"Der Lauda ist auch überall dabei"

4. August 2009, 18:09
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Manager Ronald Leitgeb glaubt, dass sich sein Schützling Markus Rogan nach der Disco-Affäre wieder selbst finden muss: "Keiner lässt sich gerne in die Goschen hauen". Warum der Schwimmer so polarisiert, wollte Christian Hackl wissen - ein STANDARD-Interview

Standard: Wie kommt Rogan aus der Geschichte wieder raus?

Leitgeb: Das müssen die Anwälte klären, die Fakten liegen am Tisch. 

Standard: Was raten Sie ihm als Manager? Den Mund zu halten?

Leitgeb: Er muss zu sich selbst finden und sich erholen. Es gibt keinen Sportler, der absichtlich bei einer WM keine Medaille macht. Rogan hat etwas probiert. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er versucht, sich nicht nur sportlich zu entwickeln, sondern sinnvollerweise auch einen Beruf zu erlernen, sich als Banker ausbilden zu lassen. Sportlerkarrieren dauern zehn, berufliche Laufbahnen nach Gottes Ermessen vierzig Jahre.

Standard: Wie kommt es zu diesen Reaktionen? Die Nation denkt großteils: Recht geschieht ihm. Die römischen Disco-Türsteher gelten in einigen Kreisen fast als Helden.

Leitgeb: Ist es so? Im Prinzip haben wir alle nichts dagegen, wenn einer einmal eine in die Goschen kriegt. Es ist ein klassisches Publikumsverhalten. Wie viele Leute haben gesagt, der Thomas Muster hört bald auf, der ist eh ein Krüppel. 50 Prozent davon sind natürlich eingetreten. Er hat irgendwann aufgehört. Krüppel ist er keiner, er geht immer noch aufrecht.

Standard: Stimmt irgendetwas nicht an Rogans Außendarstellung? Party-Tiger, altkluger Banker, Teil der „Seitenblicke"-Gesellschaft.

Leitgeb: Der Niki Lauda ist auch überall dabei. Rogan hat einen Vorteil gegenüber 200.000 unbedeutenden Sportlern, die auch gewinnen: Er polarisiert. Er zeigt, dass man als Schwimmer ein intelligenter Mensch sein kann. Unsereiner würde sagen: Wie blöd muss einer sein, dass er jeden Tag zwanzig Kilometer auf und ab schwimmt?

Standard: Der sportliche Erfolg blieb bei der WM in Rom aus. Hat die Häme damit zu tun?

Leitgeb: Das ist doch immer so. Hat der Franz Klammer nicht gewonnen, haben die Leute gesagt, der ist fertig. Und dann kam er wieder.

Standard: Einspruch. Klammer war immer beliebt.

Leitgeb: Ja, vielleicht. Ich glaube nicht, dass Rogan nur Feinde hat, das würde nicht seinen Sympathiewerten entsprechen. Das Traurige ist, dass Rogan immer versucht hat, gescheite Sätze zu formulieren. Was der Hermann Maier sagt, kommt beim Volk gut an. Was Markus mitteilt, ist halt oft kompliziert.

Standard: Ist Rogan nicht zum Teil selbst schuld am Disco-Vorfall?

Leitgeb: Angesoffen war er definitiv nicht, er war gut drauf. Dass er gefrustet war, ist kein Geheimnis. Einem Menschen, der zehn Jahre erfolgreich war, kann man den Ehrgeiz nicht absprechen. Man kann darüber diskutieren, ob Schwimmen eine Sportart ist, bei der du 24 Stunden im Wasser sein musst.

Standard: Rogan lässt die Öffentlichkeit an seinem Privatleben teilhaben. Muster tat das nie.

Leitgeb: Das ist eine Typsache, das hat nichts mit Sportlern zu tun. Dieses Verhalten findet man bei Politikern und bei Künstlern genauso. Die Frau Netrebko hast du nirgendwo gesehen, jetzt lässt sie sich mit ihrem Baby fotografieren.

Standard: Sie haben mit Rogan geredet. Ihr Eindruck?

Leitgeb: Er ist geknickt. Keiner von uns, egal ob er eineinhalb Glaserln zu viel oder zu wenig getrunken hat, lässt sich gerne in die Goschen hauen. Fakt ist, dass sie ihm eine drübergezogen haben.

Standard: Besteht die Gefahr, dass Sponsoren aussteigen?

Leitgeb: Hat er jemanden verletzt? Nein. Hat er jemanden im Suff mit dem Auto umgefahren? Nein.

Standard: Wie endet die Story?

Leitgeb: Gar nichts bleibt. Sie tut mir nur leid für Markus. 

Standard: Schwimmt er weiter?

Leitgeb: Das kann man jetzt nicht sagen. (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe; 5. August 2009)

ZUR PERSON:

Ronald Leitgeb (50), einst Betreuer von Thomas Muster, managt seit März 2008 Markus Rogan.

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    "Im Prinzip haben wir alle nichts dagegen, wenn einer einmal eine in die Goschen kriegt"

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