Gentechnik holt weggezüchtete Mais-Eigenschaft zurück

3. August 2009, 23:00
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Forscher bauen Pflanzen ein Molekül ein, mit dem diese per Duftsignal parasitische Würmer gegen Schadinsekten zu Hilfe rufen

Neuenburg/Jena - Gentechnikern ist es gelungen, den im Verlauf der Zucht bei einigen Maissorten verloren gegangenen Duft-Abwehrmechanismus wieder herzustellen. Dieser Mechanismus lockt Feinde von Wurzelschädlingen an, wie die Schweizer Universität Neuenburg und das Max-Planck-Institut (MPI) für chemische Ökologie in Jena am Montag mitteilten.

Die Forscher hatten herausgefunden, dass einige amerikanische Maissorten nicht mehr in der Lage sind, die schützende Substanz selbst zu produzieren. Die Fähigkeit sei vermutlich im Laufe der traditionellen züchterischen Auslese verloren gegangen. Folgen seien enorme Ernteausfälle durch den Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera), einen nur fünf Millimeter großen Blattkäfer, der in Nordamerika beträchtliche Schäden angerichtet hat und inzwischen auch nach Europa eingeschleppt wurde.

Duftender Hilferuf

Nun konnte das beim Mais für den duftenden "Hilferuf" verantwortliche Molekül identifiziert werden. Die flüchtige Substanz werde dabei nicht nur beim Angriff auf das Blattwerk, sondern auch im Wurzelbereich produziert. Der Duftstoff locke Nematoden an, winzige parasitische Würmer, welche die schädlichen Larven des Maiswurzelbohrers vernichteten. Biotechnologie und biologische Schädlingsbekämpfung seien erstmals "auf elegante Weise" vereint worden, wird Ivan Hiltpold als einer der führenden Autoren der Studie zitiert, die in der wissenschaftlichen Zeitschrift PNAS veröffentlicht wird.

In weiteren Experimenten sollen nun die Anwendungsmethoden für Nematoden und das Molekül optimiert werden. Laut den Forschern könnte das Molekül auch zum Schutz anderer Kulturpflanzen dienen, da es durch seine Diffusionsfähigkeit ein ideales unterirdisches Signal darstelle. Ein entsprechender Patentantrag sei bereits gestellt worden. (APA/AP/red)

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    Äußerst ungern gesehener Gast auf Maispflanzen: Der Maiswurzelbohrer - noch viel verhasster sind allerdings seine gefräßigen Larven.

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