Kühlender Partikelschirm für die Erde hätte unklare Folgen

03. August 2009 19:36

IIASA weist auf Forschungsbedarf hin, ehe kühne Projekte angegangen werden

Wien - Während Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen ein Dauerthema für Streit und Gefeilsche bleiben, arbeiten andere bereits Ideen "für den Notfall" aus: Zum Beispiel Partikel in die Stratosphäre einzubringen und damit die Sonneneinstrahlung "ausgleichend" zu reduzieren. "Aber bevor irgendeine Entscheidung über den Einsatz einer solchen Technik gefällt wird, benötigt es ein viel besseres wissenschaftliches Verständnis über mögliche Folgen", meinte Jason Blackstock vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg anlässlich der Präsentation einer internationalen Studie.

Selbst bei massiven globalen Anstrengungen, dem Klimawandel mit Einsparungen bei Treibhausgas-Emissionen zu begegnen, könnten Wissenschafter schnelle Veränderungen im Klima-System nicht ausschließen - "mit potenziell katastrophalen Auswirkungen für die Gesellschaft und Umwelt", hieß es in einer Aussendung am Montag. Das Risiko solcher klimatischen Notfälle wachse mit höheren Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre.

Theoretisch machbar - doch die Folgen sind unklar

Im Rahmen einer neuen Studie haben internationale Experten untersucht, was man noch wissen müsste, um sich im "klimatischen Notfall" überhaupt für eine Technik wie die Partikeleinbringung in die Stratosphäre zur Abkühlung entscheiden zu können. Sie sei der erste Versuch, die Palette wissenschaftlicher Fragen aufzuzeigen, die vor dem Einsatz einer solchen Technik zu beantworten wären. Laut der Studie sei die globale Abkühlung technisch machbar, aber es gebe wenig Verständnis über mögliche regionale Folgen und Risiken bzw. welche Klimaveränderungen die Abkühlung begrenzen oder verwehren.

Die exotisch anmutenden Überlegungen sind Vulkanausbrüchen abgeschaut. Auch dabei kommt es zu einer Abschirmung der Erde vor Sonnenlicht und einem kühlenden Effekt. Der Entdecker des Ozonlochs, Nobelpreisträger Paul J. Crutzen, hat deshalb vorgeschlagen, Schwefel in großen Höhen zu verbrennen. Entstehende Sulfat-Partikel sollten dann der Erde gleichsam als Sonnenschirm dienen.

Fragen, die sich stellen, betreffen etwa die verschiedenen Ansätze, wie die Partikel in die Stratosphäre eingebracht werden, wie das Klimasystem beeinflusst und die Chemie der Stratosphäre verändert werden könnte - bis hin zu Fragen betreffend neuer Beobachtungssysteme. Die Studie zeichnet eine Forschungsagenda für die kommenden Jahre auf, welche die offenen Fragen behandeln könnte. Sie würde auch Tests im Feld enthalten, wobei auch das "Risiken und Herausforderungen beinhaltet, die zunächst vorsichtig studiert werden müssen", hieß es. Die Studie wurde von der wissenschaftlichen Non-Profit-Organisation Novim im kalfornischen Santa Barbara getragen. (APA/red)

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flaute
05.08.2009 22:58

auf was für absurde ideen man nicht kommt, nur um zu vermeiden, die treibhausgasemissionen zu senken...

NeunZollNagler
 
20.08.2009 10:17

Ja...einfach zurück zum Standard der 50er!

Shadow
04.08.2009 19:46
was waren den die folgen der letzten grossen Vulkanausbrüche?

eine reduzierung der sonneneinstrahlung weltweit und eine entsprechende abkühlung. und was auch immer für partikel verwendet werden, die werden irgendwann wieder runterkommen. hoffentlich.

konsequenzen im worst case aus meiner laiensicht vor allem missernten durch veränderte klimatische bedingungen. vllt kippt das system auch als ganzes.


nicht falsch verstehen, die idee fasziniert mich schon. alleine von der alles ist möglich einstellung dahinter.
aber derart in ein system eingreifen das man nicht versteht und von dem das eigene leben abhängt ist einfach nur dumm.

NONE
04.08.2009 13:40

Die Ideen werden radikaler und idiotischer.

Jetzt wäre der beste Zeitpunkt mit dieser Pseudo-Ideologie aufzuhören.

her wig
04.08.2009 12:19

Gute Idee. So kann man die Solarenergie-Ideologen stoppen und den Markt für Öl- und Atomenergie schützen.

Nessus
04.08.2009 13:53
Und vor allem ein Riesengeschäft machen

Denn wenn das tatsächlich funktionieren sollte, ist man dann absolut abhängig von teuerster Technologie. Warum macht man nicht gleich die Atmosphäre giftig, um Atemschutzmasken verkaufen zu können? Das wäre dasselbe Prinzip

I bis
04.08.2009 16:58
Manche der Vorschläge sind gar nicht so teuer.


ZB könnte man Verkehrsflugzeuge mit stark schwefelhaltigem Treibstoff betreiben. In der Folge entstehen hohe schwefelsäurehaltige Wolken, die Sonnenlicht reflektieren und so die Temperatur senken. Sobald das CO2 unter Kontrolle ist, hört man damit auf, und die Wolken lösen sich binnen weniger Jahre auf. Das Problem wäre in diesem Fall natürlich der Saure Regen.

Ein anderer Vorschlag ist, mit vollautomatischen und autarken (weil solarbetriebenen) Spezialschiffen Meerwasser von den Ozeanen in die Höhe zu sprühen. Führt auch zu Wolkenbildung und Kühlung. Problem in diesem Fall wäre salziger Regen.

Sollte das Klima in einen kritischen Bereich geraten, könnten diese Nebenwirkungen aber das kleinere Übel sein.

NeunZollNagler
 
20.08.2009 10:22

Gehts noch? Die Schwefelpartikel halten übrigens auch das Licht zurück, dass Pflanzen für die Photosynthese brauchen. Außerdem dürfte das Klima dann bedeutend trockener werden. Das Klima würde sich jedenfalls viel radikaler ändern, als es das jetzt tut.

Diese ganzen schwachsinnigen Ideen erinnern mich irgendwie an die australische Lösung des Ungezieferproblems. Wollen Sie wirklich Aga-Kröten in der Atmosphäre?

I bis
20.08.2009 12:06
Die Vorschläge klingen wirklich wie aus den feuchten Träumen durchgeknallter Technik-Freaks.


Nachdem ich einen guten Bericht über diese Ideen im Spektrum der Wissenschaften gelesen habe, sehe ich das aber deutlich differenzierter.

Man muss sich vor Augen halten, was beim Klimawandel droht: Verwüstung ganzer Regionen, Völkerwanderungen, Überflutung halber Staaten, Zerstörung von Ökosystemen ...

Wenn solche Katastrophenszenarien sich tatsächlich entfalten, kann so ein Plan B das kleinere Übel sein.

In dem Spektrum-Artikel wird ein Forscher zitiert: "Wenn Sie Präsident der USA wären, und der grönländische Eisschild würde abschmelzen, was würden Sie tun? Sie hätten keine Wahl."

Kein US-Präsident könnte untätig bleiben, wenn Florida und New York im Meer versinken.

hlg
23.08.2009 09:24
wenn man eine lüge oft genug wiederholt...

denken die leute es ist die wahrheit.

NeunZollNagler
 
20.08.2009 13:21

Ja, aber selbst in den worst-case Szenarien wäre der ansteigende Meeresspiegel erst nach vielen Amtszeiten ein Problem. Partikel in die Atmosphäre einzubringen dürfte hingegen dürfte das Erdklima sehr kurzfristig abkühlen (wie beispielsweise nach dem Ausbruch des Pinatubo), weshalb es imho sinnlos ist jetzt darüber nachzudenken.

Bis dahin stehen vielleicht auch bessere technologische Möglichkeiten zur Klimasteuerung zur Verfügung.

Zumal sich in der Menschheitsgeschichte Abkühlung meist deutlich schlechter ausgewirkt hat, als Erwärmung. Bis zum Erreichen des mittelalterlichen Optimums ist noch genügend Raum nach oben.

hlg
05.08.2009 17:16
ja genau...

schließlich haben schon die römer gewußt, daß nach dem sieg über einen feind wie karthago das salzen der felder dafür sorgt, daß von diesem gebiet sicher keine bedrohung mehr ausgeht...

die ansäßige bevölkerung stirbt nämlich in der darauffolgenden hungersnot.

schwefelsäure dürfte eine ähnliche wirkung haben nehme ich an...

aber sicher kann man von den sprayern auch gleich die genmanipulierte hi-tekabhilfemaßnahme günstig beziehen.

die liegt sicher schon in deren schubladen...

Klaus Ermecke
 
05.08.2009 14:40
Unfug

Es wäre besser, einmal kritisch über den unfundierten Klima-Hokuspokus nachzudenken, anstatt sich in Spekulationen über unsinnige Rettungspläne zu ergehen.

Shadow
04.08.2009 19:37
kritischer Bereich?

für den Menschen vllt. die natur wird sich anpassen.

aber nur weiter so. schwefel in die atmosphäre und salzhaltigen regen erzeugen. eh wurscht.
solche vorschläge zeigen am besten das es keinem um die umwelt an sich geht. man will nur selber keine unanehmlichkeiten haben bzw. am besten noch profitieren.

Carcharodon
 
04.08.2009 12:00
Ich weiß, ich weiß,...

...eigentlich sollte ich jetzt diskutieren und Argumente bringen wie "Tech-fixes haben in hochkomplexen Systemen noch nie funktioniert, die Ergebnisse sind immer absolut unvorhersehbar" oder "wann immer wir in Kreisläufe, die wir durcheinandergebracht haben eingreifen, um was zu "reparieren", machen wir's nur noch schlimmer (Beispiele gibt's genug)" aber ganz ehrlich - am liebsten würde ich mir bei so einer Schnapsidee nur die Ohren zuhalten und ganz laut NEEEEEIIIIIIIINNNN!!!! schreien...

T.h. omas
11.08.2009 07:13
rei nach Volker Pispers:

"Wenn ich morgens die Zeitung aufschlage, dann möchte ich am Liebsten zurück schlagen"

CaptainMaxwell
04.08.2009 11:12

Einfach im Planetenkonzil dafür stimmen den Solarschirm zu starten.

Zakharov hat die Technologie dafür und Morgan das Geld. Nur Miriam stimmt wie immer dagegen, die ist die einzige die einer Sinnflut was abgewinnen kann.

reinhard79
04.08.2009 14:44

Meinem Favoriten Svensgaard wirds egal sein :-)

CaptainMaxwell
04.08.2009 11:16

Ja, den Typo könnt ihr behalten.

her wig
04.08.2009 10:13

Ein Schildbürgerstreich. Statt die Verbrennungs- durch Solarenergie zu ersetzen wird der Himmel verdunkelt und so diese Exit-Strategie verunmöglicht. Der Mann hat völlig recht: die sollten vor dem Tun ein bisschen denken.

I bis
04.08.2009 17:16
Es geht nicht um Monster-Technik statt Solarenergie.


Das Problem ist: Uns geht die Zeit aus, die solare Zukunft könnte zu spät kommen, wir haben zu lange gezögert und viele tun das noch heute.

Wir dürfen noch ca. 1000 Mrd. t CO2 emittieren, um die Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen. Derzeit halten wir irgendwo bei 30 Mrd. t / Jahr, Tendenz mittelfristig weiterhin deutlich steigend.

Wir haben also nur wenige Jahrzehnte für eine 180°-Wende. Dazu kommen die vielfältige Unsicherheiten (Klimamodelle, Rückkopplungseffekte, Wirtschaftsentwicklung, technischer Fortschschritt ...)

Kurz: Es ist völlig offen, ob sich das ausgeht.

In dieser Situation ist ein Plan B absolut vernünftig. Sozusagen als Rettungsfallschirm, wenn der Hauptschirm nicht rasch genug greift.

die leibhaftige
05.08.2009 12:54
>8-:) I kenn mi ned mehr aus.

Z´erst schreibens von 2° dann von ana 180°-Wende. Wollen´s wirklich - 178° erleben?

Klaus Ermecke
 
05.08.2009 12:09
Sehr schön ...

... bei Ihnen hat die Angstpropaganda gewirkt. Jetzt multiplizieren Sie sie weiter und denken, Sie würden damit die Welt retten.

Lesen Sie eigentlich gar nicht meine Postings?

I bis
05.08.2009 18:24
Ich bin möglicherweise einer der wenigen, der ihre Postings ernsthaft liest. Ich bestehe nicht drauf, recht zu haben, ich habe mich schon oft genug geirrt.


Allerdings haben mich ihre Argumente nicht überzeugt:

Sie berufen sich auf Axel Mörner, dem ich als Wünschelrutenexperte wenig Vertrauen entgegebringe,

ein Experiment aus dem Jahr 1909 (?), zu dem ich fast keine Informationen finden konnte,

und Sie wiederholen ständig, nur eine höhere Heizleistung könne die Temperatur anheben, was unsinnig ist, denn dann hätte es etwa zur Zeit der Saurier wegen der damals geringeren Sonnenstrahlung kälter und nicht wärmer sein müssen.

Ich kann mich auch an ein paar erhellenden Zahlen erinnern, wonach der Wärmetransport in die obere Athmosphäre fast ausschließlich durch Konvektion erfolge. Das stimmt aber mit anderen Quellen nicht überein.

Klaus Ermecke
 
05.08.2009 19:20
Überzeugungen - II

Und nun zu meinem Kernargument und Ihrem Einwand: Materie strahlt Wärme ab, dadurch kühlt sie aus. Ist nun ein Körper bei sonst gleichen Eigenschaften heißer als zuvor, dann strahlt er mehr ab. Das ist eine unveränderliche Stoffeigenschaft, die vermutlich auch schon bei der Entstehung des Universums galt.

Die Dinosaurierzeit hat nun ca. 165 Mio Jahre angedauert, in dieser Zeit gab allein schon wegen der Milankovitch-Zyklen vielfachen Klimawandel, außerdem verschoben sich die Kontinente beträchtlich. Schließlich herrschte zumindest am Anfang der Periode vermutlich noch ein deutlich höherer Luftdruck, was zwangsläufig ein wärmeres Klima bedeutet hätte.

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