Bulgarien: Rund 100 Ex-Stasi-Mitarbeiter in Medien

4. August 2009, 13:58
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Eigentümer, Starjournalisten und beliebte Moderatoren enttarnt

Sofia - In den bulgarischen Medien sind gegenwärtig rund 100 frühere Mitarbeiter der kommunistischen Staatssicherheit tätig. Darunter befinden sich die Besitzer der größten privaten Radio- und TV-Sender sowie bekannte Journalisten und Moderatoren des öffentlich-rechtlichen Funk und Fernsehen, teilte die bulgarische Stasi-Behörde fest.

2.366 Personen kontrolliert

Kontrolliert wurden von der Stasi-Behörde 2.366 Personen - Eigentümer, Direktoren, Redakteure, Kommentatoren und Moderatoren- von 273 Medien. Während einige frühere Stasi-Mitarbeiter bereits bekannt waren, konnten nun erstmals Spekulationen über die Stasi-Vergangenheit des Eigentümers des einzigen landesweiten privaten Radiosender, Darik Radoswet Radew, bestätigt werden. Radew dementierte die Vorwürfe jedoch und erklärte, er habe jede Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Geheimdienst stets abgelehnt.

Auch der Medienberater Krassimir Gergorw, der den ersten privaten landesweiten TV-Sender bTV besitzt, stand im Dienst der Staatssicherheit. Gergow war offizieller Berater bei der Übernahme des Sender TV2 durch den früheren US-Botschafter in Wien und Erben des Pharma- und Beautykonzerns Estee Lauder, Ronald Lauder.

Enttarnt wurde im Zuge der Öffnung der Geheimakten der früheren kommunistischen Staatssicherheit auch der Gründer und Besitzer einer der beiden großen privaten Nachrichtenagentur, Krassimir Usuniw. Usuniw, der die Vorwürfen nicht abstreitet, war im kommunistischen Bulgarien für die militärische Gegenspionage der Stasi tätig. Auch andere Eigentümer der Kabelfernsehsender BBT, Msat und Evrokom Balgaria wurden als Stasiagenten entlarvt.

TV-Moderatoren

Nachdem schon vor Jahren dem prominenten TV-Moderator und als Starjournalist gefeierten Georgi Koritarow eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst nachgewiesen werden konnte, sorgte die Enttarnung weiterer beliebter TV-Moderatoren für Enttäuschung im TV-Publikum. Genannt wurden die Namen von Petar Wutschkow, der seit 30 Jahren eine Quizshow moderiert, der Linguist und mehrmals für seine Sprachstudien in Österreich und Deutschland ausgezeichnete Wladko Murdarow, die Radiomoderatoren Vikor Angeloew und Toma Sprostranow und Jordan Georgiew, die in der 80er Jahren als einzige im Radio moderne Musik aus dem Westen spielten.

Dabei sind immer noch nicht alle ehemaligen Stasi-Mitarbeiter enttarnt, da bisher nur Personen überprüft wurden, die seit 2006 führende Positionen innehatten. Kurz vor dem EU-Beitritt im Jahr 2007 verabschiedete die bulgarische Regierung ein Gesetz, nach dem hochrangige Politiker, Kandidaten bei Wahlen sowie Journalisten und andere Berufsgruppen auf eine Stasi-Mitarbeit überprüft werden müssen. Neue Brisanz erhielt das Thema, nachdem die neue Regierung vor zwei Wochen ankündigte, erstmals seit der Wende alle Geheimakten der früheren kommunistischen Staatssicherheit zu öffnen. Hintergrund war die umstrittene Nominierung des ehemaligen Stasi-Mitarbeiters Boschidar Dimitrow zum Minister. (APA)

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