als ehemaliger Nazi-Stollen ein hochbelasteter Ort ist, kümmert die Haider-Erben nicht. Dass die Eröffnung der Haider-Gedächtnisschau just auf den 10. Oktober, den Kärntner Landesfeiertag, fällt, ist kein Zufall. So wird wohl der Mythos Haider künftig wie der ebenfalls mystifizierte Kärntner Abwehrkampf als Instrument der kollektiven Gleichschaltung herhalten müssen. Der Wahnsinn hat Methode. Denn ohne seinen Gründer Haider dürfte das BZÖ nicht überlebensfähig sein. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

Share if you care.