BZÖ drückt Haider-Museum durch

4. August 2009, 14:03
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Die Stadt Klagenfurt muss zahlen, darf aber nicht mitreden: Das BZÖ plant, die Gedächtnisschau für den verunfallten Landeshauptmann ohne Beschluss durch den Stadtsenat durchzuziehen - Nicht nur dort regt sich Widerstand

Klagenfurt - Der tödlich verunfallte Jörg Haider wird in Klagenfurt ein Museum erhalten. Vorerst nur temporär, Pläne für eine Dauerausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum, einem ehemaligen Nazi-Stollen, - der Standard berichtete - gibt es aber bereits. Trotz Gegenwehr zieht das BZÖ das Projekt, das auch ein Anliegen von Haider-Witwe Claudia ist, im Klagenfurter Rathaus im Alleingang durch.

Am Dienstag sollte es im Klagenfurter Stadtsenat einen Grundsatzbeschluss über die Finanzierung geben, welche die Steuerzahler 85.000 Euro kosten wird. Das Geld für die Haider-Gedächtnisschau soll aus dem Klagenfurter Kulturbudget bereitgestellt werden.

Nach der weit über Kärnten und Österreich hinausschwappenden Medienkritik dürfte das BZÖ mit keinem Mehrheitsbeschluss im Stadtsenat mehr gerechnet haben. Sogar der Klagenfurter Koalitionspartner SPÖ sträubte sich entgegen einer ursprünglichen Zusicherung. SP-Vizebürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz: "Wir brauchen keine Haider-Mystifizierung." Auch die Grünen hatten sich gegen eine "unstatthafte Haider-Reliquienverehrung" ausgesprochen.

Kultur- und Finanzstadtrat Albert Gunzer (BZÖ) setzte den BZÖ-Antrag jedenfalls vor Sitzungsbeginn überraschend von der Tagesordnung ab. "Ich habe bereits im Herbst 2008 vor dem Stadtsenat einen Grundsatzbericht zum Haider-Museum abgegeben" , sagt Gunzer zum Standard. Alle hätten das zur Kenntnis genommen. Auch die Finanzierung sei gesichert, da man ja hohe Einnahmen aus Ticketverkäufen, rund 120.000 Euro, erwarte: "Glauben Sie mir, die Haider-Schau wird ein Hit."

Mit dem hochbelasteten Ausstellungsort, der NS-Gauleiter Friedrich Rainer in den letzten Kriegstagen als Befehlsbunker diente, haben weder Gunzer noch BZÖ-Bürgermeister Christian Scheider ein Problem: "Dann dürften wir ja auch keine Orchideenausstellung im Bergwerkmuseum machen" , meint Scheider.

Wenn man in Klagenfurt erst einmal über die NS-Vergangenheit zu diskutieren beginne, dann "gäbe es wohl keinen öffentlichen Ort mehr, an dem man eine Ausstellung machen dürfte" . Das Bergwerkmuseum sei der "beste Ort" für die Haider-Schau. Weder Mathiaschitz noch die grüne Stadträtin Andrea Wulz kann sich jedoch an einen Grundsatzbericht Gunzers erinnern. Wulz: "Für die Finanzierung des Haider-Museums muss es einen Stadtsenatsbeschluss geben."

Die Haider-Schau soll am 10. Oktober, dem Kärntner Landesfeiertag, eröffnet werden und vorerst bis 26. Jänner 2010 geöffnet bleiben. Gunzer kündigt aber jetzt schon an: "Haiders Gedenken soll fixer Bestandteil der Landesfeiern werden." (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

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    Im Bergbaumuseum in Klagenfurt soll die Austellung über Jörg Haider stattfinden.

  • Beherzte Kärntner Studentinnen wollen den Kult um den toten Jörg Haider und die beabsichtigte Errichtung einer Haider-Gedächtnisschau in einem früheren Nazi-Stollen nicht mehr hinnehmen.
    foto: standard/maurer

    Beherzte Kärntner Studentinnen wollen den Kult um den toten Jörg Haider und die beabsichtigte Errichtung einer Haider-Gedächtnisschau in einem früheren Nazi-Stollen nicht mehr hinnehmen.

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