Italien macht Ernst mit Wiedereinstieg in Atomenergie

3. August 2009, 17:44
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Enel und EdF gründen ein Joint Venture für den Kraftwerksbau - vier Atomkraftwerke sollen gebaut werden

Mailand - Italien will in den nächsten Jahren vier Atomkraftwerke bauen. Dafür werden der halbstaatliche Stromkonzern Enel und die französische EdF zusammenarbeiten. Zu Wochenbeginn haben Enel und Edf das gemeinsame Unternehmen "Sviluppo Nucleare Italia" gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Rom soll Machbarkeitsstudien für die vier Atomkraftwerke erstellen.

Vorgesehen ist, dass bei den vier Werken die Technologie des französischen Druckwasserreaktors Erp zur Anwendung kommt. Enel ist am französischen Atomreaktor Erp mit zwölf Prozent beteiligt. Der italienische Stromkonzern ist auch Protagonist bei dem Ausbau der Atomkraftwerke in der Slowakei. Die Kapazitäten des Kraftwerks von Mochovce sollen bis 2012 verdoppelt werden. "Die Slowakei dient als Prüfstein für Italien", erklärte Enel-Chef Fulvio Conto das Engagement in Mochovce. Enel kontrolliert die Mehrheit der slowakischen Slovenské Elektrarne.

Italien war vor mehr als 20 Jahren aus der Atomenergie ausgestiegen. Nun hat die Regierung mittels eines Gesetzesdekrets die Wiedereinführung der Kernkraft beschlossen. Bis Jahresende sollen die Vorgaben für die Standorte definiert werden. Als mögliche Plätze werden die Regionen Venetien und Sizilien genannt, aber auch in der Lombardei zeigt man sich nicht abgeneigt. Allerdings müsse erst geklärt werden, ob die technischen Voraussetzungen für Kraftwerk und Endlager gegeben sind. Zudem könnte es in den Regionen neue Volksabstimmungen geben. Angeblich sollen die Regionen, die sich für einen Atomreaktor entscheiden, in den Genuss steuerlicher Begünstigungen kommen.

Mit der Einführung der Atomkraft soll der Energiemix verändert werden: Nur noch 50 Prozent statt bislang 82 Prozent sollen aus Öl- und Gaswerken gewonnen werden. 25 Prozent sollen künftig aus Atomkraftwerken und weitere 25 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen (bisher 18 Prozent) kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist allerdings der Bau von zwölf Atomkraftwerken mit einer Kapazität von je 1300 Megawatt nötig. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2009)

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    Nicht überall in Italien freut man sich auf die Atomkraft.

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