Polizei vereitelt Anschlag

4. August 2009, 17:47
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Vier Verdächtige in Melbourne festgenommen – Rudd: "Terrorgefahr hält an"

In der australischen Stadt Melbourne haben Spezialkräfte der Polizei am Dienstag vier mutmaßliche islamistische Terroristen festgenommen. Sie sollen im Auftrag einer somalischen Milizenorganisation einen Anschlag auf einen Armeestützpunkt vorbereitet haben. Wie die Polizei mitteilte, wurden die Verdächtigen im Morgengrauen im Norden der Stadt festgenommen. Es handle sich um Männer im Alter von 22 und 26 Jahren. Alle seien australische Staatsbürger somalischer und libanesischer Abstammung.

Die vier wurden am Nachmittag einem Haftrichter vorgeführt. Einer der Beschuldigten, Nayaf El Sayed, wurde wegen Verschwörung zu einem Anschlag auf einen australischen Militärstützpunkt angeklagt. Er weigerte sich, vor dem Richter aufzustehen. Sein Anwalt erklärte, Sayed werde sich nur für Gott erheben. Der Richter erlaubte der Polizei, die drei anderen mutmaßlichen Terroristen weitere acht Stunden lang zu verhören.

Bei den Festgenommenen soll es sich um Mitglieder der somalischen Miliz Al-Shabab handeln, die enge Beziehungen zur Terrororganisation Al-Kaida unterhält. Sie hätten seit Monaten die Kaserne Holsworthy im Westen der Stadt Sydney ausspioniert. Wann die Attacke geplant war, wollte die Polizei nicht sagen.

"Die Absicht der Männer war es, in die Armeekasernen einzudringen und so viele Soldaten wie möglich zu töten, bevor sie selbst erschossen werden" , so der Einsatzchef der Polizei des Bundesstaates Victoria, Tony Negus. Einige der Männer hätten in Somalia militärisches Training absolviert. Einer habe dort auch im Krieg gekämpft. Die Terrorzelle habe von einem hohen islamischen Gelehrten in Somalia die Bewilligung für den Angriff eingeholt.

Weitere Festnahmen möglich

Rund 400 Beamte der Polizei, der Bundespolizei und des australischen Geheimdienstes Asio seien bei der Großrazzia in 19 Gebäuden im Einsatz gewesen. Die Verdächtigen wurden schon seit Jänner überwacht. Negus schloss weitere Festnahmen nicht aus. Die Polizei verhörte einen weiteren Mann.

Die Sicherheitskräfte mussten früher als geplant zugreifen, nachdem am Dienstag die Tageszeitung The Australian über die Terrorzelle berichtet hatte. Laut dem Reporter Cameron Stewart hat die Gruppe 18 Mitglieder. Die mutmaßlichen Attentäter wollten mit dem Überfall auf die Militärkaserne Australien für seinen Einsatz im globalen Kampf gegen den Terror bestrafen.

Canberra hat mehrere hundert Soldaten in Afghanistan stationiert und erst vor wenigen Tagen seine letzten Einsatzkräfte aus dem Irak abgezogen. Australische Staatsbürger sind immer wieder Ziel von Attacken durch islamistische Terroristen. Zuletzt starben bei einem Bombenanschlag in Jakarta drei Australier. Laut Premier Kevin Rudd seien die Verhaftungen ein Beweis dafür, "wie aktuell und anhaltend die Terrorgefahr ist". (Urs Wälterlin aus Canberra/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

 

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    Spurensuche: Australiens Polizei ermittelt nach der Festnahme von vier Verdächtigen im Norden Melbournes.

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    Hausdurchsuchung in Melbourne.

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