Strippenzieher, der die Millionen locker verteilte

3. August 2009, 19:49
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Karlheinz Schreiber muss in Augsburg vor Gericht

Einen guten Anwalt kann sich Karlheinz Schreiber schon leisten. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet und verfügt laut der Personalenzyklopädie Who's who über ein Vermögen von 153 Millionen Euro. Selbst an den Beträgen gemessen, mit denen Schreiber in den 90er-Jahren „Landschaftspflege" in der CDU betrieb, ist das nicht wenig. Noch größer jedoch scheint das Vermögen, wenn man die bescheidenen Verhältnisse betrachtet, aus denen der heute 75-Jährige stammt.

Als sein Vater, ein Polsterer, im Krieg eingezogen wird, muss der Fünfjährige im niedersächsischen Hohegeiß die Familie bereits mit den Einkünften aus seinen Tauschgeschäften unterstützen. Schon als Knirps bekommt Schreiber jenen Grundsatz mit, der in den Neunzigerjahren dann auch in der Parteispendenaffäre gilt und die CDU in die größte Krise ihrer Geschichte stürzen wird: Wer etwas will, muss dafür auch geben.

In München arbeitet der gelernte Verkäufer zunächst in einer Teppichfirma, in der er es bis zum Geschäftsführer bringt, danach übernimmt er ein Unternehmen, das Markierungen auf Straßen durchführt. In dieser Zeit knüpft er erste Kontakte zum Wirtschaftsflügel der CSU. Und bald schon dringt der glänzende Unterhalter Schreiber in den innersten Kreis, ins Allerheiligste vor: Er wird vom bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß empfangen. Diese Freundschaft hält ein Leben lang - noch heute zeigt Schreiber stolz jene silberne Uhr, die ihm „FJS" einmal schenkte.

Teppiche und Straßenmarkierungen werden Schreiber jedoch bald zu langweilig. Er sattelt um und macht jetzt Geschäfte mit Hubschraubern, Panzern. Soll heißen: Der umtriebige Schreiber vermittelt die Deals - was genau er so gibt und nimmt, bleibt lange ein gut gehütetes Geheimnis.
Legendär sind jedoch nicht nur seine Geschäfte, sondern auch jene Sausen, die er für die CSU-Prominenz in seinem Partykeller im bayerischen Kaufering ausrichtet. Es ist ein Sittenbild des viel kritisierten „System Amigo", das Strauß senior zwar gelegentlich Ärger einbringt, bei dem sich aber nie jener ganz große Skandal nachweisen lässt, der zum Rücktritt führt.

Doch auch Bayerns Justiz schläft nicht. 1997, als ein Haftbefehl gegen Schreiber ergeht, ist es vorbei mit dem schönen Leben. Er flüchtet nach Kanada und will auch dort wieder groß rauskommen - mit Nudelherstellung. Doch dann hatte Schreiber zehn Jahre lang etwas anderes zu tun: den Kampf gegen die deutsche Justiz zu führen, den er jetzt verloren hat. (Birgit Baumann/ DER STANDARD Printausgabe, 4.8.2009)

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