Heuer fehlen 7.000 Lehrstellen

4. August 2009, 11:09
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Laut AMS-Vorstand Kopf gibt es aber einen Lehrstellenüberschuss im Tourismusbereich

Wien - Angehende Lehrlinge sind auch heuer wieder mit zu wenig Ausbildungsplätzen konfrontiert. Österreichweit fehlen momentan exakt 6.905 Lehrstellen, geht aus den Juli-Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS) hervor. 10.336 Lehrstellensuchenden stehen 3.431 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Das Bild sei aber verzerrt, sagte AMS-Chef Johannes Kopf.

Einerseits würden sich Jugendliche nach der Schule für eine Lehre anmelden ohne diese vielleicht wirklich machen zu wollen und andererseits kämen mit September rund 6.300 Lehrstellen hinzu. Trotz dieser Tatsache konnte Kopf dennoch nicht ausschließen, dass im Herbst Jugendliche ohne Lehrstelle dastehen werden.

Auffangnetze

Für die Betroffenen gebe es aber Auffangnetze, betonte der AMS-Chef. Zum einen gebe es die überbetriebliche Ausbildung, wo die Lehre auf Kosten des AMS beispielsweise in einer ÖBB-Werkstatt absolviert werden kann. Zum anderen bestehe die Möglichkeit, zeitlich befristet (10 bis 12 Monate) seine Defizite in AMS-Schulungen auszumerzen und dann eine Lehrstelle zu suchen, sagte Kopf. Gelinge dies nicht, dann bleibe der Jugendliche ein weiteres Jahr beim AMS.

Die Tendenzen bei Mangel und Überschuss an Lehrstellen seien jedes Jahr ähnlich, sagte Kopf. So gebe es auch heuer wieder einen Lehrstellenüberschuss im Tourismusbereich. "Dort, wo wir gerne urlauben, wohnen keine Leute", sagte der AMS-Chef und nannte als Beispiel das Zillertal.

Arbeitskräfte von "außen"

Es bedarf daher in diesem Bereich Arbeitskräfte "von außen". In Westösterreich gebe es aktuell 2.000 Lehrlinge aus Ostdeutschland, erklärte Kopf. Auf die Frage, ob die österreichischen Lehrlinge unflexibel seien, antwortet der AMS-Chef: "Traditionell gehen Lehrlinge aus Wien nicht nach Westösterreich." Wer aber flexibler sei - sowohl beruflich als auch geografisch - "findest sicher leichter etwas", so Kopf.

Hundstorfer: Jeder erhält Ausbildungsplatz

"Jeder Jugendliche, der eine Lehrstelle will, wird im Herbst eine bekommen", sagt Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) heute. Wer auch im Herbst - nach dem die Lücke zurückgegangen ist - keine Ausbildungsstelle gefunden hat, dem wird das AMS eine "überbetriebliche Ausbildung anbieten", so der Minister in einer Ausseundung.

Die Kapazitäten dafür werden " jedenfalls kräftig ausgebaut" und das Kontingent um rund 2.000 Stellen auf 12.300 angehoben. "Kein Jugendlicher wird ohne Ausbildung auf der Straße stehen", so Hundstorfer.

"Taten statt Worte"

Angesichts des Lehrstellenmangels verlangt BZÖ-Lehrlingssprecher Stefan Markowitz "Taten statt Worte". Neben dem "Blum-Bonus-neu" fordert er eine Erweiterung der Lehrwerkstätten - etwa bei den ÖBB. Mittel- und langfristig solle auch die Ausbildung reformiert werden. Ein praxisorientierteres System könne nicht nur "das zu geringe Angebot an Lehrstellen beleben", sondern die "Qualitätsverbesserung" würde auch mehr Chancen für die Lehrlinge in den Betrieben bringen.

Ähnlich wird die Lage von den Grünen beurteilt: "Wirtschaftsminister Mitterlehner und Sozialminister Hundstorfer sind dringend gefordert, hier aktiv gegenzusteuern und mittels zielgenauer Finanzierung jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu bieten", sagte die Grüne Jugendsprecherin Tanja Windbüchler-Souschill in einer Aussendung. Die Zahlen der arbeitslosen Jugendlichen mache deutlich, dass die Aktion "Zukunft Jugend" des Sozialministeriums von 120 Mio. Euro zur Unterstützung der Arbeitsmarkteintritte Jugendlicher anscheinend nicht wirklich greife, so Windbüchler-Souschill. (APA)

 

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