Karikatur der globalen Krise

3. August 2009, 18:31
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Das Multitalent Jan Fabre erhebt mit "Orgy of Tolerance", seinem neuen Stück über die Auswüchse der Wirtschaftskrise, warnend den Zeigefinger. Nach der Uraufführung in Santiago de Chile nun bei Impulstanz

Die aktuelle Krise geht nicht spurlos am zeitgenössischen Tanz vorbei. Gewinnmaximierung, Konsumgier, rücksichtslose Akkumulation, schamlose Bereicherung auf Kosten anderer - das alles stößt auch dem belgischen Künstler Jan Fabre sauer auf. Und es ist bekannt, dass er heftig zu reagieren pflegt.

Im Alter von siebzehn Jahren hat der 1958 in Antwerpen geborene Enkel eines berühmten Insektenforschers seine ersten Stücke geschrieben. Und daraufhin in den 70ern mit furiosen szenischen Behauptungen einen multidisziplinären Weg eingeschlagen, der zum Gesamtkunstwerk führte: Fabre ist Choreograf, bildender Künstler, Schriftsteller und Regisseur in einem, und seine Arbeiten sind von allem zugleich durchdrungen. Damit hat er sich ab den 80er-Jahren im europäischen Feld unvergleichlich exponiert.

Seine bahnbrechenden Werke waren This is Theatre like it was to be expected and foreseen und The Power of Theatrical Madness Anfang der 80er-Jahre. 1986 hat er seine Kompanie Troubleyn in Antwerpen gegründet und mit ihr in weiterer Folge an der Dialektik der inneren und äußeren Bilder, von Form und Aggression gearbeitet, vorwiegend zu den Themen Tod, Schönheit, Gewalt und Erotik. Fabre war auch auf sämtlichen Biennalen und im Louvre mit Ausstellungen zu Gast; das Kunsthaus Bregenz hat er 2008 mit einer die Etagen durchdringenden Skulptur beehrt.

Mit Orgy of Tolerance, das im Jänner seine Uraufführung in Santiago de Chile erfuhr und nun bei Impulstanz gastiert, besinnt sich Fabre seiner anarchischen Zeiten.

War sein letztjähriges Impulstanz-Gastspiel Another Sleepy, Dusty, Delta Day ein kleines, ruhiges todessehnsüchtiges Solo, so wird die aktuelle "Orgy" ihrem Namen nur gerecht: Neun Schauspieler verausgaben sich in drastischen Bildern in Globalisierungs- und Kapitalismuskritik. Ein explosives Stück mit tiefsitzender Moral. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe 4.8.2009)

Info

"Orgy of Tolerance", 5., 7. & 8. 8., Akademietheater, 21.00

  • Nachdenken über ethische Grundsätze. Jan Fabres "Orgy of Tolerance" ist eine krasse Aufforderung, sich den Prinzipien rücksichtsloser Gier zu verweigern.
    foto: stoop

    Nachdenken über ethische Grundsätze. Jan Fabres "Orgy of Tolerance" ist eine krasse Aufforderung, sich den Prinzipien rücksichtsloser Gier zu verweigern.

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