Almodovar: "Sie weint sehr gut!"

3. August 2009, 17:08
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Für Penelope Cruz war Almodovar "der Grund, dass ich Schauspielerin geworden bin" - Regisseur kritisiert Papst als weltfremd

Berlin - Bei der Pressekonferenz vor der abendlichen Deutschlandpremiere des Films "Zerrissene Umarmungen" schwärmte Regisseur Pedro Almodovar (57) ausgiebig von seiner Hauptdarstellerin Penelope Cruz. "Sie weint sehr gut!", erzählte der Spanier, der mit Cruz bereits den vierten Film gedreht hat. "Sie ist absolut emotional." Mit großen Gefühlen hat auch Cruz' neue Rolle zu tun. In "Zerrissene Umarmungen" spielt sie eine Schauspielerin zwischen zwei Männern. Dabei geht es um Eifersucht, verzwickte Familienverhältnisse und einen "Film im Film". Der Streifen startet am Freitag (7.8.) in den österreichischen Kinos.

"Er ist der Grund, dass ich Schauspielerin geworden bin", beschrieb ihr Verhältnis zu Almodovar. "Mit Pedro zu arbeiten ist immer sehr inspirierend." Auch nach so vielen Jahren des Erfolgs plagen die Schauspielerin immer noch hin und wieder Selbstzweifel. "Wenn ich einmal keine Selbstzweifel mehr hätte, dann müsste ich mir wohl einen neuen Job suchen", meinte sie. Almodovar ("Volver", "Alles über meine Mutter") verriet bei der Gelegenheit sein Rezept, mit dem Erfolgsdruck umzugehen. Er befasse sich niemals mit der Sorge, dass der nächste Film der beste werden müsse. "Von diesem Gedanken habe ich mich schon lange befreit." 

Kritik am Vatikan

Der Regisseur hat in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" Papst Benedikt XVI. Weltfremdheit vorgeworfen. "In meiner Filmwelt spielt es keine Rolle, dass der Papst nur die katholische Variante der Familie anerkennt", sagte Almodovar: "Seit mehr als zwanzig Jahren drehe ich Filme, in denen eine Familie eine Gruppe Menschen ist, in deren Mitte es ein kleines Wesen gibt, (...) egal, ob die Gruppe aus getrennten Eltern, Transvestiten, Transsexuellen oder aidskranken Nonnen besteht. Warum spaziert der Papst nicht einfach mal aus dem Vatikan heraus und schaut sich an, was heute eine Familie ist?" Es sei doch "völlig irrsinnig, nicht anzuerkennen, wie Abermillionen Menschen heute leben!" Seine Film-Familien seien realer als die des Papstes, "weil sie nicht nach irgendwelchen Dogmen, sondern in den Kompromissen des Daseins leben". (APA)

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    foto: epa/jens kalaene
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