Ein-Personen-Firmen trotzen der Krise

4. August 2009, 18:39

Bisher zeigten sie sich relativ krisenresistent. Damit dies auch so bleibt, soll es ab Herbst eine Fülle von neuen Regeln und Erleichterungen für EPUs geben

Wien - Plötzlich kümmern sich alle um die Ein-Personen-Unternehmen (EPUs). Die grüne Abgeordnete und Wirtschaftssprecherin Ruperta Lichtenecker richtete eine parlamentarische Anfrage, inwieweit die Konjunkturpakete auch auf EPUs abstellen, und erhielt eine für sie wenig befriedigende Antwort. Insbesondere wurde im Rahmen der beiden Konjunkturpakete bisher kaum auf diesen wichtigen Wirtschaftsfaktor eingegangen. Zum Jahreswechsel gab es gut 205.000 solcher Kleinstunternehmen.

Ab Herbst sollte sich dies nun ändern. Im Zuge des von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) angekündigten neuen Insolvenzrechts, das mehr auf Sanierung denn auf Zerschlagung von Unternehmen abzielt, soll es auch zu einer Reform der derzeitigen GmbH-Ausgestaltung kommen. Wichtig für die Kleinen und Kleinsten wird dabei, dass das Stammkapital von derzeit 35.000 auf nur mehr 10.000 Euro herabgesetzt wird. Außerdem werden die Publikationspflichten vereinfacht. (Da diese billigere Firmengründung für alle Unternehmensgrößen gelten wird, wird es im Rahmen des Insolvenzrechts einen verbesserten Gläubigerschutz geben.)

Firmenwachstum

Ab 1. September soll es für EPUs auch leichter werden zu wachsen, also eine Person anzustellen, betont Elisabeth Zehetner, die Bundesgeschäftsführerin der Jungen Wirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Wenn der Ein-Personen-Unternehmer, die Ein-Personen-Unternehmerin, dann eine Person anstellt, die nicht älter als 30 Jahre ist und nicht aus dem Berufsleben kommt, werden ein Jahr lang rund 20 Prozent der Lohnnebenkosten vom Arbeitsmarktservice übernommen. "Wir hoffen, dass es den Ein-Personen-Unternehmen dadurch leichter wird zu wachsen", sagt Zehetner. "Gleichzeitig ist es eine Maßnahme gegen Jugendarbeitslosigkeit."

Kreditklemme

Was die zurückhaltende Kreditvergabe an Unternehmen betrifft, haben auch die KMUs gelitten, weiß Lichtenecker. Der ERP-Fonds, der im Rahmen von Kleinkrediten auch für EPUs abgestellt ist, hat im heurigen Jahr lediglich 81 Zusagen an EPUs getätigt. Mit einem übernommenen Obligo von 1,86 Mio. Euro wurden Investitionskosten von 2,2 Mio. Euro unterstützt. Lichtenecker: "Das ist lächerlich."

Auch im neuen Haftungsrahmen des AWS (Austria Wirtschaftsservice) wurde wenig getan, kritisiert sie. 261 Haftungsübernahmen in Höhe von insgesamt 13,3 Mio. Euro seien bei gut 200.000 Unternehmenseinheiten wenig.

Laut Peter Voithofer von der KMU-Forschung Austria sind mehr als die Hälfte der Unternehmen im gewerblichen Bereich bereits Ein-Personen-Unternehmen. Wachstum gibt es vor allem bei Wirtschaftsdienstleistungen wie Grafikern oder IT-Technikern. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

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Dust von Dust
00
geht zum steuerberater und anwalt!

und erkundigt euch wie man am besten international vorgeht.

warum sollen nur konzerne vom internationalen agieren steuerrechtlich profitieren?

ohne rechter und linker hand des teufels, sprich ohne steuerberater und rechtsanwalt mache ich in solchen angelegenheiten keinen schritt mehr!

mich hätte es einmal fast auf die pappn ghaut bei den österreichischen gesetzen, in einem buch mit hunderten seiten an muss-normen in 8 punkt schrifft, ein kleiner nebensatz. man muss sich das bis ins detail durchrechnen und für alle fälle gerüstet sein, morgen kann alles passieren. wenn du darauf nicht flexibel reagieren kannst bist du morgen wirtschaftlich tot.

und unsere derzeitige krise potenziert das risiko!

carrozza
02
Einpersonenfirmen haben zwei Hauptprobleme

Zum einen der extrem hohe (Mindest)Beitrag bei der SVA - damit werden alle eventuellen Gewinne vorsorglich schon mal abgeschöpft und der Selbständige kommt nur sehr schwer in die Situation, genügend Kapital für eine Expansion oder für die Realisierung innovativer Projekte zusammenzukriegen.

Und zum zweiten die Tatsache, dass unsere teuren Banken für Selbständige keine Kredite übrig haben. Effekt siehe oben.

In "guten Zeiten" muss der Einzelkämpfer möglichst sparsam sein, um die stets folgenden "schlechten Zeiten" zu übertauchen - und nur den wenigsten gelingt es, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Aber zu viel darf man auch nicht verdienen, sonst folgt in den Jahren danach eine hohe Einstufung bei Finanz und SVA. Ein mühsamer Nervenkrieg

José Atento
00
Höhere Einstufung?


Also warum sollte das ein Problem sein?
Wenn man im nächsten Jahr weniger Umsatz und Gewinn erwartet, dann macht man einfach eine Jahreshochrechnung, legt sie dem Finanzamt vor und ersucht um Reduktion der Steuervorauszahlung. Detto bei SVA.


Mit dem Vorsorgen in guten Zeiten haben sie aber vollkommen recht! Man muss eine solche Krise schon durchstehen können. Aber die Firmenfixkosten (besonders bei GembH) sind leider doch recht hoch. Das kann einen schon umbringen.

Freigeist
00
10.8.2009, 13:14
Einzelpersonen können keine GmbH haben

denn eine Person macht keine Gesellschaft aus ;-)

Wer sich eine GmbH als Tarnung zulegt, muss mit den höheren Kosten leben. Schliesslich "erkauft" er sich damit eine begrenzte Haftung.

Hansi müller3
00
Das ist wohl das Wunschdenken des Beamtenstaates

Die Realität scheint genau konträr zu sein. In D treibt es immer mehr Selbstständige auf das Hartz Amt. In Österreich ist es sicher genauso.

Kapitalismus Luege
00
wohl ein Scherz

in einer Firma arbeiten mit:

Kurzarbeit
Staatshaftung
Kreditzugang
Subventionen

und

Krankenstand
Urlaub
13,14 Monatsgehalt
gute Bonität bei der Bank genießen ( Häuselbauer, Familiengründung)
Betriebsrat/Gewerkschaftliche Vertretung haben

oder Einzelkämpfer bei vollem Auftragsrisiko und Abgabenlast sein?
Wird der Gewinn je dieses Risiko wert sein?

José Atento
00

Der mögliche Gewinn in einem EPU muss natürlich so hoch sein, dass er all die zusätzlichen Risiken im Vergleich zu einem Angestellten ausgleichen kann.

Ich weiß, dass das bei vielen dieser EPUs nicht der Fall ist. Diese betreiben sehr oft aus Ahnungslosigkeit welches Risiko sie eigentlich abdecken sollten, Preisdumping. Der Wirtschaft ist des recht, keine Frage. Das drückt die Kosten.

Dust von Dust
00

deshalb als auftraggeber gleich direkt onemanshows beauftragen, den preisvorteil teilen wir uns.

rette sich wer kann...

ElisaHa
00
Wachstum bei Grafikern und IT?

Also wenn ich mir mit Grafikern spreche, frage ich mich, wie Herr Voithofer darauf kommt. Werbeagenturen ersetzen erfahrene Grafiker mit Praktikanten, damit sie Kosten sparen. Am freien Markt unterbieten sich Grafiker in den Kosten. Immer mehr Standardcomputerprogramme ersetzen die Arbeit der Grafiker. Wachstum? Ja, aber weil es so viele gibt, die keine Anstellung finden.

Und bei der IT sagen sie das schon seit 100 Jahren(!), aber welchen IT-Bereich meint der Herr?

José Atento
00

Die meinen halt, dass es immer mehr dieser EPUs gibt. Nur der Grund ist eher, weil diese EPUs meist nicht voll ausgelastet sind und so natürlich weniger übrig bleibt, als wären sie Vollzeitbeschäftigt. Aber viele Arbeitslose fallen weg!

sag nüt
01
also ich kenn keinen epu

der nicht voll ausgelastet ist .... muss mann sonst wirds gleich ganz schnell eng ..... und wenn super läuft hast Du 150-200 %...aber um jemanden anzustellen braucht man das doppelte .... das machst Du dann bis 40 ...dann bist du alle bist im burnout.
da das aber leider im finanzamt keine anerkannte krankheit ist und du somit berufsfähig darfste witermachen ....ein arbeitnehmer geht 6 monate in den krankenstand Du in die insolvenz ..und was das heisst kannste den nächsten augustinverkäufer fragen

José Atento
01

Naja, wenn man als EPU wie ein Angestellter arbeitet, also ein Schein- EPU ist, dann ist man natürlich voll ausgelastet. So lange der Vertrag läuft.

Ob dabei den Meisten 150-200% übrig bleiben, als als Angestellter möchte ich einmal bezweifeln. Das mag in Sonderfällen stimmen.

Das mit dem Burn-Out stimmt. Als EPU ist man schwer gefährdet darin zu enden. Was dann darin gipfelt, dass man ohne Firma und ohne soziale Absicherung da steht. Zumindest so lange man nicht sein erarbeitetes Eigentum komplett verkauft hat, wird es mit der Sozialhilfe schlecht aussehen.

Hafniumcarbid
01
Wahrscheinlich gehts hier mehr um die "Hardcore_ITler"...

...die an den Systemen schrauben und diese entwerfen, und weniger die hippen "Oberflächler" wie Web- und sonstige Designer. Erstere sind und werden auch immer Mangelware bleiben.

natoll
00

aja und reden wir jetzt auch über die zahlungsmoral der öffentlichen hand? ich mein die berühmten 60-90 tage (im bestfall)....

noch immer ein bisserl fett im kornfeld
00

"...kosten zu prozessieren ohne von größeren schon vor prozessbeginn ruiniert zu werden. denn DAS ist mit abstand das größte problem."

wirklich wahr. kenn einige fälle, in denen damit spekuliert wurde, dass der kleine sowieso nicht klagt - und sie sind durch gekommen damit.

sag nüt
00
ja z.b

div. ministerien
wenn die dann wissen das urheberrechtsstreitigkeiten nicht rechtschutzversicherbar sind ist es ein wunderbar leichtes spiel

natoll
03

noch eine kurze frage: warum gibts man für eine AUA mit ihren 8000 arbeitsplätzen 500 millionen aus und für über 200.000 einzelunternehmer nichtmal ein zehntel davon? jaja, ich weiß schon...

José Atento
01

Mein KMU hat bis heute keine Cent erhalten.
Aber es ist mir recht. Ich kann zum Glück auf Almosen verzichten.

Es stört mich jedoch, wenn der Mitbewerber, der seit Jahren die Preise drückt, jetzt vielleicht eine staatliche Unterstützung bekommt, weil er blank ist!

mikromalist
 
01
Weil sie von den 200K

nicht wissen, wen sie wählen.

natoll
03

wenn die liebe regierung wirklich dafür sorgen will dass kleinstunternehmen die chance haben zu wachsen müssten sie nur 3 dinge machen:
- steuergesetze und lohnverrechnung radikal vereinfachen
- den genehmigungs- und behördenwahn beenden
- das rechts- und gerichtssystem so zu gestalten das man auch als kleiner die möglichkeit hat um sein geld zu vernünftigen kosten zu prozessieren ohne von größeren schon vor prozessbeginn ruiniert zu werden. denn DAS ist mit abstand das größte problem.

was das mit dem "nicht älter als 30 jahre" sein soll, ist ohnehin fraglich. oder wollen da ein paar wirtschaftsbosse ihre töchter gefördert einstellen? wirklichen sinn hat das jedenfalls nicht. ausser verwaltungsaufwand.


mikromalist
 
00
Völlig KORREKT.

"Sie" sollten Bundeskanzler werden.
Ein Ministerium für radikale Vereinfachung, wäre die erste Aktivität?
Sie brächte einen gewaltigen Wohlstandsschub.

p.s. der "Jugendwahn" ist eine Folge der neuronalen Senilität unserer Politik. Sie haben völlig recht, Innovation muss kein Altersmascherl tragen.

sag nüt
09
wenn ich das lese bekomm ich

sooooo einen hals.
schafft uns rahmenbedinungen die uns nicht auffressen.
faire sva beiträge
geringere selbstlohnkosten
freiwillige mitgliedschaft bei den kammern
beendigung des voraus und nachzahlungsspielchens
dann können wir auch von dem leben was wir selbst und ständig tun...... die wirtschaftskammer hat uns ja eh abgeschrieben sonst würden die sich nicht um gläubigerschutz und insolvenzbedinungen kümmern .... tönt ja wie sterbebegleitung

ElisaHa
00
Danke, Sie haben mit jedem Wort recht.

normal citizen
07
???

... eine Person anstellt, die nicht älter als 30 Jahre ist und nicht aus dem Berufsleben kommt...

Schön zu sehen, daß die ganze Regierungsriege keine Ahnung vom Leben hat.

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