Ein China-Projekt à la Mode kneblaise

3. August 2009, 18:30
posten

Liquid Loft aus Wien und das Jin Xing Dance Theatre aus Schanghai gestalten zusammen eine queere "Lovely Liquid Lounge" mit Musik und Performances

Drei kraftvolle Protagonistinnen machen eine Lovely Liquid Lounge zum prickelnden Erlebnis: die Chinesin Jin Xing, die Kanadierin Stephanie Cumming und die Österreicherin Jakob Lena Knebl.

Das Publikum sitzt auf Sofas oder Hockern, und es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Die Modekünstlerin Lisa D zeigt unter dem Titel Neufundland, wie die Idee des Bekleidens zur Skulpturierung des Körpers führen kann. Ein Gespräch über Transsexualität - unter anderem mit dem Maler und Filmemacher Hans Scheirl - wird inszeniert.

Denn diese Lounge ist ganz auf Queerness eingestellt. Jin Xing, der Star des zeitgenössischen chinesischen Tanzes, war einmal ein Mann, diente bei der Armee, bevor er beschloss, eine Sie zu werden.

Wie das vor sich ging und wie schwierig es - gerade in China - war, hat die Künstlerin in ihrer Autobiografie Shanghai Tango beschrieben. In der Lounge spricht die Diva und nunmehrige Leiterin des Jin Xing Dance Theatre auch darüber, wenn sie unter dem Titel Meeting Jin Xing moderierend, tanzend und erzählend auftritt.

ah. poetry

Stephanie Cumming zeigt ihr Solo "ah. poetry", eine ironische Reflexion über die soziale Konstruiertheit von Geschlechterrollen mit Bezug auf Virginia Woolfs Roman Orlando. Die Tänzerin macht aus dem Genderthema eine Satire, die unter die Haut geht. Jakob Lena Knebl, Performancekünstlerin mit Mode-Label, ist in ihrer Körperrepräsentation das genaue Gegenteil von Cumming. Eine kräftige Erscheinung, der das Verschwimmen der Geschlechtergrenzen sofort anzusehen ist und die zu einem eher deftigen Humor neigen könnte. In dem Solo Mode française performt sie ihre Biografie.

Jin Xing zeigt in der zentralen, gemeinsam mit Liquid Loft entwickelten Performance "Das China Projekt" mit einer Gruppe von Tänzerinnen und einem Tänzer die Geschlechterverhältnisse in China auf: die Frau als Fetisch, der Mann als Konsument des Weiblichen. Eine sarkastische Tanzperformance über Klischees und ungelöste Konflikte im neuen Kapitalismus des Reichs der Mitte.

Musikalisch getragen wird diese Lounge von dem brillanten Liquid-Loft-Mitbegründer Andreas Berger, der der Lounge einen unvergesslichen Klangraum beschert. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, Print, 4.8.2009)

"Lovely Liquid Lounge" am 13., 15. & 16. 8. im Kasino am Schwarzenbergplatz, 19.00 Uhr

  • "Lovely Liquid Lounge"
    foto: impulstanz/ liquid loft

    "Lovely Liquid Lounge"

Share if you care.