Fekter muss reagieren

3. August 2009, 19:37
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Fekter sollte Stellung beziehen. Sonst droht die wichtige Arbeit der Evaluierungskommission völlig in Indiskretionen zu versacken - Von Irene Brickner

Dank Ludwig Adamovich und der Kronen Zeitung entwickelt sich der Fall Kampusch im dritten Jahr nach der Flucht der jungen Frau aus der Gewalt Wolfgang Priklopils zum sommerlichen Pausenfüller. Der Ton dabei ist ungustiös: Statt offen zu sagen, worauf sich der Verdacht stützt, dass es in dem Entführungsfall noch eine andere, bisher verborgene Wahrheit gibt, übt sich der renommierte Spitzenjurist in "Spekulationen" und "Hypothesen" über Kindheit und Gefangenschaft des Verbrechensopfers.

Warum Adamovich diesen indirekten Weg wählt, ist unklar. Dass die Kronen Zeitung es publiziert, ohne sich übertrieben um die Persönlichkeitsrechte der Beteiligten zu kümmern, schon weniger: Sie und andere Boulevardmedien tun das nicht zum ersten Mal.

Völlig unverständlich jedoch ist, weshalb sich das Innenministerium in dieser Interviewaffäre bisher nicht zu Wort gemeldet hat. Denn dort, bei Ministerin Maria Fekter, liegt die politische Verantwortung für die Arbeit der Kampusch-Evaluierungskommission: Adamovich wurde von deren Amtsvorgänger Günther Platter beauftragt, nach Ermittlungspannen in der Causa zu suchen. Und politische Verantwortung schließt Zuständigkeit für das Auftreten der Kommission nach außen mit ein: auch für Adamovichs Öffentlichkeitsarbeit, zu der Fekter bisher aber nur "kein Kommentar" einfällt.

Das ist zu wenig. Fekter sollte Stellung beziehen. Sonst droht die wichtige Arbeit der Evaluierungskommission völlig in Indiskretionen zu versacken. (Irene Brickner/DER STANDARD - Printausgabe, 4.8.2009)

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