Yahoo-CEO rechtfertigt Microsoft-Deal

4. August 2009, 09:45
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Yahoo habe mit dem Investitionstempo von Google und Microsoft nur noch schwer mithalten können, rechtfertigt CEO Carol Bartz die Online-Partnerschaft

Die Unterschrift auf dem Papier, die am Dienstag die Suchmaschinenpartnerschaft zwischen dem weltgrößten Softwarekonzern Microsoft und dem Suchpionier Yahoo besiegelte, ist getrocknet. Dass Yahoo seine eigene Suchmaschine aufgibt und künftig die Bing-Suchmaschine von Microsoft einsetzen wird, wurde von der Börse nur mit mäßiger Begeisterung aufgenommen, der Kurs fiel zeitweise mehr als 15 Prozent.

Zu wenig Geld für Investitionen

Sie habe das Suchmaschinengeschäft verkauft, weil Yahoo zuletzt einfach nur noch schwer in der Lage gewesen sei, die gleichen Summen wie Google und Microsoft in die Suche zu investieren, versuchte Unternehmenschefin Carol Bartz nun in einem Interview mit der New York Times externen und internen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Durch das Zurückschneiden der Marketing- und Infrastrukturkosten für die Suche würde nun Geld für andere Unternehmenszwecke zur Verfügung stehen.

Konkret für weiteren Content, mobile Dienstleistungen und Yahoos "Display Ad". Bei Letzterem handelt es sich um ein Baukastensystem, anhand dessen sich Werbekunden mittels Vorlagen grafische Anzeigen selbst gestalten können. Für den Dienst, der noch in der Testphase ist, zahlen Nutzer täglich mindestens 30 Dollar. Google bietet ein ähnliches Tool für US-Kunden seit knapp einem Jahr an.

Kritik

Bartz, die erst im Jänner die Nachfolge von Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang als CEO angetreten hatte, sparte auch nicht mit Kritik am eigenen Unternehmen. Die Balance zwischen den einzelnen Abteilungen sei nicht immer stimmig gewesen. Während motivierte Mitarbeiter im Sportbereich der Plattform den Auftritt mit bahnbrechenden neuen Geschichten und originellen Kommentaren zu einer "Muss-Destination" im Web gemacht hätten, seien andere Bereiche matt vor sich hingedümpelt.

Auch wenn Yahoo durch die Vereinbarung 88 Prozent der Umsätze erhält, die mit Online-Werbung auf ihrer Plattform erzielt werden, sehen Analysten dennoch einen schmerzlichen Aderlass auf das Unternehmen zukommen. Auch in personeller Hinsicht: Indem die Kronjuwelen verkauft würden, verliere das Unternehmen viele seiner größten Techniktalente, die entweder zu Microsoft wechselten oder aus Enttäuschung zu anderen Firmen im Silicon Valley abwanderten.

Noch kein Gegengewicht zu Google

Eines dieser Talente ist schon seit Anfang des Jahres bei Microsoft als Chef der Online-Sparte an Bord: Qi Lu. Der Computerwissenschafter hatte Yahoo nach zehnjähriger Mitarbeit im Juni 2008 verlassen. Lu, der zum Team gehörte, das mit Bartz seit Jänner verhandelte, sieht den Deal mit seinem ehemaligen Arbeitgeber nüchtern. Die Allianz mit Yahoo bringe zwar der neuen Microsoft-Suchmaschine Bing, die Anfang Juni an den Start ging, endlich den bitter nötigen Schub. Doch bis ein Gegengewicht zu Google in dem Markt aufgebaut sei, sei diese erst "ein erster Schritt in einer langen, langen Reise". (kat/ DER STANDARD Printausgabe, 4. August 2009)

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    Das Geld zur Weiterentwicklung der Yahoo-Suchtechnik will CEO Carol Bartz in andere Bereiche stecken - zur Freude von Microsoft-Chef Steve Ballmer, der sich im Kampf gegen Google gestärkt fühlt.

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