Piraten gaben deutschen Frachter frei

4. August 2009, 18:03
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Nach einer Zahlung von 2,7 Millionen Dollar Lösegeld sind die Seeleute der von somalischen Piraten entführten "Hansa Stavanger" wieder in Freiheit

Der Besatzung gehe es "den Umständen entsprechend gut".

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Nairobi/Hamburg - Bereits wenige Stunden nach der Freilassung nahm die "Hansa Stavanger" - begleitet von mehreren Kriegsschiffen aus EU-Staaten - noch am Montagabend vom Ankerplatz nahe der Küstenstadt Haradhere Kurs auf die kenianische Hafenstadt Mombasa. Von dort würden die Seeleute, darunter fünf Deutsche, in ihre Heimatländer zurückfliegen, kündigte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier an. Den Besatzungsmitgliedern gehe es nach den Strapazen der vergangenen Wochen "den Umständen entsprechend gut" , so Steinmeier.

Das deutsche Containerschiff war vier Monate nach der Entführung am 4. April 400 Meilen vor der Küste zwischen Kenia und den Seychellen Montagnacht von den Piraten freigegeben worden - freilich erst, nachdem der Eigentümer Lösegeld gezahlt hatte. Ein Sprecher der Piraten hatte in Nairobi kurz vor der Freilassung die Übergabe des Geldes bestätigt. Man habe 2,7 Millionen Dollar (2,1 Millionen Euro) vom Eigentümer erhalten. Das Geld war nach Angaben von Spiegel online am Vormittag von einem kleinen Flugzeug über dem Frachter abgeworfen worden. Die Freigabe war bereits Ende vergangener Woche erwartet worden. Angeblich versuchten die Piraten dann noch einmal, das Lösegeld in die Höhe zu treiben. Am Montag wurde dann doch die ursprünglich vereinbarte Summe akzeptiert.

Am Wochenende hatte sich Reeder Frank Leonhardt erstmals über die Zustände an Bord der "Hansa Stavanger" geäußert. "Alle Besatzungsmitglieder an Bord sind in physisch guter Verfassung" , sagte Leonhardt. Er räumte allerdings ein, dass es in psychischer Hinsicht anders sei. "Selbstverständlich ist die seelische Belastung für die Seeleute wie auch für ihre Angehörigen erheblich."

Scharfe Kritik

Zuvor hatten der Verband deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere sowie die Ehefrau des Kapitäns die Reederei scharf kritisiert. Die Situation an Bord sei sehr ernst, es herrsche Wassermangel, Besatzungsmitglieder seien erkrankt. Dies sei aus Telefongesprächen und E-Mails zu schließen, welche die Entführten unter Aufsicht der Piraten verfasst hätten. Der neue Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen forderte unterdessen "eine ständige Rolle der Nato" im Kampf gegen Piraten. Das Militärbündnis hat schon mehrfach Kriegsschiffe in den Golf von Aden geschickt, um den Einsatz der EU-Mission Atalanta sowie der USA und weiterer Einzelstaaten gegen die Seeräuber zu unterstützen. Anders als die EU-Schiffe, die über ein dauerhaftes Mandat für die Pirateriebekämpfung verfügen, wurden die Einsätze der Nato-Verbände bisher aber immer nur kurzfristig und begrenzt auf wenige Monate beschlossen. (dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2009)

 

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    Volle Fahrt in die Freiheit: Nach vier Monaten in Piratenhand steuert die "Hansa Stavanger" den Hafen von Mombasa an.

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