Müttersterblichkeit in Nepal stark gesunken

3. August 2009, 21:38
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ExpertInnen machen Legalisierung der Abtreibung für beinahe Halbierung der Sterbefälle verantwortlich - Enorme Investitionen in reproduktive Gesundheit seit 2004

In Nepal konnte die Müttersterblichkeit dramatisch gesenkt werden: von 539 Fällen bei 100.000 Lebendgeburten im Jahr 2001 auf 289 in 2006 - eine Entwicklung, die ExpertInnen hauptsächlich der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs im Jahr 2002 zuschreiben.

Breiter Zugang zu sicheren Abtreibungen

Seit 2004 hat Nepal zudem die Infrastruktur für reproduktive Gesundheit enorm ausgebaut. Innerhalb von drei Jahren entstanden 176 Einrichtungen teils mit staatlicher, teils mit NGO- und privater Finanzierung, die Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen im ganzen Land ermöglichen.

Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlicht, die bestätigt, dass legale Abbrüche in Nepal sicher durchgeführt werden können. Weniger als zwei Prozent der in die dreimonatige Untersuchung eingegangen Fälle (7.007 insgesamt) zeigten Komplikationen nach dem Eingriff. Durchgeführt wurde die Studie von der internationalen Gesundheitsorganisation Ipas im Jahr 2008. Dort hofft man, dass sich durch die Ergebnisse das Vertrauen in die Einrichtungen weiter etabliert, damit die Müttersterblichkeit bis 2015 auf weniger als 140 pro 100.000 Lebendgeburten sinkt.

Unsichere Abtreibungen als großer Risikofaktor

Laut Schätzungen der WHO gehen weltweit 15 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit auf unsichere Schwangerschaftsabbrüche zurück. In bestimmten Gebieten, etwa in Teilen Afrikas, beläuft sich der Anteil auf bis zu 30 Prozent, wie Christian Fiala, Experte für reproduktive Gesundheit gegenüber dieStandard.at betont. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass jährlich um die 65.000 Frauen an den Folgen einer unsicheren Abtreibung sterben und bis zu fünf Millionen Frauen eine vorübergehende oder permanente Behinderung von dem Eingriff davontragen.

Legalisierung ausschlaggebend

Unsichere Abtreibungen finden fast immer in Ländern statt, in denen es restriktive Abtreibungsgesetze gibt, deshalb folgt auf die Legalisierung des Abbruchs meist auch ein signifikantes Abfallen der Müttersterblichkeit. Den starken Zusammenhang zwischen Abtreibungsverboten und der Sterblichkeit von Müttern halten ExpertInnen für unterbelichtet in der Diskussion um die moralischen Aspekte von Abtreibung. (red, dieStandard.at, 3.8.2009)

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    Harte Arbeit bis kurz vor und gleich nach der Geburt gehört für nepalesische Frauen zum Alltag. Auch dieser Umstand trägt zur hohen Müttersterblichkeit bei.

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