Geistliche Feierstunde mit Gewalt und Tiefgang

4. August 2009, 18:05
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Markus Hinterhäuser und Pierre-Laurent Aimard veredeln eine Festspiel-Reihe

Salzburg - Erlösungshoffnung. Einmal mit stärkstem Zweifel an der Rettbarkeit des Menschen und einmal mit nur minimalem Zweifel an der Einlösung göttlicher Verheißung: Eine untrennbare Einheit, zusammengehalten von höchster Spannung und musikalischer Präsenz, bildete schon das zweite Konzert (genauer: die zwei Hälften des zweiten Teils) in der erlesenen Festspiel-Reihe Liszt-Szenen am letzten Donnerstag im Großen Saal des Mozarteums.

Markus Hinterhäuser - ja, der Mann hat auch noch anderes zu tun! - und Pierre-Laurent Aimard waren die Liturgen am Klavier (nicht die "Hohen Priester" , dafür sind beide zu große Meister des Understatements): der eine mit machtvollen Schlägen, klangvoll changierend bei aller erforderlichen Gewalt, und irisierenden Clustern; der andere mit perlenden Kaskaden und sich in Unendlichkeit verlierenden Klangflächen.

Mit Markus Hinterhäuser spielten Mitglieder des Klangforums Wien unter Rolf Gupta. Vorangestellt waren drei Kompositionen von Galina Ustwolskaja: Bei Dona nobis pacem gesellten sich Piccoloflöte und Tuba zum Pianisten; acht Kontrabässe und Holzwürfel im Dies irae, sowie vier Flöten und vier Fagotte im Benedictus, qui venit. Zusammengehalten werden diese emotionalen Extremstücke vom Klavier, dem Hinterhäuser Klänge abzuringen wusste, die von der großen Trommel bis zur Marimba zu reichen schienen.

Balthasar-Neumann-Chor und -Solisten unter der Leitung von Thomas Hengelbrock gestalteten die Stationen von Liszts Via Crucis mit bestechender Homogenität im Chorklang und mitreißender Kraft und Farbigkeit im Ausdruck. Hier also mit Pierre-Laurent Aimard am Klavier, der dieser introvertierten Feierstunde ebenso markante Facetten gab. Die beiden letzten Liszt-Szenen führen am Mittwoch Paganini und Charles-Valentin Alkan zusammen, sowie am Samstag Liszt mit Hugo Wolf. (Heidemarie Klabacher/DER STANDARD, Printausgabe, 5. 8. 2009)

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