Die Geschichte des georgisch-ossetischen Konflikts

4. August 2009, 15:50
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Wurzeln reichen in das Zarenreich zurück - Politischer Status Südossetiens bis heute umstritten

Wien - Die Wurzeln des Konflikts um Südossetien reichen - ebenso wie zahlreiche andere im Kaukasus - in die Zeit des russischen Zarenreiches zurück. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts vereinigte die russische Regierung Georgien und südliche ossetische Gebiete unter die einheitliche Verwaltung Transkaukasiens, während nordossetische Gebiete an der nördlichen Seite des Kaukasus dem nordkaukasischen Militär unterstellt wurden. Diese Verwaltungsgliederung blieb auch in der Sowjetunion erhalten.

Zum Zeitpunkt des Zerfalls der Sowjetunion (1991) gehörte Nordossetien mit seiner Hauptstadt Ordschonikidse (heute Wladikawkas) als "Nordossetische Autonome Sozialistische Republik" zur Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Südossetien gehörte als Autonomie (Hauptstadt Zchinwali) zur Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik.

Georgischer Einmarsch

1989 kündigte Südossetien seine Loslösung von Georgien an. Ende 1989 marschierten georgische Einheiten in Zchinwali ein. Daraufhin bildeten die Osseten eine eigene Nationalgarde, die sich Kämpfe mit georgischen Einheiten lieferten. Es entstanden in der Region Partisanenverbände.

Am 20. September 1990 verabschiedete die "Volksdeputierten der Südossetischen Autonomie" eine Deklaration über die Gründung der "unabhängigen Republik Südossetien". Die Regierung in Tiflis erkannte diese Deklaration nicht an und startete 1990/1991 eine militärische Offensive gegen die abtrünnige Region. Der Krieg dauerte zwei Jahre und führte zu Tausenden Toten und Zehntausenden Flüchtlingen.

Bei einer Volksabstimmung im Jahre 1992 stimmte die Mehrheit der Bevölkerung in Südossetien für die Unabhängigkeit. Am 14. Juni 1992 wurde ein Waffenstillstand vereinbart. Einen Monat später zogen russisch-georgisch-ossetische Friedenskräfte in die Region ein. Am 4. Juli 1992 bildeten Georgien, Südossetien, Russland und Nordossetien eine gemischte Kontrollkommission, die die Einhaltung der Waffenruhe sichern sollte.

Der politische Status Südossetiens mit seinen 75.000 Einwohnern ist bis heute umstritten. An der Spitze dieser Region steht "Präsident" Eduard Kokojty, gewählt im Dezember 2001. Georgien betrachtet das abtrünnige, von Russland unterstützte Südossetien als sein Gebiet und bezeichnet es amtlich als "Region Zchinwali". Auch die internationale Gemeinschaft sieht Südossetien und Abchasien als georgische Gebiete. Moskau dagegen erkannte beide Regionen als unabhängig an.

Nach dem Machtantritt des jetzigen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili im November 2004 spitzte sich der Konflikt wieder zu. Im Jänner 2005 bot Saakaschwili der abtrünnigen Region Südossetien weitgehende Autonomierechte im Bestand Georgiens an. Der südossetische "Präsident" Kokojty lehnte das Angebot strikt ab. Südossetien sei schon lange eine eigenständige Republik und ein Beitritt zu Georgien käme nicht infrage, sagte Kokojty.

Im Mai 2006 wechselte Russland planmäßig sein Kontingent im Bestand der gemischten Friedenskräfte aus. Der Truppenwechsel erfolgte durch den Rokski-Tunnel, den Georgien nicht kontrolliert. Tiflis wertete das als Herausforderung und beschuldigte Russland, seine Militärpräsenz in der Region zu verstärken. In den folgenden Jahren erfolgten immer wieder militärische Zwischenfälle.

Anfang August 2008 kam es zu einer Eskalation des Konfliktes: Nach tagelangen Gefechten marschierten georgische Truppen in der südossetische Hauptstadt Zchinwali ein. Russische Flugzeuge griffen daraufhin Georgien an, woraufhin Präsident Saakaschwili die Mobilmachung anordnete. Der Krieg beschäftigte auch die Weltöffentlichkeit: Am 8. August trat der UNO-Sicherheitsrat auf Antrag Russlands zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Moskau und Tiflis unterzeichnen nach wenigen Tagen auf internationalen Druck ein Waffenstillstands-Abkommen. Russische Truppen bleiben in Südossetien und Abchasien weiter präsent, Tiflis betrachtet seine Gebiete als besetzt. (APA)

 

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